223. Das galileische oder holländische Fernrohr.

Es wird gewöhnlich als Operngucker, Feldstecher, Jagdfernrohr u. s. w.

gebraucht.[12]

[12] Erfunden vom Brillenmacher Hans Lipperhey in Middelburg (Holland)

1608, verbessert von Galilei.

Es besitzt als #Objektiv# eine #positive Linse von mäßiger Brennweite#,

die ein reelles, verkehrtes, verkleinertes Bild erzeugt; aber bevor das

Bild zustande kommt, wird in den Gang dieser Lichtstrahlen als #Okular

eine negative Linse von kurzer Brennweite# gestellt; diese bricht dann

die einfallenden Lichtstrahlen so, daß ein virtuelles, vergrößertes,

aufrechtes Bild vor ihr entsteht, das man mit dem Auge betrachtet.

[Abbildung: Fig. 298.]

Das Bild kommt auf die in Fig. 286, 4 dargestellte Art zustande. In Fig.

298 ist zuerst dargestellt, wie die durch das Objektiv gebrochenen

Lichtstrahlen auf den Punkt ~B~ hin konvergieren, dann aber durch das

Okular so gebrochen werden, daß sie nun divergieren, wie wenn sie von

~B₁~ herkämen. Hiezu ist notwendig, daß ~B~ noch jenseits des zweiten

Brennpunktes ~F₂~ des Okulars liege. Zur Konstruktion betrachten wir 2

Strahlen, welche vom Objektiv herkommen und nach ~B′~ hin konvergieren.

Der Strahl ~I~ geht parallel der Achse und wird so gebrochen nach ~I′~,

wie wenn er vom ersten Brennpunkte ~F₁~ herkäme; der Strahl ~II~,

welcher durch die Mitte der Linse geht, geht ungebrochen weiter nach

~II′~. Die Strahlen ~I′~ und ~II′~ divergieren, wie wenn sie von dem vor

der Linse liegenden Punkte ~B′₁~ herkämen. Anstatt des verkehrten,

reellen, verkleinerten Bildes ~BB′~ entsteht das aufrechte, virtuelle

vergrößerte Bild ~B₁B′₁~. Liegt dieses jenseits des Nahepunktes, so kann

es vom Auge deutlich gesehen werden.

Dies Fernrohr läßt keine bedeutenden Vergrößerungen zu, ist aber für

Operngucker (2 bis 4 malige Vergr.), Feldstecher (5 bis 8 malige Vergr.)

u. s. w., wegen seiner einfachen Zusammensetzung, der Kürze des Rohres

und der Helligkeit und Größe des Gesichtsfeldes vorzüglich geeignet.

Aufgabe:

#142.# Bei einem Operngucker ist die Brennweite des Objektives = 15

_cm_, die des Okulars = -4 _cm_. Wie weit müssen beide voneinander

entfernt sein, wenn das Bild eines 6 _m_ entfernten Gegenstandes in der

deutlichen Sehweite von 18 _cm_ erscheinen soll?

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 236 / 340 题