Die Brennweite einer Linse ist wesentlich vom Brechungskoeffizienten
abhängig; sie wird kleiner, wenn er größer wird; daraus folgt, daß bei
einer Linse die gelben Lichtstrahlen sich in einem der Linse näheren
Punkte vereinigen als die roten u. s. w., die violetten in einem Punkte,
welcher der Linse am nächsten liegt. Dies bewirkt, daß wir auch durch
die Linse alles mit ^farbigen Rändern^ sehen (starke Lupe); dies stört
viel bei Linsen mit großer Brennweite; z. B. bei einer Linse ist die
Brennweite der roten Strahlen 9,501 _m_, die der violetten 9,148 _m_; im
Brennpunkt der violetten Strahlen haben sich erst die violetten Strahlen
vereinigt, die anderen aber noch nicht; diese gehen großenteils an
diesem Punkte vorbei und bilden auf dem Schirm einen Zerstreuungskreis
von farbigen Ringen, deren äußerster rot ist, und dessen Durchmesser 6
_mm_ beträgt, wenn der Linsendurchmesser 20 _cm_ ist. Ein Stern
erscheint also nicht als scharfer Punkt, sondern als Mittelpunkt eines
verhältnismäßig sehr großen Kreises von farbigen Ringen. Ein solches
Fernrohr wäre vollständig unbrauchbar. Auch das Auge ist mit diesem
Fehler behaftet und hat Farbenzerstreuung; ein Auge, welches für rote
Strahlen auf unendliche Entfernung eingestellt ist, hat im Violett nur
eine Sehweite von ca. 60 _cm_; jedoch ist im weißen Lichte diese
Farbenzerstreuung nicht merklich und nicht störend.