[Abbildung: Fig. 303.]
Wenn man Sonnenlicht durch ein Prisma gehen läßt, so wird es nicht bloß
gebrochen, sondern auch ^zerstreut^. Man läßt im verfinsterten Zimmer
durch einen feinen ^Spalt^ (Fig. 303) Sonnenlicht eintreten und auf ein
Glasprisma fallen, dessen brechende Kante dem Spalte parallel steht. Das
Licht wird gebrochen und kann auf dem Schirme aufgefangen werden und
zeigt dann ein ^farbiges Band^, das #Spektrum#, das stark in die Breite
gezogen ist, während die Länge der des Spaltes noch entspricht.
Das Sonnenlicht ist ein Gemisch ungemein vieler Lichtsorten, die sich
durch Farbe und Brechbarkeit unterscheiden. So enthält Sonnenlicht
zunächst dunkelrotes Licht; es wird am wenigsten gebrochen; deshalb
entsteht auf dem Schirme ein roter Streifen, an Länge und Breite dem
Spalt entsprechend. Diesem fügen sich an Streifen von etwas hellerem
Rot, an Länge und Breite dem Spalt entsprechend, aber nicht an derselben
Stelle wie der erste Streifen, sondern der Breite nach an den ersten
angesetzt; dann kommen Streifen von immer hellerem Rot und immer
größerer Brechbarkeit. Dann kommen orangefarbige Streifen, dann gelbe,
grüne, blaue, tiefblaue (ultramarin), schließlich violette.
Man sagt wohl, daß das Spektrum aus diesen sieben Hauptfarben rot,
orange, gelb etc. bestehe. In Wirklichkeit besteht es aus unzählbar
vielen Farbensorten, von denen zwei benachbarte sich nur sehr wenig
unterscheiden, und die so aufeinander folgen, daß sie den Hauptfarben
nach ineinander übergehen, wie rot in orange etc. Je enger man den Spalt
macht, um so besser werden die einzelnen Farbensorten voneinander
geschieden.
#Das weiße Sonnenlicht ist gemischt aus einer Unzahl verschiedener
Lichtsorten, welche sich durch verschiedene Farbe und Brechbarkeit
unterscheiden und durch ein Prisma getrennt werden können.# (Newton.)
Wenn man durch eine Sammellinse die getrennten Lichtstrahlen wieder
vereinigt, so entsteht wieder ein weißer Streifen. Wenn man in den
Schirm etwa dort, wo die grünen Strahlen sich befinden, einen feinen
Spalt macht, so wird das durchgehende grüne Licht durch ein zweites
Prisma wieder gebrochen, aber nicht mehr zerstreut, höchstens etwas in
die Breite gezogen; denn durch den Spalt gehen mehrere verwandte grüne
Lichtsorten, die bei der zweiten Brechung noch etwas zerstreut werden.
Man nennt daher dieses grüne Licht #einfaches Licht#. Jede Stelle eines
gut entwickelten Spektrums enthält nur einfaches, homogenes Licht.
#Die mit Lichtbrechung stets verbundene Zerlegung des Lichtes in die
einzelnen Farben nennt man Zerstreuung des Lichtes oder Dispersion#; sie
wurde zuerst von Newton genau untersucht.