273. Zentrifugalmaschine.

Die Zentrifugalmaschine hat folgende Einrichtung. Auf einem Brette sind

zwei Achsen drehbar und senkrecht befestigt. Die eine Achse trägt ein

Rad von großem, die andere eine Welle von kleinem Durchmesser. Über Rad

und Welle läuft ein Riemen. Dreht man das Rad mittels einer Kurbel, so

macht die Welle so vielmal mehr Umdrehungen, als ihr Durchmesser kleiner

ist, und kann leicht in rasche Rotation versetzt werden. Befestigt man

nun auf der Achse der Welle verschiedene Apparate, so unterliegen

dieselben der beim Drehen zum Vorschein kommenden Zentrifugalkraft.

^Die Zentralbewegung bringt die Zentrifugalkraft hervor^, d. h. sie

bringt in dem Körper das Bestreben hervor, sich in der Richtung des

Radius vom Mittelpunkt zu entfernen.

[Abbildung: Fig. 358.]

Befestigt man das Brettchen ~BB′~ in ~A~ auf der Maschine, so sieht man,

daß die Kugel ~C~, die auf der Stange ~MM′~ aufgesteckt ist, beim

Umdrehen der Maschine bald nach ~M′~ hinausrückt, wenn nämlich die

Zentrifugalkraft etwas größer als die Reibung geworden ist. Bemerke,

daß, obwohl die Zentrifugalkraft in der Richtung ~CM~ wirkt, ~C~ sich

nicht in der Richtung ~CM~ bewegt, sondern in der Richtung der Tangente

des Kreises, und da diese Bewegung zugleich mit der Umdrehung

geschieht, so sieht es so aus, als wenn der Körper sich von ~C~ nach ~M~

bewegt hätte.

Hierauf beruht die Honig- und Sirupschleuder, die

Zentrifugaltrockenmaschine und die gewöhnliche Schleuder.

Wenn der Eisenbahnzug im raschen Fahren eine starke Kurve beschreibt, so

werden wir durch die Zentrifugalkraft nach der äußeren Seite der

Krümmung hingedrückt und schwanken nach dieser Seite.

^Die Zentrifugalkraft ist der Masse proportional^ (~F = M · f~). Auf die

Messingstange des vorher beschriebenen Apparates werden zwei

Messingkugeln von verschiedenem Gewicht gesteckt, durch einen Faden

verbunden und so gestellt, daß beide in gleicher Entfernung vom

Mittelpunkte sich befinden, dann haben beide die gleiche Beschleunigung

(~f = v² : r~), bloß die Masse ~m~ ist verschieden. Beim Umdrehen geht

die größere Kugel nach auswärts und nimmt die kleinere nach ihrer Seite

hin mit.

Bringt man auf die Zentrifugalmaschine ein Gefäß mit etwas Wasser, so

setzt sich bei jedem Wasserteilchen die Zentrifugalkraft mit der

Schwerkraft zu einer Resultierenden zusammen, welche schräg nach außen

gerichtet ist; deshalb bleibt die Oberfläche des Wassers nicht

horizontal, sondern sie krümmt sich so, daß in jedem Punkte diese

Resultierende senkrecht zur Wasseroberfläche steht; je weiter die Fläche

vom Zentrum entfernt ist, desto steiler wird sie. Da bei raschem Drehen

diese Resultierende nahezu horizontal wird, so sammelt sich das Wasser

in fast vertikaler Schichte an der Wand des Gefäßes. Wie in einem Gefäß

mit zwei Flüssigkeiten die schwerere sich unten sammelt, weil 1 _ccm_

mehr Masse enthält und deshalb mehr Gewicht hat, so sammelt sich beim

Drehen die schwerere Flüssigkeit nach außen, um so mehr als 1 _ccm_ von

ihr mehr Masse enthält und deshalb mehr Zentrifugalkraft bekommt.

Hierauf beruht das Entrahmen der Milch in der ^Milchzentrifuge^. Der

Rahm sammelt sich innen, da er leichter ist als die Milch.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 307 / 340 题