289. Polarisation des Lichtes.

[Abbildung: Fig. 365.]

Die Erscheinungen der Interferenz und Beugung haben erwiesen, daß das

Licht eine Wellenbewegung ist. Die Erscheinungen der ^Polarisation^

lehren, daß die ^Lichtwellen transversal schwingen^. (Huyghens 1678.)

Läßt man Licht unter einem Einfallswinkel von 55° auf eine Glasfläche

fallen, so zeigt der reflektierte Strahl folgende Eigentümlichkeit; läßt

man ihn auf einen zweiten Spiegel auch unter 55° auffallen, so daß die

Ebenen beider Spiegel parallel sind, oder daß wenigstens die

Reflexions-Ebenen beider Spiegel zusammenfallen, so wird er vom zweiten

Spiegel auch reflektiert; dreht man aber den zweiten Spiegel so, daß die

Reflexionsebenen beider Spiegel aufeinander senkrecht stehen, so wird er

vom zweiten Spiegel nicht mehr reflektiert. Während der Drehung des

zweiten Spiegels aus der ersten in die zweite Lage nimmt die Stärke des

von ihm reflektierten Lichtes ab. (Nörrembergs Polarisationsapparat,

Fig. 365.) Der vom ersten Spiegel reflektierte Lichtstrahl ist demnach

nicht mehr gewöhnliches Licht, da seine Reflexionsfähigkeit von der Lage

des zweiten Spiegels abhängig ist; man nennt ihn deshalb ^polarisiert^.

Im gewöhnlichen Lichte erfolgen die Schwingungen der Ätherteilchen

senkrecht zur Richtung des Lichtstrahles, transversal, aber nach allen

Seiten hin; wenn also in einem Lichtstrahle die Äthermoleküle jetzt eben

in einer gewissen Richtung schwingen, so schwingen sie an dieser Stelle

im nächsten Moment nach einer anderen Richtung und wechseln so in

raschester Folge ihre Schwingungsrichtung. Wenn aber die Moleküle stets

nur in einer Richtung schwingen, so sagt man, das Licht ist polarisiert;

eine Ebene, welche den Lichtstrahl enthält und senkrecht steht zur

Schwingungsrichtung, nennt man die ^Polarisationsebene^. Wenn also

die Moleküle in der Ebene dieses Papieres schwingen, so ist das

Licht polarisiert senkrecht zu dieser Papierfläche, denn die

Polarisationsebene geht durch ~AB~ (Fig. 366) und steht senkrecht zur

Papierfläche.

[Abbildung: Fig. 366.]

^Wird das Licht von Glas unter 55° reflektiert, so ist es polarisiert^;

man weiß zwar nicht, ob in der Einfallsebene oder senkrecht zu ihr, doch

nimmt man an, es sei in der Einfalls- (Reflexions-) Ebene polarisiert;

die Schwingungen geschehen also senkrecht zur Einfallsebene, also

senkrecht zur Papierfläche der Fig. 365.

Solches polarisiertes Licht wird von einem zweiten Spiegel nur dann am

stärksten reflektiert, wenn die Einfallsebene wieder mit der

Polarisationsebene zusammenfällt; ist aber die Einfallsebene senkrecht

zur Polarisationsebene (zweite Stellung des 2. Spiegels), so wird das

Licht gar nicht mehr reflektiert. In dieser Zwischenstellung reflektiert

der 2. Spiegel weniger als in der ersten Stellung, und dies reflektierte

Licht ist nun auch wieder in der Reflexionsebene polarisiert.

[Abbildung: Fig. 367.]

Von dem auf den ersten Spiegel fallenden Lichte wird nur ein Teil

reflektiert, der andere Teil wird durchgelassen (vorausgesetzt, daß der

Glasspiegel unbelegt ist). ^Auch das durchgelassene, gebrochene Licht

ist polarisiert^, aber senkrecht zur Einfallsebene, d. h. seine

Schwingungen geschehen in der Einfalls-(Papier-)ebene. Fig. 367.

Wenn der Einfallswinkel des natürlichen Lichtes bei Glas mehr oder

weniger als 55° beträgt, so wird das Licht nicht vollständig

polarisiert, d. h. sowohl das einfallende als das gebrochene verhält

sich so, als wenn es bestände aus einem Teil polarisierten und einem

Teil unpolarisierten Lichtes.

Die Polarisation des reflektierten Lichtes ist bei durchsichtigen

Substanzen nur dann vollständig, wenn der reflektierte Strahl senkrecht

steht auf dem gebrochenen Strahle. Ist also ~n~ der Brechungsexponent

und ~α~ dieser Einfallswinkel (oder Reflexionswinkel), so ist ~tg α =

n~. Dieser Einfallswinkel wird ^Polarisationswinkel^ genannt. Bei vielen

Substanzen, zu denen auch Diamant, Schwefel und die Metalle gehören,

wird nie alles reflektierte Licht polarisiert, jedoch liefert der

Polarisationswinkel das Maximum des polarisierten Lichtes.

Das durchgelassene Licht ist nie vollständig polarisiert, denn es

enthält nur so viel polarisiertes als das reflektierte, ist ihm aber an

Quantität überlegen; der Überschuß ist unpolarisiert. Wird dies

durchgelassene Licht nochmal durch eine parallele Platte gelassen, so

wird der schon polarisierte Teil ganz durchgelassen, vom unpolarisierten

wird ein Teil polarisiert; das durchgelassene ist also jetzt

vollständiger polarisiert und kann, wenn man es oftmals durch solche

Platten durchgehen läßt, immer vollständiger polarisiert werden.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 326 / 340 题