[Abbildung: Fig. 305.]
[Abbildung: Fig. 306.]
Man ist imstande, ^Linsen herzustellen, welche das Licht wohl brechen,
aber nicht mehr zerstreuen^. Man findet, daß verschiedene Glassorten das
Licht verschieden stark brechen und auch verschieden stark zerstreuen.
Für optische Apparate sind besonders zwei Glassorten im Gebrauche, das
#Kronglas#, ein Natron-Kalkglas, und das #Flintglas#, ein farbloses
schweres Kali-Bleiglas. Bei einem Prisma von etwa 60° brechendem Winkel
beträgt beim Kronglas die Ablenkung der roten Strahlen 39° 26', die der
violetten 41° 19', also die Zerstreuung (Winkel zwischen den roten und
den violetten Strahlen) 1° 53'; beim Flintglasprisma beträgt die
Ablenkung der roten Strahlen 55° 32', die der violetten 59° 36', die
Zerstreuung also 4° 4'. Es ist demnach die Brechung im Flintglasprisma
nur etwas, die Zerstreuung aber bedeutend größer. Macht man den
brechenden Winkel des Flintglasprismas kleiner (35° 11'), so kann man es
dahin bringen, daß die Ablenkung der roten Strahlen kleiner (28° 30'),
aber doch die Zerstreuung dieselbe (1° 53') ist. ^Ein solches
Flintglasprisma^ (von 35°) ^bricht also die Strahlen weniger als das
Kronglasprisma^ (von 60°), ^zerstreut sie aber noch eben so stark^.
Stellt man nun beide Prismen so nebeneinander, daß ihre brechenden
Kanten nach verschiedenen Richtungen schauen, so daß das Flintglas die
Strahlen nach entgegengesetzter Richtung bricht, so bleibt eine Brechung
von 10° 47' übrig, während die Zerstreuung aufgehoben ist. Es verlassen
also die roten und violetten Strahlen das Prisma unter demselben Winkel,
also parallel, und sind nicht mehr zerstreut; ähnliches gilt, wenn auch
nicht vollständig genau, für die zwischen Rot und Violett liegenden
Strahlen. #Das Licht wird also durch ein solches Prismenpaar wohl noch
abgelenkt, aber nicht mehr zerstreut.# Ein solches Prismenpaar nennt man
ein #achromatisches# (nicht färbendes) Prisma (Fig. 305). Auf ähnliche
Weise wird #die achromatische Linse# (Fig. 306) aus einer #positiven
Kronglaslinse# und einer #negativen Flintglaslinse# von größerer
Brennweite, aber derselben zerstreuenden Kraft hergestellt. Durch die
negative Flintglaslinse wird die Brechung der Kronglaslinse nicht ganz
aufgehoben, so daß das Linsenpaar noch wie eine ^positive Linse wirkt,
aber die Zerstreuung wird fast ganz aufgehoben^. Solche achromatische
Linsen verwendet man bei allen besseren optischen Instrumenten,
Fernrohren, Mikroskopen und photographischen Apparaten.
Vor der Erfindung dieser achromatischen Linsen durch Dollond
(Engländer 1858) konnte man wegen der starken Farbenzerstreuung keine
Fernrohre mit starker Vergrößerung machen. Man gab vordem den
Objektivlinsen sehr große Brennweiten; Toricelli stellte eine her von
10 _m_ Brennweite (noch vorhanden). Huygens verbesserte die
Objektivlinsen und entdeckte den sechsten Saturnmond und den
Saturnring. Campani führte im Auftrage Ludwig ~XIV~. Teleskope aus von
86, 100, 136 Pariser Fuß. Newton, der an der Möglichkeit
achromatischer Linsen verzweifelte, stellte das Spiegelteleskop her
1668 (schon 1664 von Gregory angegeben), das bei viel kürzerer
Rohrlänge viel bessere Bilder erzeugt. Erst ^Fraunhofer^ hat erfunden,
wie man die Glasmassen insbesondere des Flintglases in größeren
Stücken und in der erforderlichen absoluten Reinheit herstellt, und
hat es verstanden, Linsenpaare zu berechnen und herzustellen, die
möglichst gut achromatisch waren, über die bis dahin gebräuchlichen
Größen weit hinaus gingen und auch jetzt noch zu den vorzüglichsten
gehören.
Außer der chromatischen Abweichung leiden größere Linsen auch noch stark
an der ^sphärischen^ Abweichung, welche darin besteht, daß wegen der
rein sphärischen Gestalt der Krümmungsflächen die Randstrahlen nicht
genau in demselben Punkt vereinigt werden wie die Zentralstrahlen. Man
kann (nach Steinheil) bei achromatischen Linsen dafür sorgen, daß diese
Abweichung, wenn nicht ganz beseitigt, so doch möglichst klein gemacht
wird. Eine so konstruierte achromatische Linse heißt eine ^aplanatische^
Linse oder ein ^Aplanat^.