228. Folgerungen aus der Zerstreuung des Lichtes.

Unter Brechungskoeffizient haben wir verstanden das Verhältnis ~sin i :

sin r~; da aber das Licht bei der Brechung auch zerstreut wird, und

rotes Licht am wenigsten abgelenkt wird, so ist der Brechungswinkel für

rotes Licht größer als für gelbes. Wir erhalten also für die

verschiedenen Farbensorten verschiedene Brechungskoeffizienten.

Z. B. eine bestimmte Glassorte, Crownglas (Kronglas) hat als

Brechungskoeffizient für rote Strahlen 1,526, für violette 1,547.

Die Farbenzerstreuung erklärt, daß, wenn wir durch ein Prisma das durch

den Spalt einfallende Licht oder irgendwelche andere Gegenstände

betrachten, wir sie besonders an den Rändern mit Spektralfarben

eingesäumt sehen.

[Abbildung: Fig. 304.]

Der #Regenbogen# (Erklärung zuerst von Descartes 1637). Einen Regenbogen

können wir sehen, wenn wir die Sonne hinter uns, herabfallende

Regentropfen (eine Regenwand) vor uns haben, und die Sonne auf diese

Regentropfen scheint. Diejenigen Lichtstrahlen, welche uns den

Regenbogen bilden, machen dabei folgenden Weg (Fig. 304). Sonnenstrahlen

dringen etwas seitwärts in den (kugelförmigen) Regentropfen, werden also

gebrochen und etwas zerstreut; sie treffen nun die hintere Wand des

Tropfens und werden dort reflektiert; sie treffen dann die andere

seitwärts liegende Stelle, werden dort nochmals gebrochen und wieder

zerstreut, so daß sie doppelt so stark zerstreut sind. Befindet sich

unser Auge in dem Raume, welchen diese zerstreuten Strahlen einnehmen,

so treffen in unser Auge etwa bloß die grünen Strahlen dieses Spektrums;

wir sehen diesen Regentropfen grün; von Tropfen, die sich weiter

auswärts befinden, sehen wir nur die gelben bis roten, von Tropfen, die

sich weiter nach einwärts befinden, bloß die blauen, violetten Strahlen;

deshalb sehen wir ein Farbenband mit all den Spektralfarben, die man

deshalb auch Regenbogenfarben nennt. Da für alle Regentropfen, die in

bezug auf uns und die Sonne dieselbe Lage haben, dasselbe stattfindet,

solche Regentropfen aber in einem Kreisbogen liegen, so sehen wir den

Regenbogen kreisförmig; sein Mittelpunkt liegt in der Linie, die durch

die Sonne und unser Auge geht. Da die Sonne nicht bloß ein leuchtender

Punkt, sondern ein verhältnismäßig großer Fleck ist, so sind die

Spektralfarben im Regenbogen nicht rein, sondern vielfach ineinander

geschoben, was zur Helligkeit des Regenbogens wesentlich beiträgt.

Häufig sieht man außer dem inneren noch einen weniger hellen, ^äußeren

Regenbogen^, dessen Farben in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind

(rot innen); er entsteht auf ähnliche Weise, nur werden die

Lichtstrahlen im Innern der Tropfen zweimal reflektiert, wodurch sie an

Helligkeit verlieren.

Auch ^Tautropfen^ sieht man, wenn sie von der Sonne beschienen werden,

oft in Farben funkeln; bewegt man das Auge etwas nach rechts und links,

so kann man leicht denselben Tropfen nacheinander in allen prismatischen

Farben funkeln sehen. Auch in der Wolke von Wasserstaub (runden kleinen

Wassertropfen), die sich bei einem Wasserfalle oder einer starken

Fontäne bildet, kann man leicht einen Regenbogen beobachten.

Die hier gegebene Erklärung des Regenbogens ist nicht vollständig; aber

das noch fehlende kann ohne größere mathematische Hilfsmittel nicht

gegeben werden.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 241 / 340 题