Blanca. Ich zittere.--Nein, ich darf es nicht wagen--"

Die Königin macht ihr Mut und lockt ihr nach und nach mehr ab, als

Blanca zu sagen brauchte; weit mehr, als sie selbst zu hören wünscht.

Sie höret, wo und wie der Graf glücklich gewesen;[1] und als sie

endlich auch höret, daß er ihr die Ehe versprochen, und daß Blanca auf

die Erfüllung dieses Versprechens dringe: so bricht der so lange

zurückgehaltene Sturm auf einmal aus. Sie verhöhnet das leichtgläubige

Mädchen auf das empfindlichste und verbietet ihr schlechterdings, an

den Grafen weiter zu denken. Blanca errät ohne Mühe, daß dieser Eifer

der Königin Eifersucht sein müsse: und gibt es ihr zu verstehen.

"Die Königin. Eifersucht?--Nein; bloß deine Aufführung entrüstet mich.

--Und gesetzt,--ja gesetzt, ich liebte den Grafen. Wenn ich,--ich ihn

liebte, und eine andere wäre so vermessen, so töricht, ihn neben mir

zu lieben,--was sage ich, zu lieben?--ihn nur anzusehen,--was sage

ich, anzusehen?--sich nur eine Gedanke von ihm in den Sinn kommen zu

lassen: das sollte dieser andern nicht das Leben kosten?--Du siehest,

wie sehr mich eine bloß vorausgesetzte, erdichtete Eifersucht

aufbringt: urteile daraus, was ich bei einer wahren tun würde. Itzt

stelle ich mich nur eifersüchtig. Hüte dich, mich es wirklich zu

machen!"[2]

Mit dieser Drohung geht die Königin ab und läßt die Blanca in der

äußersten Verzweiflung. Dieses fehlte noch zu den Beleidigungen, über

die sich Blanca bereits zu beklagen hatte. Die Königin hat ihr Vater

und Bruder und Vermögen genommen: und nun will sie ihr auch den Grafen

nehmen. Die Rache war schon beschlossen: aber warum soll Blanca noch

erst warten, bis sie ein anderer für sie vollzieht? Sie will sie selbst

bewerkstelligen, und noch diesen Abend. Als Kammerfrau der Königin muß

sie sie auskleiden helfen; da ist sie mit ihr allein; und es kann ihr

an Gelegenheit nicht fehlen.--Sie sieht die Königin mit dem Kanzler

wiederkommen und geht, sich zu ihrem Vorhaben gefaßt zu machen.

Der Kanzler hält verschiedne Briefschaften, die ihm die Königin nur auf

einen Tisch zu legen befiehlt; sie will sie vor Schlafengehen noch

durchsehen. Der Kanzler erhebt die außerordentliche Wachsamkeit, mit der

sie ihren Reichsgeschäften obliege; die Königin erkennt es für ihre

Pflicht und beurlaubet den Kanzler. Nun ist sie allein und setzt sich zu

den Papieren. Sie will sich ihres verliebten Kummers entschlagen und

anständigern Sorgen überlassen. Aber das erste Papier, was sie in die

Hände nimmt, ist die Bittschrift eines Grafen Felix. Eines Grafen! "Muß

es denn eben", sagt sie, "von einem Grafen sein, was mir zuerst vorkömmt!"

Dieser Zug ist vortrefflich. Auf einmal ist sie wieder mit ihrer ganzen

Seele bei demjenigen Grafen, an den sie itzt nicht denken wollte. Seine

Liebe zu Blanca ist ein Stachel in ihrem Herzen, der ihr das Leben zur

Last macht. Bis sie der Tod von dieser Marter befreie, will sie bei dem

Bruder des Todes Linderung suchen: und so fällt sie in Schlaf.

Indem tritt Blanca herein und hat eine von den Pistolen des Grafen, die

sie in ihrem Zimmer gefunden. (Der Dichter hatte sie, zu Anfange dieses

Akts, nicht vergebens dahin tragen lassen.) Sie findet die Königin allein

und entschlafen: was für einen bequemem Augenblick könnte sie sich

wünschen? Aber eben hat der Graf die Blanca gesucht und sie in ihrem

Zimmer nicht getroffen. Ohne Zweifel errät man, was nun geschieht. Er

kömmt also, sie hier zu suchen; und kömmt eben noch zurecht, der Blanca

in den mörderischen Arm zu fallen und ihr die Pistole, die sie auf die

Königin schon gespannt hat, zu entreißen. Indem er aber mit ihr ringt,

geht der Schuß los: die Königin erwacht, und alles kömmt aus dem Schlosse

herzugelaufen.

"Die Königin (im Erwachen). Ha! Was ist das?

Der Kanzler. Herbei, herbei! Was war das für ein Knall in dem Zimmer

der Königin? Was geschieht hier?

Essex (mit der Pistole in der Hand). Grausamer Zufall!

Die Königin. Was ist das, Graf?

Essex. Was soll ich tun?

Die Königin. Blanca, was ist das?

Blanca. Mein Tod ist gewiß!

Essex. In welcher Verwirrung befinde ich mich!

Der Kanzler. Wie? der Graf ein Verräter?

Essex (beiseite). Wozu soll ich mich entschließen? Schweige ich: so

fällt das Verbrechen auf mich. Sage ich die Wahrheit: so werde ich

der nichtswürdige Verkläger meiner Geliebten, meiner Blanca, meiner

teuersten Blanca.

Die Königin. Sind Sie der Verräter, Graf? Bist du es, Blanca? Wer

von euch war mein Retter? wer mein Mörder? Mich dünkt, ich hörte im

Schlafe euch beide rufen: Verräterin! Verräter! Und doch kann nur

eines von euch diesen Namen verdienen. Wenn eines von euch mein Leben

suchte, so bin ich es dem andern schuldig. Wem bin ich es schuldig,

Graf? Wer suchte es, Blanca? Ihr schweigt?--Wohl, schweigt nur! Ich

will in dieser Ungewißheit bleiben; ich will den Unschuldigen nicht

wissen, um den Schuldigen nicht zu kennen. Vielleicht dürfte es mich

ebensosehr schmerzen, meinen Beschützer zu erfahren, als meinen Feind.

Ich will der Blanca gern ihre Verräterei vergeben, ich will sie ihr

verdanken: wenn dafür der Graf nur unschuldig war."[3]

Aber der Kanzler sagt: wenn es die Königin schon hierbei wolle bewenden

lassen, so dürfe er es doch nicht; das Verbrechen sei zu groß; sein Amt

erfodere, es zu ergründen; besonders da aller Anschein sich wider den

Grafen erkläre.

"Die Königin. Der Kanzler hat recht; man muß es untersuchen.--Graf,--

Hamburgische Dramaturgie · 第 38 / 55 题