229. Zerstreuung des Lichtes bei Linsen.

Die Brennweite einer Linse ist wesentlich vom Brechungskoeffizienten

abhängig; sie wird kleiner, wenn er größer wird; daraus folgt, daß bei

einer Linse die gelben Lichtstrahlen sich in einem der Linse näheren

Punkte vereinigen als die roten u. s. w., die violetten in einem Punkte,

welcher der Linse am nächsten liegt. Dies bewirkt, daß wir auch durch

die Linse alles mit ^farbigen Rändern^ sehen (starke Lupe); dies stört

viel bei Linsen mit großer Brennweite; z. B. bei einer Linse ist die

Brennweite der roten Strahlen 9,501 _m_, die der violetten 9,148 _m_; im

Brennpunkt der violetten Strahlen haben sich erst die violetten Strahlen

vereinigt, die anderen aber noch nicht; diese gehen großenteils an

diesem Punkte vorbei und bilden auf dem Schirm einen Zerstreuungskreis

von farbigen Ringen, deren äußerster rot ist, und dessen Durchmesser 6

_mm_ beträgt, wenn der Linsendurchmesser 20 _cm_ ist. Ein Stern

erscheint also nicht als scharfer Punkt, sondern als Mittelpunkt eines

verhältnismäßig sehr großen Kreises von farbigen Ringen. Ein solches

Fernrohr wäre vollständig unbrauchbar. Auch das Auge ist mit diesem

Fehler behaftet und hat Farbenzerstreuung; ein Auge, welches für rote

Strahlen auf unendliche Entfernung eingestellt ist, hat im Violett nur

eine Sehweite von ca. 60 _cm_; jedoch ist im weißen Lichte diese

Farbenzerstreuung nicht merklich und nicht störend.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 242 / 340 题