288. Beugung des Lichtes.

[Abbildung: Fig. 364.]

Kommt das Licht am Spalte ~AB~ an und hält man an der Vorstellung fest,

daß nun von ~A~ und von ~B~, sowie von allen zwischenliegenden Punkten

sich kreis- (kugel-) förmige Wellensysteme ausbreiten, so werden sich

diese interferieren. Im Punkte ~a~ treffen die von ~A~ und ~B~ kommenden

Wellen nicht gleichzeitig ein, sondern mit einem Gangunterschied,

welcher der ungleichen Entfernung ~aA > aB~ entspricht. Ist dieser

Unterschied etwa eine ganze Wellenlänge, so ist der Gangunterschied von

~Aa - aC~ eine halbe Wellenlänge und es gibt zu jedem Punkte zwischen

~A~ und ~B~ einen zweiten, so daß die von ihnen ausgehenden Wellen in

~a~ gerade einen Gangunterschied von einer halben Wellenlänge haben.

Solche Wellen heben sich auf, in ~a~ ist es also ganz dunkel. In ~b~

jedoch, wo der Unterschied ~bA - bB~ gleich zwei Wellenlängen ist, wo

also ~bA - bC~ = 1 Wellenlänge ist, kommen stets Wellenpaare an, die

sich durch eine ganze Wellenlänge unterscheiden, die sich also

verstärken; es ist also in ~b~ hell, ^das Licht ist nach ~b~ hin gebeugt

worden^. So findet man, daß es in ~c~ dunkel, in ~e~ hell ist, und man

kann leicht noch mehrere solche ^Interferenzstreifen^ unterscheiden. So

ist die Erscheinung bei einfarbigem Lichte. Sie kann auch benützt

werden, um die Wellenlänge des Lichtes zu berechnen (Fraunhofer). Bei

violettem Lichte sind die Streifen schmäler, bei rotem Lichte breiter.

Auch werden die Streifen um so breiter, je schmäler der Spalt wird. Bei

weißem Lichte entstehen Streifensysteme, die sich übereinander lagern,

ihre Farben mischen und so ein System von farbigen Streifen erzeugen

(Fresnel 1815).

Nimmt man statt eines Spaltes deren mehrere, indem man sehr nahe

nebeneinander parallele Striche auf Glas graviert, so sieht man die

Beugungserscheinung, die farbigen Fransen, schon wenn man durch das Glas

auf eine Kerzenflamme sieht. Ähnlich, wenn man durch eine Federfahne

oder feinmaschiges Gewebe (Musselin) gegen das Licht blickt.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 325 / 340 题