269. Der schiefe Wurf.

Wirkt eine Kraft unter einem Winkel auf einen bewegten Körper, so setzt

sich die durch die Kraft hervorgebrachte Beschleunigung mit der schon

vorhandenen Geschwindigkeit zu einer resultierenden Geschwindigkeit

zusammen, deren Richtung und Größe durch die Diagonale eines

^Geschwindigkeitsparallelogrammes^ gefunden wird, das ebenso konstruiert

wird wie das Kräfteparallelogramm.

[Abbildung: Fig. 354.]

Umgekehrt kann eine Geschwindigkeit in zwei Geschwindigkeiten mittels

des Parallelogramms zerlegt werden.

Soll ein Körper aus zweierlei Ursachen zweierlei Wege zu gleicher Zeit

zurücklegen, so kann man aus den zwei Wegen ein ^Parallelogramm^

konstruieren (Fig. 354), und im Endpunkt der Diagonale befindet sich der

Körper nach Ablauf der Zeit. Jedoch gibt die Diagonale nicht immer den

Weg an, auf welchem sich der Körper wirklich bewegt, insbesondere dann

nicht, wenn die Bewegungsursachen der Art nach verschieden sind. Hat z.

B. der in ~A~ befindliche Körper eine Geschwindigkeit, vermöge deren er

in ~t′′~ nach ~B~ kommen würde, und wirkt auf ihn zugleich die

Schwerkraft, welche ihn in ~t′′~ von ~A~ nach ~C~ bringen würde, so

befindet er sich nach ~t′′~ in ~D~, hat jedoch nicht den geraden Weg

~AD~ gemacht, sondern eine krummlinige Bahn beschrieben.

Wenn auf einen frei beweglichen Körper, der eine Geschwindigkeit hat,

eine Kraft wirkt, welche hiermit einen Winkel bildet, so nennt man die

entstehende Bewegung eine zusammengesetzte.

Der schiefe Wurf ist eine ^zusammengesetzte Bewegung^ und wurde zuerst

von Galilei untersucht.

[Abbildung: Fig. 355.]

Wird ein Körper schräg nach aufwärts geworfen, so beschreibt er

bekanntlich eine ^krummlinige^ Bahn. Die einzelnen Punkte der Bahn kann

man dadurch bestimmen, daß man von jedem Punkte eine vertikale Linie bis

zur Erde (bis zu der durch den Anfangspunkt gelegten Horizontalen)

zieht, und sowohl die Länge dieser Senkrechten, als auch die Entfernung

ihres Fußpunktes vom Anfangspunkte der Bewegung mißt.

Die Bewegung selbst und auch die Geschwindigkeit kann man zweckmäßig in

zwei ^Komponenten^ zerlegen, nach horizontaler und vertikaler Richtung.

Hat der Körper die Anfangsgeschwindigkeit ~a~, so bewegt er sich gerade

so, wie wenn er in horizontaler Richtung eine Geschwindigkeit = ~a cos

α~ und gleichzeitig in vertikaler Richtung eine solche = ~a sin α~

hätte.

Da in horizontaler Richtung die Geschwindigkeit durch die Schwerkraft

nicht beeinflußt wird, so ist ~#vₕ = a cos α#~. In vertikaler Richtung

wird die Geschwindigkeit durch die Schwerkraft vermindert in jeder

Sekunde um ~g~ wie beim senkrechten Wurf; also ist

~#vᵥ = a sin α - g t#~.

Mit der Zeit ~t~ ändert sich demnach auch die Richtung der

Geschwindigkeit. Bezeichnet man sie mit ~β~, so ist

vᵥ a sin α - g t

~tg β = -- = -------------~.

vₕ a cos α

Wird der Zähler = 0, so ist ~tg β~ = 0, also ~β~ = 0, d. h. ^der Körper

läuft horizontal^ in ~H~. Dies ist der Fall, wenn ~a sin α - g t~ = 0,

also nach

a sin α

~t = -------~ Sekunden.

g

Wird ~t~ noch größer, so wird der Zähler und damit auch ~tg β~ negativ,

also ~β~ ^negativ^; ^die Richtung der Bahn geht nach abwärts^. Man nennt

den ersten Teil ~AH~ den ^aufsteigenden^ Ast der Bahn, den andern ~HW~

den ^absteigenden^.

Die krumme Linie, die der geworfene Körper beschreibt, ist eine

^Parabel^, ~AHW~, deren Achse vertikal steht (Galilei).

Die ^wirkliche Größe der Geschwindigkeit^, die er in einem bestimmten

Punkte der Bahn, also nach bestimmter Zeit hat, setzt sich zusammen als

Hypotenuse eines Dreieckes, dessen Katheten ~vᵥ~ und ~vₕ~ sind, also ist

~v = √(vᵥ² + vₕ²)~.

~v = √((a sin α - g t)² + (a² cos² α))~.

Auch dieser Wert wird anfangs kleiner, wenn ~t~ wächst, aber nur so

lange bis ~a sin α - g t = 0~; also nach

a · sin α

~T = ---------~ Sekunden

g

hat er die ^geringste Geschwindigkeit^ in ~H~. Von da an wird ~v~ wieder

größer.

Wir betrachten die ^Wegstrecken^, die er in horizontaler (~sₕ~) und

vertikaler (~sᵥ~) Richtung zurücklegt. In horizontaler Richtung hat er

die unveränderliche Geschwindigkeit ~a · cos α~, legt also in ~t′′~ den

Weg ~#Sₕ = a · cos α · t#~ zurück. (~AB~). In vertikaler Richtung hat er

die Geschwindigkeit ~a sin α~, und legt deshalb den Weg ~a · sin α · t~

zurück nach aufwärts (~AC~); aber die Schwerkraft bewirkt zugleich einen

Weg von ~½ g t²~ nach abwärts (~DE~); also ist der Weg in vertikaler

Richtung gleich der Differenz beider Strecken ~DB - DE = EB~; also ~#Sᵥ

= a · sin α · t - ½ g t²#~.

Wir berechnen, wo sich der Körper befindet, wenn er den höchsten Punkt

erreicht hat, also nach

a sin α

~t = -------~ Sekunden;

g

es ist dann

a sin α a² sin α · cos α

~sₕ = a cos α · ------- = ---------------- = AJ~.

g g

a sin α g a² sin² α

~sᵥ = a sin α · ------- - -----------~ =

g 2 g²

a² sin² α a² sin² α

~--------- - ---------~.

g 2 g

a² sin² α

~#sᵥ = ---------- = Wₕ = JH#~.

2 g

^Die Wurfhöhe ist proportional dem Quadrat der Anfangsgeschwindigkeit^.

Wir berechnen, in welcher horizontalen Entfernung ~AW~ der Körper den

(horizontalen) Boden wieder erreicht. ^Er hat den Boden erreicht, wenn

seine vertikale Entfernung = 0^ ist, also

g t²

~sᵥ = 0 = a sin α t - ----~,

2

also nach

2 a sin α

~t = --------- = 2 T~.

g

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 300 / 340 题