238. Durchgang der Wärmestrahlen.

Sehr eigentümlich verhalten sich die Stoffe beim Durchgange der

Wärmestrahlen. Farblose Stoffe lassen die hellen Wärmestrahlen ebensogut

durch wie die Lichtstrahlen. Wesentlich anders verhalten sie sich aber

gegenüber den dunklen Wärmestrahlen. Nur ^Steinsalz^ läßt auch nahezu

alle dunklen Wärmestrahlen durch: alle anderen ^absorbieren

beträchtliche Mengen der Wärmestrahlen^ und zwar anfangend von den am

wenigsten brechbaren Strahlen; sie verkürzen demnach das Wärmespektrum.

Glas läßt z. B. von den dunklen Wärmestrahlen einer Flamme oder eines

weißglühenden Platindrahtes nur etwa ein Viertel durch, von den dunklen

Wärmestrahlen eines dunklen Körpers von 100° aber gar keine. Noch

weniger dunkle Wärmestrahlen läßt Alaun, Wasser, Eis u. s. w. durch.

Von den farblosen, einfachen Gasen lassen Sauerstoff, Wasserstoff und

Stickstoff nicht bloß alle hellen, sondern auch fast alle dunklen

Wärmestrahlen durch. Zusammengesetzte Gase absorbieren jedoch viel mehr

von den dunklen Wärmestrahlen; z. B. Kohlensäure absorbiert 90 mal so

viel wie die atmosphärische (trockene) Luft, Sumpfgas 403 mal,

ölbildendes Gas 970 mal so viel. Die Absorption in einem Gase ist im

allgemeinen um so bedeutender, je komplizierter seine Zusammensetzung

ist; Wasserdampf absorbiert 60 mal so viel Wärmestrahlen wie eine

gleiche Masse von Sauerstoff- und Wasserstoffgas; Ammoniak 150 mal so

viel wie seine Elemente.

Sehr viel dunkle Wärme absorbiert auch der in der Luft enthaltene

Wasserdampf; sie wird direkt zur Erwärmung der Luft verwendet. Wenn

andrerseits die Gegenstände auf der Erde Wärme ausstrahlen, die ja nur

dunkle Wärme ist, so wird diese zum größten Teil von der

Luftfeuchtigkeit absorbiert, und zwar um so stärker, je feuchter die

Luft ist.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 251 / 340 题