Jetzt war es aber zu Ende mit meiner Geduld. „Gib’ Dir deshalb nur

keine Mühe. Ich teile gar nicht Deine Ansicht, daß es das höchste Glück

ist „einen Mann“ zu finden. Auf den Heiratsmarkt lasse ich mich nicht

schleppen, da mußt Du schon allein gehen.“

„Du abscheuliche Person! Das hat man davon, wenn man es gut mit Dir

meint. Du wirst mich noch ins Grab bringen.“ Ein paar Staffagetränen,

gerungene Hände, zugeschlagene Thüren, damit endeten in der Regel

unsere unerquicklichen Diskussionen.

* * * * *

Mama, im Banne ihrer fixen Idee, ließ uns mehr Freiheit. Wir lasen

und plauderten miteinander wie in alten Zeiten und doch schwebte

unheildrohend über unserem Glücke eine dunkle Wolke. Wenn sich unsere

Hände berührten, zuckten wir zusammen und wenn er seine leuchtenden

Augen in die meinen senkte, durchlief es mich heiß. -- Unsere Liebe

hatte jenen Grad erreicht, wo die Sehnsucht nach dem Besitz erwacht und

wir wußten Beide, daß wir einander nie gehören durften.

Vincenz Leiden hatte sich verschlimmert und dazu kam, daß er sich

aufrieb im Kampfe zwischen Pflicht und Leidenschaft. -- Er suchte

mich zu täuschen, konnte aber nicht verhindern, daß er oft jählings

erbleichte und nach Atem rang.

Diese bösen Symptome machten mir große Angst. Ich beschwor ihn, seine

Praxis aufzugeben, sich eine zeitlang zu schonen und in einem wärmeren

Klima Heilung zu suchen. Lange sträubte er sich gegen diesen Plan --

die Idee einer Trennung schien ihm unerträglich, aber schließlich gab

er nach.

„Weißt Du noch Mimi, wie Du betetest um meine Gesundheit? Damals in

der Kapelle. Ich war tief gerührt. Jetzt stehen die Dinge anders. Du

warst eine gelehrige Schülerin: es werden Dir’s Wenige nachmachen.

Und glaubst Du, verdiene ich einen Vorwurf, daß ich Dir Licht und

Erkenntnis brachte?“

„Du nahmst mir einen Halt, Vincenz und anfänglich schien es mir

grausam. Jetzt bin ich Dir dankbar, daß Du das Wahngespinnst zerrissen

und mir die Wahrheit gezeigt hast.“

„Ja, es war nur der erste Schritt, der Dir schwer wurde. Aber dann muß

es Dir wie eine Erleichterung geschienen haben. Früher, da führten sie

Dich am Gängelband, da durftest Du nicht rechts und nicht links sehen.

Immer gradaus hieß es marschieren, und keine von den Blumen pflücken,

keine der Früchte brechen, die Dir so verführerisch entgegenwinkten.

-- Jetzt darfst Du Dich frei bewegen und beiseite schleudern, was sich

Dir hemmend in den Weg stellt. -- Jeder Grashalm, jeder Käfer erzählt

Dir eine Geschichte und jedes neue Blatt im Buche der Natur enthüllt

Dir große Wunderdinge. Früher Sklave, jetzt frei. -- -- Und um wie

Vieles consequenter sind wir, als Jene, die nicht zwei übereinstimmende

Erklärungen für ihre Thesen aufbringen können. Sie wissen, daß der

Mensch an Gottes unerforschlichen Ratschlüssen nichts zu ändern

vermag, und versuchen ihn durch Gebet und Gelübde. -- Sie rufen den

Barmherzigen an und preisen den Grausamen. Sie fürchten, zu hohen

Genuß am Leben zu finden, sich durch irdische Gesinnung die Thore des

Himmels zu verschließen: dabei beben sie vor dem Tod, obwohl gerade der

sie ihrem Ziele näher bringt.“

„Ja, Du hast Recht.“

„Wir denken viel logischer. Es fällt uns nicht ein, Gnade von der

„Natur“ zu erflehen, und wenn uns Böses trifft, dann ziehen wir sie

auch nicht zur Verantwortung. Unsere Göttin ist viel zu erhaben, sie

steht auf viel zu hohem Piedestal, um sich mit den kleinlichen Wünschen

der Einzelnen zu befassen. Lächelnd oder zürnend, handelt sie nach

ewigen Gesetzen, stets das Ganze im Auge behaltend. Sie schafft mit

Feenhänden und zertrümmert mit Keulenschlägen, sie ist Gott und Dämon

zugleich. „Lernt mich kennen, forschet“, ruft sie uns zu „und wir

entdecken täglich neue Reize an der Uralten, Ewigjungen. -- Wir wissen,

daß wir nur ein positives Gut, die Gegenwart, besitzen, und darum

verstehen wir zu genießen.“

„Es ist wahr. Jede neue Entdeckung auf diesem Gebiet erfüllt mich

mit einer Freude, die ich früher nicht gekannt. -- Es kommt mir vor

wie Blitze, die ins Dunkel leuchten und ich bin Jenen tief dankbar,

die unser Wissen bereichern. Es ist kein unsicheres Tasten mehr auf

trügerischem Boden, sondern ein ruhiges, angstloses Gehen.“

„Nun, dann kann ich mit meinem Werk zufrieden sein.“

* * * * *

Robert umschwärmte seit geraumer Zeit seine Ballbekanntschaft, die

exotische Marquise. Alles an ihr war eigenartig -- Name, Erscheinung

und auch die verschiedenen Legenden, die sich um ihr kleines,

puppenhaftes Figürchen rankten. Sie war Spanierin von Geburt, nach

dem fernen Westen übersiedelt, und man faselte von ihren ungeheuren

Schätzen -- Plantagen sagten die Einen -- Goldminen behaupteten die

Andern und wichen nicht von ihren Fersen.

Früher hatten nur blonde, blauäugige Frauen für ihn existiert, jetzt

galt nur mehr der südliche Typus. -- -- Er schien allerdings etwas

piquiert über die Bereitwilligkeit, mit der ich meiner Nachfolgerin

das Feld räumte, im Übrigen besaß er nun zu wenig Zeit, um darüber

nachzudenken. Der Kopf schwirrte ihm von Hofbällen, diplomatischen

Soiréen und von seiner ersten Audienz -- einem inhaltschweren Ereignis

im Leben eines Lieutenants. Das würden noch sicher seine Kindeskinder

zu hören bekommen, etwas ausgeschmückt natürlich.

„Ich habe mit Vergnügen gesehen, daß Sie zu unseren eifrigsten Tänzern

zählen.“

„Kaiserliche Hoheit“, versetzte er schneidig „es ist aber auch eine

Passion, mit unseren Aristokratinnen zu walzen“, worauf die Hoheit

scherzend mit dem Finger drohte: „Ja, solch’ junges Blut!“

Roberts pausenloses Geschnatter ermüdete mich stets. Das gieng in einer

Leier fort wie eine Mühle, ohne Beistriche, ohne Punkte, immer im

nämlichen Tonfall. Und wie kindisch er war! Glaubte er denn wirklich,

daß Donna Trinidad die weite Reise über’s Meer gemacht, um gerade ihn

zu erorbern? Es gab ja so viele Lieutenants in der Armee: da half weder

das verschwenderisch pomadisierte Flachshaar, noch die funkelnden

Lackstiefletten und das Goldbracelet. Damit wollte er nämlich ihre

Eifersucht wecken.

Merkwürdig blieb nur die Tatsache, daß sich kein wirklich reicher

Bewerber fand und sie die Anderen in Bausch und Bogen mit souveräner

Geringschätzung behandelte.

Donna Trinidad war wie so manche exotische Größe, über die man keine

bestimmten Anhaltspunkte besitzt, aufgetaucht wie ein Meteor, um

alsbald zu verbleichen. Sie glänzte mit erborgtem Lichte und hatte

Uneingeweihte zu blenden vermocht, darunter Robert. Eines schönen Tages

war sie verschwunden auf Nimmerwiedersehen; der Hôtelier war um ein

paar tausend Gulden ärmer und um eine Erfahrung reicher.

Der Vetter wetterte und tobte über die Blamage und bedachte sich

einsichtsvoll mit dem Attribute „Wurze“, und die anderen Courmacher

wußten auf einmal die ärgsten Schaudergeschichten über die

„Talmi-Marquise“ zu erzählen.

„Ja, ein Pechvogel muß man sein“, resumierte der enttäuschte Robert

sein Abenteuer, „unter einem Unglücksstern geboren, wie ich. Ich kann

schon einmal unternehmen, was ich will, es wird mir immer mißlingen.“

Mama, die ihre Taktik ihm gegenüber geändert, suchte ihm Mut

zuzusprechen. Sie hatte ihm großmütig verziehen, daß er ein „Steindorf“

war, denn sie bedurfte seiner, um Reclame im Regiment zu machen.

Es ist etwas Eigentümliches um den Ruf, den Einem die Leute machen.

Zuerst sagt Einer so ganz obenhin etwas Lobendes, die Andern sprechen

es ihm nach; Keiner zweifelt mehr daran, oder wenn er es tut, so

schweigt er. Das Urteil wächst, verbreitet sich nach allen Richtungen,

und eines schönen Tages ist es zur öffentlichen Meinung geworden: auf

dieselbe Art wie das Klatschspiel, das Volkslied. Alle singen sie die

nämliche Weise, die Menschen, und die Spatzen auf dem Dache.

Damit rechnete Mama. Wenn dem Oberst nur Gutes, Schönes über sie

zu Ohren kam, mußte ihn das erweichen, zur Entscheidung bringen.

Und Robert war leicht zu gewinnen: ein paar gute Diners, ein paar

Schmeicheleien, und gar wenn man ihn mit einigen Gräfinnen bekannt

machte, hatte man ihn auf seiner Seite.

Von ausländischen Marquisen wollte er nichts mehr wissen: es war doch

weniger riskiert, sich an den einheimischen Adel zu halten.

* * * * *

„Ja, ja die Intoleranz! Du wirst sie nirgends häufiger antreffen, als

bei den unteren Schichten. Das Pharisäertum ist ein weitverbreitetes

Übel. Es verursacht ein so angenehmes Prickeln, in unnahbarer Tugend

die Schwächen Anderer zu verurteilen.“

„Aber da sollte doch der Pfarrer“ -- --

Gewiß, als der Berufenste den Leuten ins Gewissen reden. Doch sieh’

Dich um, wer bekleidet in den Landgemeinden das Seelsorgeramt?

Bauernsöhne, die sich durch das kurze Studium einen gewissen Schliff

angeeignet haben, eine halbe Bildung. -- Wie oft sind ihnen nicht

einmal die schönsten Worte verständlich: „Liebe Deinen Nächsten wie

Dich selbst.“ -- „Und“, fuhr Vincenz mit Wärme fort, „hat doch gerade

dieser einzige Satz den größten Reformator aller Zeiten unsterblich

gemacht. „Liebe, Nachsicht und Vergeben“; wie viel ließe sich darüber

sagen. Hast Du den Schwanberger näher gekannt?“

„Seid ich ungehindert mit den Steindorfer-Leuten verkehrte. Ich hörte

zu seinen Lebzeiten auch nur Lobendes über ihn. Er war ein harmloser,

arbeitsamer Mensch und hatte eine kindische Freude mit seinem Haus und

seinem Gärtchen.“

„Und da kam die Krankheit? Und sie wollten keinen andern Arzt, als den

gewohnten. Vielleicht hätt’ ich ihm helfen können. Ja, das Mißtrauen.“

„Also seit der Zeit war er wie ausgewechselt. Die Frau erzählte mir,

daß er stumm vor sich hinstarre und zeitweise vor Schmerz brülle. Es

sei nicht zum Anhören.“

„Da ist’s doch nichts so Unbegreifliches, daß er sich erhenkte. -- Die

erste Regung, sollt’ man meinen, müßte die des Mitleids sein. Statt

dessen, nicht einmal aufgebahrt.“

„Die Tante schreibt’s genau“ und wir suchten die betreffende Stelle des

Briefes. „Was sie plötzlich Alles über ihn wußten. Er sei auch Keiner

von den Saubersten gewesen, hätte oft die Elle zu teuer angerechnet

u. s. w.“ Die Huberin konnte sich von ihrem frommen Entsetzen kaum

erholen: Sie schlug ein Kreuz um das andere. „Na so a Sünd, i sags

ja alleweil, wann der Mensch kein Glauben mehr hat, nachher verlaßt

’n unser Herrgott.“ Und der ~comble~ -- hielte man solche Roheit für

möglich? -- der eigene Bruder versetzte dem Leichnam eine schallende

Ohrfeige. „Da hast es für die Schand’, dies’t uns antan hast.“ Alle

weichen der Witwe aus und Niemand will bei ihr kaufen. Ich hatte den

Pfarrer ersucht, die Leute ein wenig zur Einsicht zu bringen, doch da

kam ich schön an: „Das darf man ja nicht entschuldigen, sonst machen es

die Andern nach.“

„Brillantes Argument, wirklich wahr“, bemerkte Vincenz spöttisch. „Am

Ende hängt doch auch der Elendste am Leben und wenn er es von sich

schleudert, muß er über alle Begriffe verzweifelt sein. -- Da sollte

sich dann kein Stückchen geweihte Erde -- die armen Leute halten so

viel darauf -- finden, nicht ein paar erbarmungsvolle Hände, die den

Hügel mit Blumen schmücken -- ist das nicht unmenschlich?“

„Und Christus hat doch gesagt: „Richtet nicht“ -- mir scheint, Du hast

Recht, Jedes macht sich seine eigene Religion zurecht.“

„Das ist eben die Heuchelei. Es gibt leider so erschreckend viel

Morsches in der heutigen Zeit: sowohl Menschen als Ansichten. Alles

angefressen, baufällig. -- Wenn jetzt der Messias käme, mit der Geißel

in der Hand, seinen Tempel zu reinigen -- der fände viel zu tun.“

* * * * *

Beharrlichkeit führt zum Ziel. Mama hatte sich mit dem Obersten

verlobt. Jetzt, da sie alle Rechte auf meine Person aufgab, freute ich

mich sogar im Geheimen darüber. -- Unser Zusammenleben war mir eine

wahre Qual geworden. Meine Nerven rebellierten schon, wenn ich sie im

Nebenzimmer hörte. -- Wir Beide paßten nun einmal nicht zu einander.

Sie gab sich mit großem Eifer den Vorbereitungen für die Hochzeit hin.

Mir fielen schon die Augen vor Müdigkeit zu und sie erzählte mir noch

immer von ihrem Bräutigam. „Er ist so rücksichtsvoll“, versicherte sie

mir „und wenn er zu den Leuten von mir spricht, sagt er immer nur die

„Gräfin“. Und am Ende, man bleibt ja auch das, als was man geboren ist.“

Ich fühlte mich zu schläfrig, um ihr zu erwidern, daß ich das höchst

seltsam finde. -- Es ist gewissermaßen herabsetzend für den Mann. Wenn

Vincenz -- -- dann hätte ich mich gewiß nicht „Baronin“ titulieren

lassen.

„Die Wohnung wollen wir uns sehr schön einrichten,“ berichtete sie

weiter, „aber ich kann doch nicht nur annehmen und nicht selbst dazu

beitragen. Findest Du nicht?“

„Das weiß ich nicht. Das mußt Du doch besser verstehen!“

„Besser verstehen! Hm, das ist leicht gesagt.“ Sie zupfte nervös

an ihrem Taschentuch. -- -- „Ich habe gehofft, Du würdest mir mehr

Entgegenkommen zeigen.“

„Wieso? -- Ah, Du meinst, ich soll Dir meine Einrichtung überlassen.

Das kann ich aber nicht. Es ist ja jedes einzelne Stück inventarisch

aufgenommen.“

„Nun deshalb? Es kann ja heißen, Du habest die Sachen zu mir in

Depôt gegeben. Doch besser, als die Motten zerfressen sie. Und wenn

Du großjährig bist, kannst Du darüber nach Gutdünken verfügen, sie

mir nehmen oder lassen. Es ist eigentlich sehr sonderbar von Papa

gewesen.“ --

„Bitte, laß Papa aus dem Spiel. Nimm’ die Möbel. An so was hängt mein

Herz nicht mehr. Ich schenk’ sie Dir.“

* * * * *

Der Tag, an dem Vincenz nach Veldes reisen sollte, war gekommen. Wir

saßen stumm nebeneinander, und schwül schwebte das Unausgesprochene

zwischen uns. Er brach zuerst das Schweigen, und wir sagten uns jene

Dinge, die sich Liebende stets zu sagen pflegen, wenn sie von einander

Abschied nehmen.

„Versprich mir, schone Dich, lebe nur Deiner Gesundheit, Vincenz. Die

Ärzte sagten doch, daß Du noch ganz geheilt werden kannst?“

„Die Ärzte“, erwiderte er sinnend, „ja, ja, die sagten es“.

„Warum dieser seltsame Ton. Bist Du nicht überzeugt davon?“

„Und wenn ich dann also ganz gesund zurückkomme -- und Du gib nur auch

recht Acht auf Dich.“

„Und schreib’ mir oft, aber nur, wenn es Dich nicht ermüdet.“

„Und Du mir auch. Als ob Du zu mir sprächest. Du weißt, mich

interessiert Alles, was mit Dir im Zusammenhang steht.“

„Versprich’ mir, daß Du oft an mich denken wirst.“

„Mimi, ist das wirklich nötig? Glaubst Du denn, ich könnte anders.“ Er

stand auf und trat ans Fenster. „Es ist schwül, findest Du nicht?“ Dann

betrachtete er mich aus der Entfernung. „Wie Du wieder hübsch bist,

Mimi.“ Und plötzlich kniete er vor mir, und den Kopf in meinem Schoß

geborgen, stöhnte er auf wie in namenloser Qual. Feurige Küsse brannten

auf meinen Armen, meinem Hals, und er stammelte trunkene Liebesworte.

-- So hatte er sich nie hinreißen lassen. Ich wehrte mich nicht --

es war ja Sommer -- und zum letztenmal. -- Dann kam ihm die Besinnung

wieder. Er sah mich an mit einem Blick, in dem sich Zärtlichkeit

und Mitleid spiegelte, und flüsterte: „Verzeih“. Noch ein Kuß, ein

Händedruck, und ich war allein.

Da machte sich mein tapfer verhaltener Schmerz Luft. Ich warf mich auf

den Boden und küßte die Stelle, auf der sein Fuß gestanden. Ich preßte

meine Lippen auf seinen Sessel, da wo sein Arm geruht, und heiße Tränen

stürzten mir aus den Augen. „Du mein Geliebter, kehr’ mir wieder -- ich

kann nicht sein ohne Dich, ich kann nicht.“

Und die Zimmer wurden schon ausgeräumt; auch dieses kam bald daran.

Hier, wo wir so viel trauliche Stunden verbracht, wo unsere Geister,

unsere Herzen eines waren, wo wir uns so nahe gewesen. -- -- Alles aus

-- -- Alles verloren, bis auf die Erinnerung.

Mein Herz hieng doch an diesen Dingen!

* * * * *

Mamas Hochzeit hatte stattgefunden, und Tante Laura zog mit mir ins

Hôtel, da ich noch vor meiner endgiltigen Übersiedlung nach Steindorf

Einiges in Wien zu tun hatte.

Die ganze Zeit über konnte ich ein Gefühl der Ohnmacht und

Hilflosigkeit nicht loswerden. Es zog mich mit Übermacht zu Vincenz:

dort wäre ja mein Platz gewesen -- aber nur so etwas nicht! Die

Satzungen der Gesellschaft hätten mich verdammt -- es gibt eben

Schranken, die man nicht überschreiten darf.

Dumpfe Bitterkeit erfüllte mich: zum erstenmale empfand ich Haß gegen

meinen Stand. Wie beneidete ich die Armen an Geist, die Einfältigen,

die als einzige Richtschnur ihres Handelns das Gefühl kennen. Ja das

erste beste Bauernmädchen durfte tun, was mir versagt blieb. Zum

Geliebten eilen, ihn pflegen, während so -- -- „o die verwünschte

Krone“, -- ich fuhr mir mit den Händen ins Haar, als ruhe dort das

Ungetüm, als könnt’ ich es mit festem Griff erfassen, zur Erde

schleudern und mit Füßen treten.

In wahrem Fieber erwartete ich die tägliche Post und wenn ein Brief

kam, hielt ich ihn doch zagend und uneröffnet in der Hand. Ich

befühlte, besah ihn nach allen Richtungen und las, wenn der Umschlag

entfernt, vorerst nur einige Worte. Dann schloß ich mich in meinem

Zimmer ein, vertiefte mich in die geliebten Schreiben, las und las

immer wieder, bis ich sie auswendig konnte. Es waren stille süße

Träumereien, an die wir Beide nicht glaubten und die uns doch so wohl

taten, so unendlich wohl.

„Ist’s nicht töricht“, schrieb er unter Anderm, „an Dinge sich zu

klammern, auf die man kein Recht hat. Ein junges frisches Reis darf

sich nimmer an einen kranken Baum lehnen. Du bist der Frühling, die

Jugend und Gesundheit -- ich begnüge mich damit, wenn ein Strahl aus

Deinem Wesen das meine verklärt. -- -- Es scheint mir gerade das die

Weihe unseres Verhältnisses -- es wird ewig Knospe bleiben, rein und

unbefleckt.

Und doch, wenn’s anders wäre, anders sein dürfte! In stillen

Dämmerstunden, wenn der Tag Abschied nimmt von der Erde, da mal’ ich

helle Bilder. Du weißt, ich lieb’ das Licht. Mein Ideal -- etwas

hausbacken und altmodisch zwar, aber so lieblich, so ewigwährend. Ich

bin Deine Stütze, Du mein guter Geist und meine gute Stunde. Die Tage

gehen dahin so wolkenlos, so friedlich -- und doch so reich.

Doch plötzlich rückt dies sonnige Bild in weite, weite Ferne. Nein,

die Rose darf nur blühen, uns entzücken durch Duft und Farbe. Aber

Früchte tragen, Brennholz liefern für den häuslichen Herd! Es wär’ ein

unsinniges Verlangen. -- -- Das Unerreichbare! Mein Mädchen, wir werden

uns nie gehören.“

Was das aber heißt, sich lieben und -- entsagen, das vermögen nur

Solche zu begreifen, die es selbst durchgemacht. -- Es ist ein

langsamer, aber sicherer Tod -- ein Absterben bei lebendigem Leibe.

-- Tante Laura wußte davon zu erzählen und sie verstand mich. „Siehst

Du, ich hätte Dir so gern das Leid erspart: aber es gibt Kräfte,

die stärker, zwingender sind, als guter Wille. -- Du siehst sehr

angegriffen aus und da Dein Doktor nicht da ist, um seinen Rat zu

erteilen, muß ich wohl seine Stelle vertreten.“ Sie sagte es mit ihrem

sanften müden Lächeln. „Ich verordne Dir eine Praterfahrt. Komm’, der

Wagen wartet schon.“

Ich tat wie sie mich hieß: die frische Luft und das heitere Treiben

der Menge taten mir gut. Für Momente entriß es mich den quälenden

Vorstellungen.

„Also in einer Woche fahren wir nach Steindorf?“

„Ja und bis dahin mußt Du wieder rote Wangen haben und lustig sein,

denn sonst -- Du weißt schon -- da werden allerlei Bemerkungen gemacht

und es heißt am Ende, ich hätte Dich vernachlässigt.“

„Aber Tante. -- Es ist doch eine Wohltat, daß ich mit Dir sein kann,

gerade jetzt. -- Wenn ich denke, wie es früher war, mit Mama. Nein.

Überhaupt die vergangene Zeit. -- Die schönen roten Nelken. -- Die muß

ich kaufen.“ Ich stieg aus und nahm der Blumenfrau ab, was meine Hände

fassen konnten. „Ein Duft zaubert mir bisweilen Momentbilder vor -- --

es hat doch auch schon schöne Stunden gegeben in meinem Leben: es wäre

undankbar gegen das Schicksal, wollt’ ich es vergessen.“

Die frohe Stimmung verflog sofort, als wir das Hôtel betraten. Der

Portier überreichte uns eine Depesche. „Bitte umgehend kommen. Habe

Sehnsucht zu sehen: Zustand nicht unbedenklich.“

„So?“ Ich frug es in erstauntem Tone, als erführe ich da etwas, was mir

im Grunde gleichgültig war. „Das heißt also „Gefahr“?“

„Wann geht der nächste Zug?“ frug die Tante. „In anderthalb Stunden.“

„Bitte ordnen Sie an, daß der Wagen bereit ist.“

Mir war, als hätte man mir einen Hieb auf den Kopf gegeben. Ich wankte

die Treppe hinauf, in mein Zimmer, setzte mich, und der Kopf fiel mir

schwer auf die Tischplatte. So verharrte ich minutenlang. Die Tante

sprach kein Wort. Sie mochte fühlen, daß Trostesworte hier nichts

fruchten würden.

Dann trat ich ans Fenster und betrachtete mechanisch das lebensvolle,

lichtdurchflutete Straßenbild. Ich hörte auf das gedämpfte Murmeln und

bemerkte die nebensächlichsten Dinge. Ein Dienstmann rannte an die Ecke

an und ließ sein Packet fallen. Ob wohl etwas Gebrechliches darin war

und was nun geschehen würde? Zwei Bekannte begrüßten sich. Was sie wohl

zu einander sagten?

„Tante!“

„Was denn Mimi?“

„Glaubst Du nicht, daß er doch noch gesund werden kann?“

„Die Hoffnung darf man nie verlieren, Mimi.“

„Aber, er wird doch nicht -- nicht“ -- nein das Wort wollte mir nicht

über die Lippen. „Oder wenn wir zu spät, -- ach Gott, ach Gott, wozu,

wozu das Alles?“ Der Gedanke an diese Möglichkeit machte mich halb

verrückt.

Fort sauste der Zug durch die schweigende, laue Nacht. Vorbei gieng es

an alten grauen Bergriesen, deren Häupter gespenstig zum Himmel ragten.

Und ich gedachte der Fahrten nach Steindorf und zurück ins Kloster, der

letzten, namentlich mit Papa. Die Tränen, der närrische Kinderschmerz

-- o wie gern hätt’ ich das Alles nochmals durchgemacht: wie schien es

mir beneidenswert gegen diese Fahrt. Was wußt’ ich damals vom Leid und

Ernst des Lebens: was waren alle meine kleinen Sorgen im Vergleich zu

dem, was ich jetzt empfand.

Das Bewußtsein, daß er litt, er der Beste, Edelste war mir

unerträglich. Lieber, tausendmal lieber wollte +ich+ krank sein. --

-- Ich bemühte mich etwas zu finden, das ihn mir weniger liebenswert

erscheinen ließe. Umsonst. Nie, nie hatte er mir auch nur ein einziges

unfreundliches Wort gesagt, mich niemals wissentlich gekränkt. Ich war

fest überzeugt, daß er überhaupt nicht fähig war, irgend Jemand weh zu

tun. Und er, der Gute, er. -- --

„Tante.“ Ich rüttelte sie aus dem Schlaf. „Er darf nicht sterben, er

darf nicht.“

Sie trachtete mich zu beruhigen und das Rollen der Räder, dieser

gleichmäßige Lärm lullte mich in einen bleiernen Schlaf, aus dem ich

erst erwachte, als greller Sonnenschein durch die Coupéfenster drang.

Ich wußte mich nicht gleich zu orientieren. Was war geschehen und wohin

wollte ich? Ach ja, ich entsann mich. Von neuem trat mir die ganze

unerbittterliche Tragik meines Geschicks vor Augen und ich wünschte,

ich wäre nie erwacht.

Auf dem Perron eilten die Leute durcheinander, meist elegante Damen,

die eine Vergnügungsreise machten. Sie lachten so lustig -- wie konnte

man nur lachen?

Heiterer Himmel, jubelnde Vögel, fröhliche Menschen, das Alles

vermocht’ ich nicht zu fassen. Es lag ja ein schwarzes Tuch über die

Erde gebreitet -- und über ein frisches Grab. -- Darin ruhten die

Wünsche, die armen Träume meiner 18 Jahre.

* * * * *

Über das, was folgte, besitze ich keine Aufzeichnungen. Ich hätte meine

Feder ins Herzblut tauchen müssen, denn es gibt Empfindungen, die sich

nicht in Worte fassen lassen, Dinge die wiederzugeben, keine Sprache

der Welt fähig ist. Ein unbeschriebenes Blatt sagt oft mehr, als wäre

es bis an den Rand mit Buchstaben angefüllt.

Heute wo ich überwunden, will ich das Versäumte nachholen.

„Du mein ärmstes Mädchen, ich mach’ Dir solchen Kummer!“ Mit diesen

Worten begrüßte er mich. Sie hatten seinen Stuhl nahe ans Fenster

gerückt, an das dunkle Schlingrosen die vollen, duftschweren Häupter

lehnten. Ein sanftes Lüftchen kam vom See herauf und trieb sein Spiel

mit meinem Haar.

„Weißt Du noch Mimi, wie ich Dir die Verse Victor Hugos zum erstenmale

sagte? Willst Du sie nochmals hören?“

„Ja, Vincenz.“

„~Les rayons du soleil vous baisent trop souvent,

Vos cheveux souffrent trop les caresses du vent~“ --

„Ja, ich war eifersüchtig damals, ich wollte nichts hergeben von dem --

-- das -- -- und jetzt muß ich es doch lassen.“

„Vincenz sprich nicht so. Du wirst ja bald ganz gesund sein.“ Er las

den Zweifel in meiner Seele. „Nein, geben wir uns keiner Täuschung hin

-- seien wir wahr, wahr bis zum Schluß.“

Da legte es sich mir wie ein eiserner Reif um die Brust, immer enger,

immer fester, bald eisig kalt, bald glühend heiß. Ihn so reden zu

hören! Und er fuhr fort:

„Wir haben uns geliebt wie Wenige, und wenn ich jetzt fort muß, so

nehme ich nur schöne Erinnerungen mit. Vielleicht ist’s besser so.

Ein warmer Sommertag -- ein voller Akkord, ohne falsche Note ohne

Dissonanz. Sieh’, wie die Sonne untergeht!“ Es war ein großartiges

Schauspiel, und in dieser Minute wirkte es überwältigend auf mich.

Im fernen Westen taucht die Tagesherrin ihr glühendes Antlitz in die

kühle Flut, und der Horizont färbt sich im weiten Umkreis purpurn.

Goldige Strahlen breiten sich netzartig über die Wasserfläche, bald

ruhig gleitend, bald dahin tanzend wie tausend und abertausend

Kobolde. Die den See umrahmenden Felsblöcke scheinen mit einemmal

belebt; rötliche und lila Reflexe huschen dahin: es ist, als ob sich

ein Regen von Veilchen und Flieder über die starre graue Masse ergösse:

jeder Stein, jedes Sandkörnchen scheint in diesen warmen Farbentönen

gebadet, und die fernen, schneeigen Gipfel haben den zarten Schimmer

des Amethyst.

Kein Mißton, kein schrilles Geräusch. -- Eine Weihe liegt auf all’ dem

-- -- -- wie eine Ahnung der Unendlichkeit.

Unsere Blicke tauchten ineinander und Vincenz legte mir seine Hand

aufs Haar. „Es ist nichts Schreckliches ums Sterben -- es ist nur

-- so traurig -- besonders für die Zurückbleibenden. -- -- Ich habe

den großen Trost, daß ich meine Pflicht erfüllte, indem ich Dich

der Wahrheit gewann. Kopf hoch, mein Mädchen; immer mutig vorwärts,

unentwegt nach dem Rechten gestrebt.

Du bist noch sehr jung, und die Versuchung kann unter mancherlei

Gestalt an Dich herantreten. Sei nicht zu vertrauensselig -- nicht

Alle wissen solches Entgegenkommen zu schätzen. Wenn Du eines Rates

bedarfst, so wende Dich an Tante Laura. Da bist Du in guten Händen.“

So ermahnte er mich, die Verzweifelte, die schluchzend vor ihm kniete.

„Mach’ mir’s nicht zu schwer“, und dabei schimmerte es feucht in seinen

Augen. „Mimi -- und nun -- laß uns Abschied nehmen. Du warst mein

Sonnenstrahl -- mein Alles.“ Ich wollte ihn umfangen -- doch ein Krampf

durchfuhr ihn und verzerrte seine Züge. Er rang mühsam nach Atem --

dann sahen mich die braunen Augen nochmals an -- zum letztenmale, voll

unendlicher Liebe. „Hab’ Dank“ hauchte er matt. Er saß ruhig da -- und

doch fühlte ich, daß er mir genommen war.

* * * * *

Silberner Mondenschein. Flüstern der Wellen, berückender Rosenduft. Im

nahen Busch klagt die Nachtigall.

„Wie ein welkes Blatt vom Baume fällt,

Geht ein Leben aus der Welt.

Die Vögel singen weiter.“

Ich eilte in den Garten, pflückte ganze Garben roter Nelken und als

meine Hände die Menge nicht mehr zu fassen vermochten, tat ich sie in

mein Kleid: ich pflückte sie alle, die ich fand, und streute sie ihm zu

Füßen, daß es sich vor ihm auftürmte, wie ein glühendroter Berg.

Dann stand ich am Seeufer. Der war so blau und tief. Wer das Vergessen

suchte! -- -- Mir war, als riefen mich geheime Stimmen. -- „Ja, Ihr

sollt nicht vergeblich rufen -- ich komme.“ Schon hob ich die Arme,

schon stand ich im Begriff, den tötlichen Sprung zu tun -- da hielt

mich eine Stimme, eine menschliche Stimme zurück. „Denk’ an ihn --

keine Feigheit -- sei ein ganzer, starker Mensch.“

Tante Laura hüllte mich in ihren Shawl und ich ließ mich willenlos ins

Haus führen.

„Sag’ mir Tante, klingt es nicht wie Hohn -- oder ist es eine Fabel?

„Sommer, Jugend -- Glück!““

Dritter Abschnitt.

Mein erster wilder Schmerz war einer stillen Wehmut gewichen. Kein

Grauen, keine Furcht, wie damals bei Papa’s Tode mengte sich in das

Andenken des geliebten Verlorenen. Ich hatte seine Möbel in mein Zimmer

bringen lassen und vertiefte mich oft stundenlang in den Anblick der

Dinge, die ihn einstmals umgaben.

Ich konnte mich noch immer nicht entschließen, meine früheren

Beschäftigungen aufzunehmen: es kam mir Alles so reizlos, so

überflüssig vor. Wozu denn auch? Für wen?

Da, eines Tages erwachte ich aus meiner Apathie. Die Tante sang -- zum

erstenmale wieder seit langer Zeit. Sie besaß keine besonders starke,

aber eine gutgeschulte, ungemein sympatische Stimme. Voll und ernst

schwebten die Töne durch den einsamen Raum -- es war das vielgeschmähte

und doch so schöne „Behüt’ Dich Gott.“ Ich fühlte, daß sie ihre Seele

hineinlegte in das Lied, denn es klang daraus wie klagender Verzicht,

ergebungsvolle Trauer. Und meine Gleichgültigkeit schwand, um einem,

noch undeutlichem Verlangen Platz zu machen, zu arbeiten, zu leisten.

Als sie geendet, saß sie eine Weile gedankenversunken vor dem

Instrument. Es lag eine Weihe in diesem Schweigen. Dann sagte sie wie

für sich: „Die Musik, wie Vieles dank’ ich ihr! Sie weckt das Schöne,

Edle in uns, sie tröstet, verleiht uns Tatkraft, -- vermehrt unsere

Zuversicht -- sie,“

„Nicht wahr Tante, gerade in diesem Moment hab’ ich Ähnliches

empfunden. -- Tatkraft -- ich glaube, das ist es. Ich möchte auch

anfangen, wie soll ich nur sagen, etwas unternehmen,“

„Ich verstehe, was Du meinst. Komm’, gehen wir in den Garten; dort

spricht sich’s besser.“

„Gehen wir“, und ich schob meinen Arm in den ihren.

„Weißt Du Mimi“, begann sie nun, „daß ich diesen Augenblick mit

einer gewissen Ungeduld erwartet habe? -- -- Ich sah, wie Du Dich

in aufreibenden Träumereien ergiengst, und fand es doch grausam,

Dich gewaltsam wachzurütteln. Aber jetzt, da Du den Anfang machst,

wollen wir uns ruhig besprechen. Mir war ja einmal gerade so zu Mut

wie Dir, -- vielleicht noch schlimmer. Auch ich klagte innerlich

über die Nutzlosigkeit des Daseins, bis ich begriff, daß es keinen

schöneren Zweck gibt, als immerfort zu handeln in den Intentionen eines

geliebten Toten. -- „Ein ganzer Mensch, der geradaus geht, immer dem

Rechten nach, ohne nach rechts und links zu sehen,“ das war ja sein

Vermächtnis. -- Was hindert Dich, die Erbschaft anzutreten?“

„Tante, ich danke Dir.“ Dem was nur ~vague~ und verschwommen mein

Inneres erfüllt, hatte sie Ausdruck verliehen, und wie mit einem

Zauberschlag den Bann gebrochen. Und die Beiden, die nun schon lang

geschwiegen, Willenskraft und Pflichtgefühl, erwachten in erneuter

Stärke. „Du mußt mir helfen, Tante. Ich will trachten, Dir’s nicht

schwer zu machen.“

Wir waren in eine Seitenallee eingebogen, und machten dort Halt, wo

von blühendem Buschwerk halb verdeckt, ein weißes Marmordenkmal stand.

Hier ruhte die Urne mit seiner Asche. Leise drang das Schluchzen der

Nachtigall zu uns herüber, und die Nelken, die roten Nelken, die den

kalten Stein umgaben, glühten in stillem Feuer.

Ich blickte auf zum blauen Himmel -- dort funkelte es goldig. Und

diese Myriaden Welten ziehen ruhig und unbekümmert ihrer Wege. Heute

strahlen sie im hellsten Licht, und morgen schon vielleicht sind sie

zersplittert, zertrümmert in Atome.

Leuchtend taucht der Mond hinter den Buchenwänden auf und wirft

seinen magischen Schimmer auf die weißen Steinfiguren in den Nischen.

Ein weiches Lüftchen umweht uns, und um die duftenden Betunienbeete

schwirren lüsterne Nachtfalter, summend, surrend.

Mir ward mit einemmal so wohl und leicht um’s Herz, als gäb’ es keine

Trennung.

„Versprich ihm Mimi, daß Du Deinen Vorsatz halten willst. Schließ ab

mit dem Alten: mach’ einen Strich darunter, wie nach einem fertigen

Capitel. Dann soll morgen ein neuer, und wir wollen hoffen, schöner

Abschnitt Deines Lebens beginnen.“

* * * * *

„Zur Einleitung muß ich Dir eine traurige Geschichte erzählen, die Du

genau noch nicht kennst“, begann die Tante tagsdarauf. „Ich war ein

Mädchen, nicht besser und nicht schlechter, als die einmal geltende

Schablone es von gewissen Gesellschaftsklassen erfordert. Ich lebte in

den Tag hinein, sprach mein Morgen- und Abendgebet, gieng Sonntags in

die Kirche und fügte mich in Allem und Jedem den Beschlüssen meiner

Eltern, wie es die gute Sitte erfordert.

Ich war 23 Jahre alt. Da lernte ich ihn kennen -- in einer größeren

Gesellschaft. Wir sprachen nur wenige Worte und doch war es mir, als ob

wir zu einander gehörten, Eines wären schon seit Langem.

Im ersten Rausche überlegte ich nicht lange. Wenn die Meinen sahen,

wie sehr wir uns liebten, würden sie ihre Einwilligung geben und sich

darüber hinwegsetzen, daß er ein Jude war.

Wir trafen uns von nun an häufig. Dann kam er und hielt um mich an.

Mir wurde es zu eng im Zimmer; ich eilte in den Garten, um dort das

Ende der Unterredung abzuwarten. Es dauerte nicht lange. Er kam über

die Terrasse, leichenblaß, und wollte an mir vorbei. Ich rief ihn an;

er fuhr zusammen:

„Du hier? -- -- Nun denn, leb’ wohl. Wir dürfen einander nicht gehören;

es ist soeben im Familienrat beschlossen worden.“ Dabei zuckte es

schmerzlich um seine Mundwinkel.

„Du sprichst doch nicht im Ernst?“

„Es wäre wohl ein schlechter Scherz. Du kannst Dich ja selbst

überzeugen. Sie sitzen Alle beisammen im Ahnensaal, die Großeltern und

Dein Bruder. Es paßt ihnen nicht -- ich bin ein frecher Eindringling --

wir sollen nicht glücklich werden.“

Ich hatte seinen Arm gefaßt. „Ja, es heißt Abschied nehmen, Laura --

vergessen“, setzte er mit bebender Stimme hinzu. „Gib mir -- doch

nein -- nicht einmal die Hand -- Du würdest Dich besudeln.“ Und alle

Selbstbeherrschung beiseite lassend, barg er das Gesicht in die Hände

und stöhnte laut auf.

Ich küßte ihn und versprach, niemals von ihm zu lassen.

„Armes Kind, Du versprichst mehr, als Du halten kannst. Es gibt

Gesetze, die stärker sind als Liebe. Bisweilen ist es Ehre, in den

meisten Fällen aber Vorurteil. Leb’ wohl, vergiß mich.“

„Du verlangst Unmögliches. Schreiben wir uns.“

„Wozu diesen qualvollen Zustand verlängern?“

Doch ich wußte ihn schließlich zu überreden, und durch Vermittelung

meiner Freundin entstand ein reger Briefwechsel.

Es wußte Niemand um die Dauer des Verhältnisses, und eines Tages

teilte mir Mama mit, Graf X. habe um mich angehalten. Ich war wie

aus den Wolken gefallen, denn ich hatte ihm auch nicht die geringste

Beachtung geschenkt und nicht im Entferntesten daran gedacht, daß er

sich mit dieser Absicht trage. Zuerst lehnte ich entschieden ab, aber

man schürte und arbeitete so lange, bis ich schon der Ruhe halber

einwilligte.

Sie nannten mich „vernünftig“, weil ich eingesehen, daß eine Steindorf

keine ~mesalliance~ machen dürfe.

Willenlos und betäubt, ließ ich den Dingen ihren Lauf. Ich war

so ungewohnt, mit Hindernissen zu kämpfen, zudem hatten mich die

Aufregungen der letzten Zeit völlig fühllos gemacht. Ich schrieb Hans

einen logischen und ziemlich kühlen Brief; doch kaum hatte ich ihn

abgesandt, bereute ich meine Handlungsweise und depeschierte ihm:

„Brief ungültig; erwarte Sie Morgen Früh“. Nein, zu heucheln verstand

ich doch nicht.

Er kam. Wir zogen uns in einen stillen Winkel des Gartens zurück, wir

schmiedeten neue Pläne, und er, selig, mich wiederzuhaben, umschlang

und küßte mich.

Da plötzlich steht Graf X. vor uns. Er kannte Hans, ohne indessen von

unseren Beziehungen zu wissen. Meines Ermessens nach hatte ich dem

Grafen erst als angetraute Frau die Treue zu bewahren und gegebenen

Falles Rechenschaft abzulegen.

Eine Sekunde starrte er uns sprachlos an. „Da gehen ja schöne Dinge vor

sich. Sie werden mir Satisfaktion geben.“

„Ich sehe mich nicht dazu veranlaßt.“

„Schurke -- -- Feiger Judenhund.“

Um Gotteswillen! -- Das war zu viel. Ich traute meinen Ohren nicht.

„Morgen sende ich meine Sekundanten“, versetzte Hans anscheinend

gleichmütig. Weiter nichts. Ich fühlte selbst, daß er, um nicht

falschen Schein auf sich zu laden, diesen Schimpf nicht annehmen dürfe

-- -- und doch -- -- die Furcht vor etwaigem bösen Ausgange ließ mir

alles Andere gering erscheinen. „Ehre“. Ein Phantom. Und ich sank vor

ihm auf die Knie: „Nein, Hans, schlag’ Dich nicht.“

„Sei nicht kindisch, Laura. Du mußt es doch einsehen: ich kann nicht

mehr zurück.“

Und er hatte Recht, so dachte ich damals und war stolz aus ihn. Seit

undenklichen Zeiten waren Ehrenhändel unter Männern nur mit der Waffe

in der Hand ausgetragen worden. „Aber“ -- und mein Herz erbebte bei

dieser Vorstellung -- „wenn ich Dich verliere, Hans?“

„Dann muß Dich das Bewußtsein aufrecht erhalten, daß ich meine „Ehre“

verteidigte -- -- obwohl ich nur ein Jude bin. O, es geht so verrückt,

so ungerecht zu auf der Welt. Du armes süßes Kind, ich wollt’, ich

könnte Dir weniger Leid bereiten.“

„Die Nacht, die folgte, dieses beständige Schwanken zwischen Furcht und

Hoffnung -- -- wozu so Schreckliches heraufbeschwören? -- -- Es bleibt

besser begraben. -- -- Nun und das Weitere -- -- das weißt Du ja. -- --

Wie schwer sich Manches vergißt -- und es sind doch viele Jahre her!“ --

Wir schwiegen eine Weile, denn auch meiner hatte sich eine tiefe

Bewegung bemächtigt, und es dämmerte mir ein Ahnen auf, wie es kam, daß

Tante Laura groß und stark aus diesem Kampf hervorgegangen. Sie war ein

Charakter, wie man selten einen findet, voll Güte und unerbittlicher

Gerechtigkeit zugleich. Es flammte heiß in ihren dunklen Augen auf. Wie

mußte sie geliebt haben, und wie mußte sie hassen können.

„Ja damals“, fuhr sie fort, „hätt’ ich den Mörder kalten Blutes

erwürgen können, und namenlose Verachtung für all’ das, was mir bis

jetzt den Inbegriff des Rechten, Selbstverständlichen gebildet,

erfüllte mich. Vor sie, die mich um mein Glück betrogen, vor sie Alle

hintreten und ihnen zurufen: „Ihr erbärmlichen Philisterseelen, die Ihr

keine Ahnung habt, was wahre Größe, wirklicher Adel ist, schämt Euch,

errötet“.

„Mein ganzes Wesen war in Aufruhr, das Blut schäumte mir in den Adern,

und der einzige Wunsch nach Rache und Vergeltung erfüllte mich.

„Es war der erste Impuls und die Reaktion folgte alsbald. An Stelle der

leidenschaftlich-wilden Gefühle, trat eine fast unheimliche Ruhe. Ein

Schleier riß mitten entzwei, vor meinem geistigen Auge und ich sah zum

erstenmale klar in meinem Leben. -- -- Keine Träumereien mehr, nein,

sehr bestimmte Ideen, die sich durch weiteres Ausspinnen und Lesen

immer mehr befestigten.

„Und je lichter es in mir wurde, in dem Maße, als ich begriff, wuchsen

mein Mitleid, meine Nachsicht mit dieser närrischen Welt; mit diesen

armen, verblendeten Menschen.“

Sie hielt inne, dann fuhr sie fort: „Es hatte dieses Impulses --

der traurigen Anregung von außer her -- bedurft, um mich aus meiner

wohlerzogenen Verschlafenheit zu rütteln. So wurde ich das, was ich

bis dahin nicht gewesen: „ein freier Mensch.“ Der Schmerz ist so recht

eigentlich das Samenkorn, aus dem sich die Individualität entwickelt.

Großes leisten fast nur immer Jene, die in physischer Beziehung viel

durchgemacht -- die Anderen zählen zu den seltenen Ausnahmen. Und es

ist ja am Ende auch begreiflich. Wenn man zu den Schoßkindern des

Glückes zählt, nach dem Ersehnten die Hand bloß auszustrecken braucht,

wozu sich mühen und ereifern? -- -- Und so, in dem Netze kleinlicher

Alltagsinteressen verstrickt, erlahmt der Sinn für eine weite

Weltanschauung, und man schreckt ängstlich zurück vor Allem, was Einem

aus dem Geleise bringen, die Augen öffnen könnte, man wird Egoist.

Speciell in unseren Kreisen gilt eine gewisse Nonchalance und

Sorglosigkeit für „~bon ton~.“ Sich streng an die Traditionen

halten, wenig wissen, -- und nur ja nicht denken. Das wäre nämlich

zu gefährlich. Seit Generationen hielt man es so -- das beweisen die

heutigen Durchschnittstypen zur Genüge. Sieh’ Dir nur einmal so einen

jungen Majoratsherrn an. Blasiert, verlebt mit 20 Jahren, kennt er

keinen anderen Zeitvertreib als Trinken und Spielen. Über die Frauen

besitzt er -- falls er überhaupt jemals welche besessen, -- keine

Illusionen mehr. -- -- -- Und nur ja keine vernünftige Beschäftigung

-- davor schreckt er zurück, als wär’ es eine Schande, und wenn er

des ewigen Einerlei satt ist, sucht er das träge Blut künstlich zu

erhitzen. Er wettet, beginnt Händel, macht Schulden, die der Papa

bis zu einer gewissen Grenze geduldig bezahlt, und dann -- nun dann

sucht er eben eine „Partie“ um sich zu rangieren, „den Namen nicht in

Mißkredit zu bringen“, kurz er verkauft sich.

So die Männer. Wir sind um kein Haar besser daran. Der englischen

Gouvernante entwachsen, die Alles „~shocking~“ findet, was ihr

nicht behagt, verheiratet man uns, wenn wir ein gewisses Alter

erreicht haben. Die Liebe spielt nur selten eine Rolle dabei: sie

ist nur Surrogat, und Hauptsache bleiben doch immer die geordneten

Verhältnisse. -- -- Was sind die Folgen? Allmähliche ~décadence~,

Menschen ohne Mark und Kern, die keine andere Bestimmung kennen, als

„Gigerl“ oder „Modepuppe.“ Ein Sumpf von ungeahnter Tiefe, in dem wir

rettungslos verkommen, wenn wir die Gefahr nicht beizeiten erkennen

und uns gewaltsam herausreißen. -- Auch ich fand erst in letzter

Stunde den Mut dazu. Uns Frauen nimmt man eine Auflehnung gegen das

Althergebrachte ganz besonders übel. Es ist ein hartes Stück Arbeit für

ein Mädchen, einen gewissen Grad von Selbstständigkeit zu erlangen.

Es gehört ein unbeugsamer Wille, eine eiserne Ausdauer und auch ein

bischen Philosofie dazu. Wie Manche kehrt schon auf halbem Wege um, da

man sie einen „Blaustrumpf“ genannt, oder liebevolle Zweifel an ihrer

Vernunft ausgesprochen.

„Was mich anbelangt, so wurde mir’s recht schwer gemacht, aber

schließlich brachte ich es doch dahin, daß man meinen Standpunkt

respektierte. Der Kampf war die Errungenschaft schon wert. Und ich kann

mit gutem Gewissen sagen, daß ich meine Freiheit nicht mißbrauchte.

Die Pflichten, die sie mir auferlegte, hab’ ich keinen Augenblick

vergessen. Darum hab’ ich mich auch in die Reihen Jener gestellt, die

der Menschheit den Anbruch eines neuen, schönen Tages verkünden. Sie

wachrütteln, ihnen die Binde von den Augen reißen, sie unterscheiden

lehren, zur Begeisterung entflammen!“

„Ja, Du müßtest ein guter Apostel sein, Tante.“ Wie sie hoch

aufgerichtet vor mir stand, mit leuchtenden Augen, durchglüht von

edlem Eifer, war sie fast hübsch. Es lag Leben und Ausdruck in diesem

Gesicht: keine Spur von dem kalten Gleichmut der Madonna. Doppelt

rührend klang es, als sie fast leise sagte: „Ich möchte ja nur, daß

Alle, Alle glücklich werden.“

„Das wäre wohl schön -- aber ich denke es mir schwer, furchtbar schwer.

Wo soll man denn beginnen?“

„Auf fester Grundlage natürlich. Man muß das Übel mit den Wurzeln

ausrotten -- die Wurzel aber ist: das Vorurteil.“

* * * * *

Es gab kaum eine Frage von universeller Bedeutung, die wir in unseren

Plauderstunden nicht erörterten. Es war mir ein wahrer Genuß, der

Tante zuzuhören, wie sie in kühnen, sicheren Umrissen ein Bild der

herrschenden Zustände entwarf, den Kern bloslegte und dann immer

weitere Kreise darum zog. Nichts entgieng der Schärfe ihres Blickes

und niemals verlor sie sich in Nebensächlichem. Ich lernte immer etwas

Neues und mit jedem Tage steigerte sich mein Wunsch, auch ein wenig in

ihrem Sinn zu leisten.

„Wie schade, Tante“, sagte ich in ehrlicher Betrübnis, „um die

verlorene Zeit meiner Erziehung. Gesetzt den Fall, ich käme um mein

Vermögen -- besäße ich denn die nötige Bildung, um mir mein Brot

selbst zu verdienen? -- Ohne Sprachkenntnisse -- denn das bischen

Französisch, das man uns eingetrichtert, reicht gerade für den

Hausbedarf -- weiß ich ja auch sonst sehr wenig.“

„Das ist eben die unverantwortliche Art der Erziehung. Und das

„Nichtswissen“ ist noch lange nicht das Schlimmste, für viel

gefährlicher halte ich das „halbe Wissen.“ Damit richtet man den

größten Schaden an. Und dann, wenn man die gewöhnliche Bildung

besitzt -- als Grundlage ist sie allerdings erforderlich -- soll

man seine Kräfte nicht zersplittern, sondern sie auf ein einziges

Ziel concentrieren und dabei verharren. -- Freilich die Männer im

Allgemeinen, sehen es nicht gern, wenn wir uns noch ein anderes Feld

der Tätigkeit sichern, als den häuslichen Herd. Angeblich leidet

unsere Weiblichkeit darunter, in Wirklichkeit aber fürchten sie die

Concurrenz, und wohl auch, ihr Prestige als Schützer des schwachen

Geschlechts zu verlieren, denn es entstünde ein ganz anderes

gegenseitiges Verhältnis, und wir könnten sie viel eher entbehren.“

„Also Du bist für die Emanzipation?“

„Im guten Sinne, ja. Das heißt, soweit sie sich von sinnloser

Knechtschaft losmacht und „freie Menschen“ schafft. Auf die damit

in Zusammenhang gebrachten Äußerlichkeiten halte ich nichts.

Männerkleidung, kurzgeschnittene Haare und burschikoses Auftreten

finde ich überflüssig und unschön. „Im Herzen Weib, im Kopfe Mann“,

dieses Recept wäre beiden Geschlechtern dringend anzuraten. Das Rechte

suchen, es instinktiv empfinden, und dann die Energie besitzen, es

durchzuführen.“

„Also wir haben dieselben Fähigkeiten wie der Mann? Aber warum werden

dann verhältnismäßig so wenig Frauen berühmt?“

„Ja, wir besitzen dieselben intellektuellen Fähigkeiten wie der Mann,

nur mit dem Unterschiede, daß sie bei uns lange Zeit hindurch brach

gelegen. Was sie vom „Vogelgehirn“ des Weibes sagen, ist pure Fabel.

Weil man uns seit jeher vorgepredigt, dem sei so, glaubten wir es

schließlich, ohne daran zu denken, die Richtigkeit dieser These zu

erproben. Und schon beim ersten Versuch erwies sie sich als falsch.

„Es bedarf zu Allem der Übung, für manuelle sowohl als für geistige

Fertigkeiten. Eine Hand, die man niemals gebraucht, wird eine gewisse

Ungelenkigkeit verraten, ein Körper, der nie Gymnastik betrieben,

weniger biegsam sein, als der eines Trapezkünstlers. Mit dem Verstand

und seinen verschiedenen Kundgebungen ist es genau dasselbe. Wer

von Kindheit an die Mühe des Denkens nicht scheut, wird in späteren

Jahren ein rascheres Auffassungsvermögen, ein positiveres Urteil,

eine schlagendere Logik bekunden, als Jener, der sein Leben lang

gedankenfaul gewesen -- und was eine natürliche Folge ist -- mehr

Selbstbewußtsein besitzen.“

„So denke ich mir’s eigentlich auch. Eine Maschine, die nicht geölt

und gebraucht wird, arbeitet schwer. -- -- -- -- Und heute ist die

Gleichberechtigung ein Allgemeinwunsch der Frauen?“

„Die große Mehrheit sehnt sich darnach. Ausnahmen gibt es freilich

auch da -- und dann bedürfen ja durchaus nicht Alle der Emanzipation,

sofern es sich um die Beteiligung am öffentlichen Leben handelt. Eine

Mutter hat in erster Linie die heilige Pflicht, tüchtige, nützliche

Menschen in ihren Kindern zu erziehen, als Gattin ihren Mann, falls

er das Rechte will, zu unterstützen. In diesem Falle soll sie seinen

Bestrebungen Verständnis entgegenbringen, gleichen Schritt mit ihm zu

halten trachten. Vor solchen Ehen allen Respekt.“

„Und die Einsamen -- ich meine die, die aus irgend einem Grunde allein

durch’s Leben gehen?“

„Auch die finden reichlich Beschäftigung, wenn sie nur zugreifen

wollen. Es gibt so manchen Beruf, in dem weibliche Kräfte nötig wären

-- Doktoren in erster Linie; Manche freilich würden sich nie und nimmer

dazu verstehen, dem Wohle der Gesammtheit die eigene Bequemlichkeit zu

opfern. Der Lauheit begegnet man gar häufig -- -- und dann dürfen wir

nicht an den Ausschuß vergessen, jene Armen nämlich, die mit irgend

welchen Gebrechen behaftet sind, und deren Kräfte einer angestrengten

Arbeit nicht Stand halten, die wirklich nicht können.“

„Nun, und die Vorteile der Selbstständigkeit?“

„Vor Allem, daß wir nicht auf das Heiraten „angewiesen“ sind. Die Ehe

wird dann nicht mehr als „Versorgung“ betrachtet werden, sondern sie

kehrt zu ihrer ursprünglich schönen Bestimmung zurück, dem Gipfelpunkt

der Liebe. Keine Convenienz-Ehen mehr, keine kleinlichen, unwürdigen

Intriguen.“

„Eigentlich ist’s merkwürdig, daß man so spät auf diese Idee verfiel.“

„Du hast einfach früher nicht davon gehört. Die ersten Anfänge datieren

weit zurück und heute schreitet die Frauenbewegung mit Riesenschritten

vorwärts. Mit einem Male geht es natürlich nicht. Große Dinge,

weltgeschichtliche Entwickelungsphasen bereiten sich in der Regel

langsam vor, aber einmal in Gang gebracht, gibt es keinen Stillstand

mehr.

„Im grauen Altertume wurde dem Weibe eingeprägt: „Du hast Dich als

Dienerin Deines Herrn zu betrachten“, mußt eifrig auf sein Wohl

bedacht sein, seine Launen geduldig ertragen, seine Wünsche erfüllen.

Erkühne Dich ja nicht, einen eigenen Willen zu haben, oder gar dem

Mann zu folgen, wenn er sich auf Adlerfittigen in geistige Höhen, in

die Sphären der Gedankenwelt erhebt. -- So, in dieser sklavenhaften

Befangenheit, stellen sie auch die Gemälde der damaligen Zeit dar. Mit

Rosen bekränzt sie die Stirne des Gebieters, der träge hingestreckt,

auf schwellendem Pfühle ruht, und reicht ihm knieend die Schale mit dem

Weine. Oder, später noch, sitzt sie am Spinnrocken und webt den Stoff

seiner Gewänder, und bringt ihm Schild und Speer, wenn er hinauszieht

in die blutige Schlacht.

„Heutzutage steht die Frau auf höherer Stufe -- nicht mehr Magd,

sondern Gefährtin des Mannes. „Ein Herz und eine Seele“, fügte

sie träumerisch hinzu. -- -- Wem dieses schöne große Glück des

Zusammenwirkens versagt bleibt, der findet einen teilweisen Ersatz nur

-- in der Arbeit. Sie allein hat mich gestützt, mich wieder zufrieden

gemacht. Ein dorniger Weg im Beginn, doch so verlockend, so reichlich

lohnend. -- --

„Wenn man sich resigniert und mit der Liebe abgeschlossen hat, findet

man den größten Trost in der Pflichterfüllung. -- Das Leben liegt noch

vor Dir, mein Kind, und doch frag’ ich Dich: „Willst Du meine Gefährtin

sein, mit mir ziehen in den Krieg gegen unseren ärgsten Feind: „das

Vorurteil?““

„Ja Tante, ich will.“

* * * * *

In der Nacht war der erste Reif gefallen. Wie überzuckert starrten die

Bäume zum Himmel, der grau in grau, an den Hintergrund eines Gemäldes

im beliebten ~guache-genre~ erinnerte. Nur ein paar Hagebutten und

braungefrorene Chrysantemen standen auf dem Parterre des Gartens.

Das war der Winter.

„Jetzt kann ich’s kaum begreifen, daß einmal der Flieder blühte und die

Amsel sang. Es scheint mir eine Ewigkeit her und so unwahrscheinlich,

daß diese Zeit je wieder kommen wird. -- Die vielen Rosen -- und die

Leuchtkäfer.“

Ja und doch -- die tausend schönen Sommerblumen, die sagen uns weniger

als so ein Gräschen unter’m Schnee. „Da sieh, das hab’ ich heut

gepflückt.“ Sie hielt mir ein armseliges, blasses Blättchen hin. „Was

selten, was schwer zu erlangen ist, darnach strebt unser Sinn. Erst in

der Gegenwart wissen wir die Vergangenheit zu schätzen.“

Robert unterbrach unsere Betrachtung. Er weilte infolge einer

Verletzung, die er sich beim Reiten zugezogen, seit einigen Wochen in

Sahning und sprach während dieser Zeit öfters bei uns vor.

Es war, als suche er neuerdings eine Annäherung, doch ich taxierte

seine Gefühle richtig: „ein kleiner Intermezzo-Flirt“, so etwas um die

Tage totzuschlagen.

„Zum Sterben langweilig, zu dieser Jahreszeit auf dem Lande“,

versicherte er uns stets von Neuem. Man weiß nicht, was man anfangen

soll. Mein einziges Vergnügen, die Jagd, ist mir jetzt auch verdorben,

weil uns der S--jud die schönsten Streifen vor der Nase weggepachtet

hat. „Jetzt schießen’s herum an der Grenz, der Samuel und der Itzig,

und wie se sonst noch Alle heißen, die noblen Herren“, parodierte er in

höchster Wut. Dann schüttelte er sich: „Brr, ein Graus, ein Skandal!

Wenn +ich+ was zu sagen hätt’, Alle peitschert’ ich sie hinaus aus dem

Land, Alle; nicht einen einzigen würd’ ich dulden. Es ist schon das zu

viel. Über den Haufen schießen sollt’ man das grausliche Gesindel.“

„Das sind ja recht humane Ansichten. Bei uns darfst Du jedenfalls nicht

auf Verständnis rechnen.“

„So? Das wundert mich, speciell in diesem Falle. Jeder Cavalier denkt

heutzutage so -- muß so denken.“

„Es kommt eben darauf an, was Du unter „Cavalier“ verstehst.“

„No erlaub’ mir. Meine Regimentskameraden zum Beispiel. Frag’ sie der

Reihe nach. Sie werden Dir Geschichten erzählen, daß Dir die Haare zu

Berg stehen. Namentlich die in den polnischen Garnisonen. Wie der Jud

nach allen Seiten hin beschummelt, keinen christlichen Concurrenten

aufkommen läßt, sich festsaugt wie ein Vampyr und Einen um den letzten

Groschen bringt.“

„Lieber Robert, wenn man die Falle sieht, ist’s jedenfalls recht plump,

hineinzugehen. Du bist ja nicht der Erste, der in diesem Sinne spricht.

Solange der Jude Geld leiht, ist Alles schön und gut; wenn er aber auf

der Rückgabe besteht, dann ist er Wucherer und Räuber.“

„Und findest Du es vielleicht keine Gemeinheit, wenn man die Zwangslage

seines Nächsten in dieser Weise ausbeutet? Soll man sich das am Ende

ruhig gefallen lassen?“

„Man soll eben rechtzeitig seine Vorsichtsmaßregeln treffen, und sich

keine Gefälligkeiten von Leuten erweisen lassen, die man verachtet.

Was das Übervorteilen anbelangt, so stimme ich Dir bei. Es ist nieder,

gemein. Aber ehrlicher Weise mußt Du zugestehen, daß auch so mancher

Christ betrügt, wenn er es unbemerkt anstellen kann. Hier zum Beispiel

haben wir keinen einzigen Juden in der Gegend, und die Leute gehen

doch auch zu Grunde -- nur mit dem Unterschied, daß sie ihr Hab und

Gut den christlichen Sparkassen verschreiben.“ Und da Robert verlegen

schwieg: „Du siehst also -- das Generalisieren ist ein ganz falsches

Princip. Es gibt gute und schlechte Menschen in allen Ständen, allen

Nationen und Confessionen. Will man ein berechtigtes Urteil fällen,

muß man sich persönlich überzeugen: das bloße Hörensagen führt in

der Regel zu Trugschlüssen. -- -- -- Und daß die Semiten manche gute

Eigenschaft besitzen, die auch uns zur Ehre gereichen würde, kannst

Du doch nicht leugnen. Es herrscht eine Eintracht, ein Geist der

Zusammengehörigkeit unter ihnen, der gegenseitigen Verantwortung,

möcht’ ich fast sagen, der rührend ist, und zu großen Taten führt. Wenn

es sich darum handelt, einen der ihren aus Not und Elend zu befreien,

den bedrängten Glaubensgenossen beizustehen, leisten sie fürstliche

Beiträge. Während bei uns -- --! Die humanitären Institutionen vermögen

sich oft mit der größten Mühe kaum zu halten. Mit welch’ unerhörten

Schwierigkeiten hat die „Rettungsgesellschaft“ zu kämpfen und welch’

schmachvolle Gleichgültigkeit erfuhr die „adelige Hochwacht“ von Seite

der Standesgenossen? Jener Edelgesinnte, der die schöne Idee ins Leben

rief, wartete vergeblich auf Unterstützung, und der Gram hierüber

brachte ihn vorzeitig ins Grab.“

„Wir haben eben kein Geld. Alles gestohlen.“

„Beides unrichtig. Wieder eine Beschuldigung ohne triftigen Beweis.

Einer sagt’s in unzurechnungsfähigem Zustand, und die Andern beten’s

nach.“

„Geh’, geh’, Du bist ja eine Judenfreundin.“

„Eine Menschenfreundin ja, und bemüht, gerecht zu sein. Mir gilt nur

der persönliche Wert.“

„Aber Du mußt doch zugeben, daß die semitische „Rasse“ -- denn nur die,

nicht die Religion kommt bei unserer Abneigung in Betracht -- zahllose

widerwärtige Eigenheiten hat. Sprache, Haltung, Blick, Gesichtsschnitt.“

„Das mag unangenehm berühren -- meinethalben -- man hat schon so seine

Aversionen -- ich mag’ wieder den gewissen semmelblonden Typus nicht --

aber solcher Äußerlichkeiten halber werd’ ich die Leute nicht verfolgen

und verleumden.“

„Du willst mich nicht verstehen. Übrigens, wenn Du so sprichst, wirst

Du es Dir in unseren Kreisen gründlich verderben.“

„Das würde ich verschmerzen. Die Überzeugung vor Allem.“

Robert sah meine Tante sprachlos an. Er gehörte zu jenen Schwächlingen,

deren Waffe hohle Phrasen, von der Mode, der herrschenden Strömung

sanktioniert, einer gesunden Logik nicht Stand zu halten vermögen.

Ließ man sich einschüchtern, verlor man die Geistesgegenwart, dann

triumphierte er. Widerlegte man hingegen seine Argumente, trat man ihm

mit Sicherheit entgegen, dann räumte er beschämt das Feld.

Und plötzlich überkam mich die Lust, auch eine Bemerkung zu machen, ihn

in die Enge zu treiben.

„Wenn Dir Rothschild heute eine Million gäbe, was dann?“

„Das fällt ihm gerade ein.“

„Ich glaub’ es auch nicht. Aber gesetzt den Fall, was dann?“

Und da er mir die Antwort schuldig blieb: „Du würdest sie mit tiefem

Bückling einstecken, und wenn es sein müßte, dem Juden die Hand küssen.“

„Na hörst Du, Du bist wirklich.“ --

„Ja oder nein? Du schweigst?“

„Was sagtest Du eigentlich?“ Er spielte den Begriffsstützigen. „Ich

hab’ an ganz was Anderes gedacht.“

* * * * *

Hannerl hatte sich in den letzten Jahren sehr zu ihrem Vorteil

verändert und war eine allerliebste Zofe geworden. Sie hält nicht

wenig auf ihr Äußeres, und stets „wie aus dem Schachterl“, richtet das

hübsche Ding wahre Verheerungen unter der männlichen Dienerschaft an.

Sie trägt vielleicht darum das Stumpfnäschen so hoch und findet es nur

natürlich, daß man sie „Fräulein“ tituliert. -- Und für Jeden hält

sie eine schnippische Antwort bereit. Bisweilen klagt sie auch mit

komisch-tragischer Geberde: „Ich hab’ kein Herz“.

Das schreckt indes den Jägerjung nicht ab. Fertel Amselzwitscher

scheint seiner Sache sicher. Er wird sie doch erringen; er zweifelt

nicht im Entferntesten daran: jedermann kann es lesen in seinem

selbstbewußten Blick. Die Mädchen waren immer Alle hinter ihm drein

gewesen, und daß gerade diese Eine ihm Widerstand leistet, reizt ihn.

-- Er, mit seinem „feschen Äußern“, seiner vornehmen Ausdrucksweise,

würde sie sich schon gefügig machen. Er spricht das reinste Hochdeutsch

und notiert sich jede eigenartige Satzwendung, die er irgendwo gelesen,

um sie gelegentlich anzubringen.

„Jungfer Hannerl, beabsichtigen Sie, meine Geduld noch lange auf die

Folter zu spannen?“

„Wissen’s, das ist eine Keckheit. Hab’ ich Ihnen vielleicht schon

einmal was Dergleichen getan?“

„Unbewußt gewiß. Sie haben so gewissermaßen ein gefallsüchtiges

Gesicht. Wie steht es mit Ihrem Naturell? Ich meine, sind Sie sehr,

‚schanschierend‘?“

„Was? Das versteh’ ich nicht.“

„Ob Sie Ihre Neigung häufig wechseln, oder ob Sie gewissermaßen

verläßlich sind?“

„Daß ich in Sie nicht verliebt bin, darauf können sie sich +ja+

verlassen. Überhaupt sind’s nicht bald fertig mit Ihrer Fragerei? Was

wollen’s denn?“

„Das.“ Und kaum hatte sie sich’s versehen, umschlang er sie und drückte

einen Kuß auf ihre frische Wange.

„Nein, so ein impertinenter Mensch!“ Sie war zuerst ganz starr,

dann aber lächelte sie neckisch. Seine Kühnheit imponierte ihr: von

nun an zeichnete sie ihn vor den Andern aus, und die Chancen des

Gärtnergehilfen Florian sanken immer mehr. Im Gegensatz zu seinem

zarten Namen, der ihn schon von vornherein zur Gärtnerei bestimmte, war

er die plumpste, unappetitlichste Erscheinung, die man sich nur denken

kann. Ein verschwollenes Gesicht, aus dem gelbe Elefanten-Äugerln

schimmerten, und ein Paar enorme, purpurrote Tatzen. Unbeholfen in

einer Art! Ein wahrhaft lächerlicher Anblick beim Piquiren und anderen

Arbeiten, die Geschicklichkeit und leichten Griff erfordern. Aber

verliebt bis über die Ohren.

Als er Jungfer Hanni zum erstenmal erblickt, sank er vor lauter

Bewunderung so tief in die weiche Mistbeeterde, daß man meinte, er

müsse Wurzel fassen, und starrte ihr so voll Entzücken nach, als hätt’

er eine Fee gewahrt.

Er nahte sich ihr schüchtern, in voller Ehrerbietung, und als sie

scherzhalber seine Huldigung entgegennahm, ward er kühner. Er verehrte

ihr eine Blumensprache, in der die auf seine Leidenschaft bezüglichen

Verse rot angestrichen waren.

Jedes Wort aus ihrem Munde versetzte ihn in den siebenten Himmel, und

wenn er sie nach Feierabend in der Bügelstube wußte, brachte er ihr die

schönsten Ständchen.

„Hannerl, Hannerl, Mädchen ohne Gleichen,

Hannerl, lasse Dich erweichen,

Hannerl, Hannerl, höre doch mein Fleh’n,

Ich liebe Dich, erhöre mich,

Wenn nicht, müßt’ ich betrübt von dannen geh’n.“

Worauf von innen mit furchtbar falscher Stimme die ermunternde

Aufforderung erklang:

„Um Dir nur zu gefallen,

Versteh’ ich mich zu Allem,

Ach komm, Geliebter, komm,

Ach komm, Geliebter, komm.“

Beseligt drückte Florian die Hände auf sein Herz. Sie hatte ihn ja

kommen geheißen -- endlich. Nun, er würde gewiß nicht zögern. Doch

was war das, die Schnalle wollte nicht nachgeben, wie sehr er auch

daran drückte: „Aber Freiln Hannerl, seiens so gut. Ich kann ja nicht

herein.“ -- Alles umsonst, kein Lebenszeichen.

Dann raschelte es ganz leise, Hannerls gestärktes Cattunkleid, und das

schelmische Ding hielt sich die Hüften und lachte, bis ihr die Tränen

über die Wangen rollten.

Er zog ein Briefchen aus der Tasche und schob es unter die Türspalte

hinein. Er hatte es ihr schon früher einmal geben wollen, als sie ihn

kühl behandelt.

„Hochwollgeborn Freilein Johanna Patschek.

Ich habe lange mein Herz aus dem Laibe gerissen und vor Ihren Füssen

geleckt, -- sie lachten auf mich u. ich klaube, Sie mögen mich nicht.

Eine große betzweifflung für mich, daß das Frailein Johanna böse

ist. Ich bin soeben trostlos u. möchte sterben, weil sie nix zu mir

gesprochen, denn ich füll mich ganz undschuldig. Ich habe nichts gedahn

und Ihnen niemals nie eine Witterede gegeben, und alles mit Freude

gedahn, nur daß sie nicht bösse sind. Denn ein bösses Gesicht und

nichts rehten, das duht mir Weh, darum bitte ich hochachtungsfohl und

mit faltenden Händen nicht bösse sein

Wie es Licht geworden! · 第 9 / 21 题