HÄNSLEIN.

Lag also in dem tiefen Turm,

Der war voll Ungeziefer und Wurm ...

VIERTER LANDSKNECHT. Gut, Hänschen, sage: Meine Mutter hurt mit dem

Teufel.

HÄNSLEIN. Meine Mutter hurt mit dem Teufel.

DRITTER LANDSKNECHT. Lauf, Hänslein! Der Bischof kommt und wirft dich in

den Turm!

Der Irre enteilt entsetzt. Die Knechte lachen.

DRITTER LANDSKNECHT. Heute nacht wird Knipperdolling nicht vor die

Schanzen gehen und Geschütze vernageln!

VIERTER LANDSKNECHT. Die Zeiten haben sich bös verändert, seit wir aus

dem Lager nach Münster übergingen.

DRITTER LANDSKNECHT. Auch der Stern, der sonst jede Nacht über Münster

funkelte – wo ist er hingekommen?

VIERTER LANDSKNECHT. Seltsam ist es immerhin. Und er funkelte doch alle

Nächte wie ein Edelstein. – Münster! Münster!

DRITTER LANDSKNECHT. Was ist deine Meinung, Bruder –?

VIERTER LANDSKNECHT. Meine Meinung ist: es wird bald Zeit sein, dem

neuen Jerusalem den Hintern zu zeigen.

DRITTER LANDSKNECHT. Das glaube ich auch.

Schließen die Tür.

Zwei junge Mädchen in Tücher eingehüllt, bleich und verhungert,

kommen, scheu, ängstlich.

ERSTES MÄDCHEN (pocht an die Tür der Hütte rechts): Soldaten! Knechte!

(Die Tür öffnet sich.) Wir haben Hunger! Gebt uns zu essen!

ZWEITES MÄDCHEN. Seit drei Tagen haben wir auch nicht eine Krume

bekommen.

ERSTER LANDSKNECHT (kommt heraus): Bei den gewaltigen Fürsten der Hölle!

Kamerad, wir bekommen Besuch. Zwei zarte Jüngferchen machen uns ihre

Aufwartung. (Er tritt aus der Tür und mustert sie.)

ZWEITER LANDSKNECHT (erscheint in der Tür): Kommt herein, ihr Bräutchen.

Wir haben Brot und Speck und gebratene Ratten in der Pfanne. Und auch

Wein haben wir, das Mäulchen zu spülen.

ERSTES MÄDCHEN. Aber ihr müßt uns schwören, liebe Gesellen –!

ERSTER LANDSKNECHT (lacht): Wenn du sonst nichts von uns verlangst, im

Schwören sind wir stark wie Könige und Feldherrn.

ZWEITER LANDSKNECHT (lacht): Wir schwören wie der Papst und der Luther

zusammen. (Faßt eines der Mädchen an.)

ZWEITES MÄDCHEN. Wir haben Angst vor euch! Große Angst!

ERSTER LANDSKNECHT. Niemals haben wir einer Jungfer etwas zuleide getan,

die so lieblich war wie ihr. Kommt, oder wir schließen die Tür.

ZWEITER LANDSKNECHT. Wollen euch Kunststückchen beibringen, daß euch das

Lachen bis in den Magen kitzeln soll. Könnt ihr auf dem Rücken tanzen?

Könnt ihr auf Zehen und Fingerspitzen tanzen? Das alles sollt ihr bei

uns lernen und noch mehr! (Die Mädchen treten ein.)

Schreien der Mädchen.

Wüstes Lachen. Die Tür wird geschlossen.

Grelles Mondlicht.

JOHANN (erscheint von rechts auf dem Wall. Sein Antlitz ist mit Schweiß

bedeckt. Schreit): Ich lasse dich nicht, Herr! Siehe deine Stadt! Dein

Reich! Die Heiden umschwärmen deinen Thron, Herr! Vater im Himmel, laß

diese Erde endlich Frieden haben. Siehe, sie haben dein Wort in den

Staub getreten. Sie haben Lüge und Spott aus deinem Wort gemacht. Dulde

nicht, daß sie dich länger verhöhnen. Die Armen und Elenden weinen zu

dir Tag und Nacht und die Heuchler und Hochmütigen stolzieren einher.

Herr, Herr! Vater im Himmel!

Laß dein Reich kommen auf diese Erde!

Der große Mönch erscheint von links auf dem Wall.

Dunkelheit.

JOHANN (steigt langsam die Treppe herab. Er spricht keuchend): Lösche

mein Augenlicht aus, wenn es dir gefällt. – Schlage mich mit Aussatz,

wie Hiob, wenn es dir gefällt. Fordere mein Blut, es gehört dir. (Er ist

unten angelangt und geht schwankend.) Aber zürne mir nicht länger ...

(Verzückt lächelnd.) Ich schlief und du wecktest mich auf. Du hast

deinen heiligen Samen in mein Herz gelegt und er ging auf. Weshalb

willst du jetzt die Saat verderben? (Er kniet und neigt den Kopf bis zur

Erde.) Dein Wille geschehe!

Pause.

Der große Mönch steigt die Treppe herab und bleibt im Schatten

stehen.

DER GROSSE MÖNCH. König Johann!

Die Wiedertäufer von Münster: Drama in 5 Akten · 第 30 / 38 题