[Abbildung: Fig. 299.]
Anstatt des Objektivs ist ein ^großer Hohlspiegel^ (Silberspiegel) am
Grunde des Rohres angebracht. Dieser entwirft von fernen Gegenständen
verkleinerte, reelle, verkehrte Bilder in oder nahe dem Brennpunkte. Aus
denselben Gründen wie bei dem astronomischen Fernrohre macht man den
Hohlspiegel möglichst groß und von sehr großer Brennweite. Man setzt ihn
auch etwas geneigt in den Grund der Röhre, so daß die Bilder nahe an der
Seitenwand der Röhre entstehen; etwas vor diesem Bildpunkte wird ein
^kleiner Planspiegel^ unter einem Winkel von 45° angebracht, der das
Bild durch eine Öffnung der Röhre herauswirft; dort wird es dann mittels
eines Okulars, einer starken Lupe, betrachtet.
Solche Spiegelteleskope stehen den großen astronomischen Fernrohren
weder an Helligkeit noch an Vergrößerung, sondern nur an
Dauerhaftigkeit nach, da der Silberspiegel auch bei sorgfältigster
Behandlung mit der Zeit erblindet. Der berühmte Astronom J. Herschel
hatte sich ein Riesenfernrohr dieser Art hergestellt und machte damit
die großartigen Entdeckungen am Sternhimmel über Mond- und
Planetenoberfläche, Doppelsterne, Nebelflecke etc. zu einer Zeit, in
der man Keplersche Fernrohre von ähnlicher Kraft noch nicht zu machen
verstand. Sein Spiegel hatte einen Durchmesser von 125 _cm_ und eine
Brennweite von 12,5 _m_. Auch heutzutage sind sie noch nicht verdrängt
durch die astronomischen Fernrohre. Ein Keplersches Fernrohr wird auch
^Refraktor^, ein Newtonsches auch ^Reflektor^ genannt.