Auf meinem Tische steht ein Rosenstrauß in einer Opalschale. Kleine
Sonnenfunken huschen über den irisierenden Stein, über die duftenden
Blumen. Purpurn die einen, blaß und zart die andern. Sie sind von ihm.
Und auch das Buch daneben. „Das Evangelium Buddhas“, die schönste, die
poetischste der Religionen, die Religion der Güte. Ich schlage es auf
und lese auf’s Geradewohl diese Stelle:
„Erbarme Dich Derer, die mühselig und beladen sind. Habe Mitleid mit
den Leidenden. Hilf den Geschöpfen, welche hoffnungslos darniederliegen
in den Fallstricken der Trübsal. Der Wohltäter hat den Pfad der
Erlösung gefunden. Er gleicht einem Manne, der ein Bäumchen gepflanzt
hat und sich dadurch Schatten, Blüten und Früchte sichert“.
Gerade diese Stelle hat er mir früher einmal genannt. Ich glaube, es
ist sein Motto.
Ich habe das Buch geschlossen, mich zurückgelehnt im Schaukelstuhl und
den Duft einer Rose eingesogen. -- -- -- Dann bin ich traurig geworden.
-- Morgen wird die Glut verbleichen -- und nichts bleibt übrig als ein
welkes Blätterhäufchen. Es war. -- Wenn man so nimmt, man müßte weinen
über die Schönheit eines Blumenlebens, das man in Händen hält. -- --
Ich kenne mich selbst nicht mehr. Ist das dieselbe vernünftige Mimi,
deren Herz erstarrte, weil es zur Maienzeit ein Frost getroffen? --
Oder ist’s die Andere, die Fremde?
Früher waren’s Nelken, jetzt sind es Rosen.
Es ist noch nicht so lange her.
O über unsere Unbeständigkeit!
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Am 12. Juni.
Der General hat mir seine Photografie gegeben. „~Cosa sarebbe la vita
senza speranza? Dunque speriamo~“ steht darauf.
Ja, wenn man könnte!
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Am 14. Juni.
Egon hat viel zu tun mit seinem Buch und einer Arbeiterversammlung, der
er nächstens präsidieren soll. -- Ich seh’ ihn selten und wenn, dann
scheint er mir einsilbig und zerstreut. Zum Concert aber, heute Abend,
bei Solfini, will er kommen.
„Ob mir denn nicht wohl sei“, frug die Tante, „weil ich so blaß
aussehe.“
Ich glaube, sie muß etwas gemerkt haben. Ich bin ihr dankbar, daß sie
nicht darüber spricht.
Traurig ist’s, das Leben ohne Hoffnung.
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