Die Königin. Bekennen Sie die Wahrheit.--(Beiseite.) Aber wie sehr
fürchtet meine Liebe, sie zu hören! War es Blanca?
Essex. Ich Unglücklicher!
Die Königin. War es Blanca, die meinen Tod wollte?
Essex. Nein, Königin; Blanca war es nicht.
Die Königin. Sie waren es also?
Essex. Schreckliches Schicksal!--Ich weiß nicht.
Die Königin. Sie wissen es nicht?--Und wie kömmt dieses mörderische
Werkzeug in Ihre Hand?--"
Der Graf schweigt, und die Königin befiehlt, ihn nach dem Tower zu
bringen. Blanca, bis sich die Sache mehr aufhellet, soll in ihrem Zimmer
bewacht werden. Sie werden abgeführt, und der zweite Aufzug schließt.
----Fußnote
[1]
bl. le llamé una noche obscura--
rein. y vino a verte? bl. pluguiera
a dios, que no fuera tanta
mi desdicha, y su fineza.
vino más galán que nunca,
y yo que dos veces ciega,
por mi mal, estaba entónces
del amor, y las tinieblas--
[2]
rein. este es celo, blanca. bl. celos,
añadiéndole una letra.
rein. qué decis? bl. señora, que
si acaso posible fuera,
a no ser vos la que dice
esas palabras, dijera,
que eran celos. rein. qué son celos?
no son celos, es ofensa
que me estais haciendo vos.
supongamos, que quisiera
al conde en esta ocasión;
pues si yo al conde quisiera
y alguna atrevida, loca
presumida, descompuesta
le quisiera, qué es querer?
que le mirara, o le viera;
qué es verle? no sé que diga.
no hay cosa que ménos sea--
no la quitara la vida?
la sangre no le bebiera?--
los celos, aunque fingidos,
me arrebataron la lengua,
y dispararon mi enojo--
mirad que no me deis celos,
que si fingidos se altera
tanto mi enojo, ved vos,
si fuera verdad, qué hiciera--
escarmentad en las burlas,
no me deis celos de veras.
conde, vos traidor? vos, blanca?
el juicio está indiferente,
cual me libra, cual me mata.
conde, bianca, respondedme!
tu á la reina? tu á la reina?
oid, aunque confusamente:
ha, traidora, dijo el conde.
blanca, dijo: traidor eres.
estas razones de entrambos
a entrambas cosas convienen:
uno de los dos me libra,
otro de los me ofende.
conde, cuál me daba vida?
blanca, cuál me daba muerte?
decidme!--no lo digais,
que neutral mi valor quiere,
per no saber el traidor,
no saber el inocente.
mejor es quedar confusa,
en duda mi juicio quede,
porque cuando mire a alguno,
y de la traición me acuerde,
a pensar, que es el traidor,
que es el leal también piense.
yo le agradeciera á blanca,
que ella la traidora fuese,
solo á trueque de que el conde
fuera él, que estaba inocente.--
----Fußnote
Sechsundsechzigstes Stück
Den 18. Dezember 1767
Der dritte Aufzug fängt sich mit einer langen Monologe der Königin an,
die allen Scharfsinn der Liebe aufbietet, den Grafen unschuldig zu
finden. Die Vielleicht werden nicht gesparet, um ihn weder als ihren
Mörder, noch als den Liebhaber der Blanca denken zu dürfen. Besonders
geht sie mit den Voraussetzungen wider die Blanca ein wenig sehr weit;
sie denkt über diesen Punkt überhaupt lange so zärtlich und sittsam
nicht, als wir es wohl wünschen möchten, und als sie auf unsern Theatern
denken müßte.[1]
Es kommen der Herzog und der Kanzler: jener, ihr seine Freude über die
glückliche Erhaltung ihres Lebens zu bezeigen; dieser, ihr einen neuen
Beweis, der sich wider den Essex äußert, vorzulegen. Auf der Pistole, die
man ihm aus der Hand genommen, steht sein Name; sie gehört ihm; und wem
sie gehört, der hat sie unstreitig auch brauchen wollen.
Doch nichts scheinet den Essex unwidersprechlicher zu verdammen, als was
nun erfolgt. Cosme hat, bei anbrechendem Tage, mit dem bewußten Briefe
nach Schottland abgehen wollen und ist angehalten worden. Seine Reise
sieht einer Flucht sehr ähnlich, und solche Flucht läßt vermuten, daß er
an dem Verbrechen seines Herrn Anteil könne gehabt haben. Er wird also
vor den Kanzler gebracht, und die Königin befiehlt, ihn in ihrer
Gegenwart zu verhören. Den Ton, in welchem sich Cosme rechtfertiget, kann
man leicht erraten. Er weiß von nichts; und als er sagen soll, wo er
hingewollt, läßt er sich um die Wahrheit nicht lange nötigen. Er zeigt
den Brief, den ihm sein Graf an einen andern Grafen nach Schottland zu
überbringen befohlen: und man weiß, was dieser Brief enthält. Er wird
gelesen, und Cosme erstaunt nicht wenig, als er hört, wohin es damit
abgesehen gewesen. Aber noch mehr erstaunt er über den Schluß desselben,
worin der Überbringer ein Vertrauter heißt, durch den Roberto seine
Antwort sicher bestellen könne. "Was höre ich?" ruft Cosme. "Ich ein
Vertrauter? Bei diesem und jenem! ich bin kein Vertrauter; ich bin
niemals einer gewesen, und will auch in meinem Leben keiner sein.--Habe
ich wohl das Ansehen zu einem Vertrauten? Ich möchte doch wissen, was
mein Herr an mir gefunden hätte, um mich dafür zu nehmen. Ich, ein
Vertrauter, ich, dem das geringste Geheimnis zur Last wird? Ich weiß zum
Exempel, daß Blanca und mein Herr einander lieben, und daß sie heimlich
miteinander verheiratet sind: es hat mir schon lange das Herz abdrücken
wollen; und nun will ich es nur sagen, damit Sie hübsch sehen, meine
Herren, was für ein Vertrauter ich bin. Schade, daß es nicht etwas viel
Wichtigeres ist: ich würde es ebensowohl sagen."[2] Diese Nachricht
schmerzt die Königin nicht weniger, als die Überzeugung, zu der sie durch
den unglücklichen Brief von der Verräterei des Grafen gelangt. Der Herzog
glaubt, nun auch sein Stillschweigen brechen zu müssen und der Königin
nicht länger zu verbergen, was er in dem Zimmer der Blanca zufälligerweise
angehört habe. Der Kanzler dringt auf die Bestrafung des Verräters, und
sobald die Königin wieder allein ist, reizen sie sowohl beleidigte Majestät,
als gekränkte Liebe, des Grafen Tod zu beschließen.
Nunmehr bringt uns der Dichter zu ihm in das Gefängnis. Der Kanzler kömmt
und eröffnet dem Grafen, daß ihn das Parlament für schuldig erkannt und
zum Tode verurteilet habe, welches Urteil morgen des Tages vollzogen
werden solle. Der Graf beteuert seine Unschuld.
"Der Kanzler. Ihre Unschuld, Mylord, wollte ich gern glauben: aber so
viele Beweise wider Sie!--Haben Sie den Brief an den Roberto nicht
geschrieben? Ist es nicht Ihr eigenhändiger Name?
Essex. Allerdings ist er es.
Der Kanzler. Hat der Herzog von Alanzon Sie, in dem Zimmer der Blanca,
nicht ausdrücklich den Tod der Königin beschließen hören?
Essex. Was er gehört hat, hat er freilich gehört.
Der Kanzler. Sahe die Königin, als sie erwachte, nicht die Pistole in
Ihrer Hand? Gehört die Pistole, auf der Ihr Name gestochen, nicht
Ihnen?
Essex. Ich kann es nicht leugnen.
Der Kanzler. So sind Sie ja schuldig.
Essex. Das leugne ich.
Der Kanzler. Nun, wie kamen Sie denn dazu, daß Sie den Brief an den
Roberto schrieben?
Essex. Ich weiß nicht.
Der Kanzler. Wie kam es denn, daß der Herzog den verräterischen
Vorsatz aus Ihrem eignen Munde vernehmen mußte?
Essex. Weil es der Himmel so wollte.
Der Kanzler. Wie kam es denn, daß sich das mörderische Werkzeug in
Ihren Händen fand?
Essex. Weil ich viel Unglück habe.
Der Kanzler. Wenn alles das Unglück, und nicht Schuld ist: wahrlich,
Freund, so spielst Ihnen Ihr Schicksal einen harten Streich. Sie
werden ihn mit Ihrem Kopfe bezahlen müssen.