JOHANN. Und David sagt in einem Psalm: Falsche Leute halte ich nicht in
meinem Hause, und Lügner gedeihen nicht bei mir.
STIMMEN. Brav, Johann! Du hast es Knipperdolling gut gegeben! Gut,
Johann. (Gelächter.)
KNIPPERDOLLING. Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit,
sagt der Prophet.
JOHANN. Den Traum, Knipperdolling.
KNIPPERDOLLING. Da träumte ich also: Da Gott und alle seine Engel
wissen, daß Knipperdolling „früh auf ist des Saufens“ – so träumte ich
von einem Faß voll Wein – so groß wie der Dom zu Münster. (Gelächter.)
Und schöne Frauen saßen um das Faß herum, in Samt und Seide, fast wie
Divara, Johann, und dein Hofstaat.
JOHANN. Deinen Traum laß hören, Knipperdolling.
KNIPPERDOLLING. Aber, das ist ja der Traum, begreifst du nicht? Und in
diesem Traum da hat mir Gott befohlen, Johann, dein Hofnarr zu werden!
(Gelächter.) Hofnarr am Hofe des König Johann, ja! So erging der Befehl.
Ich soll bei dir tanzen wie ein Gaukler auf dem Jahrmarkt. Heissa. (Er
tanzt in grotesken Sprüngen.) Heissa, Herr König!
STIMMEN. Wacker, wacker! Tanze, Knipperdolling!
Gelächter und Entsetzen. Die Dirnen kreischen.
ROTTMANN. Knipperdolling, so besinne dich.
KNIPPERDOLLING (tanzt und fällt auf Divara und die Hofdamen).
Gelächter und Geschrei im Volk.
VOLK. Es lebe Knipperdolling! Knipperdolling ist betrunken!
Knipperdolling!
DUSENTSCHUR (erhebt sich, sein Aussehen ist so furchtbar, daß alle
sofort schweigen).
KNIPPERDOLLING. Was glotzt ihr? Der heilige Geist ist in mich gefahren.
Heilig, heilig ist der Herr, wir sind ein heiliges Volk. Ja, und deine
Sohlen soll ich lecken, Johann. Gib, gib, streck doch die Schuhe aus,
die Schuhe aus feinem holländischen Leder! Wer hat dich denn zum König
gesetzt über Münster, Johann? Ich, ich!! Ich habe dir den Weg bereitet!
Beifall und Unruhe. König Johann steht bleich.
Eigentlich sollte ich ja König in Münster sein und nicht du!
Knipperdolling wird ein König im Geiste sein, Johann aber ist ein König
im Fleisch!
Ungeheure Erregung.