188. Geschwindigkeit des Lichtes.

Das Licht braucht, wie jede Bewegung, eine gewisse Zeit, um sich von

einem Orte zu einem andern fortzupflanzen. Diese Zeit ist für irdische

Erscheinungen so kurz, daß man sie für gewöhnlich vernachlässigen kann;

in demselben Momente, in welchem der Blitz in der Wolke aufleuchtet,

sehen wir ihn schon; den Blitz der Kanone sieht man im Moment des

Abfeuerns.

[Abbildung: Fig. 238.]

Die Geschwindigkeit des Lichtes wurde zuerst gemessen durch ^Olaf

Römer^, einen dänischen Astronomen, und zwar durch Beobachtung der

^Verfinsterung der Jupitertrabanten^ (1676). Der Planet Jupiter ~J~ wird

von 4 Monden umkreist, vom innersten ~M~ sehr rasch, in 42½ Stunden,

wobei er jedesmal in den Schatten des Jupiter kommt und verfinstert

wird, was von der Erde aus leicht beobachtet werden kann. Die Zeit

zwischen dem Beginne einer Verfinsterung und dem Beginne der nächsten

ist gleich der (synodischen) Umlaufszeit des Trabanten, und sollte

demnach stets dieselbe sein. Nun fand O. Römer: Wenn die Erde in

Konjunktion oder Opposition mit dem Jupiter, also in ~E~ oder ~E₂~

steht, so beträgt diese Zeit 42½ Stunden (ca.), befindet sich aber

Jupiter im Quadranten, also die Erde in ~E₁~ oder ~E₃~, so ist diese

Zeit um 14 Sekunden länger oder kürzer, je nachdem sich die Erde vom

Jupiter weg oder auf ihn zu bewegt. Erklärung: Wenn die Erde sich in ~E~

oder ~E₂~ befindet, so hat sie sich in den 42½ Stunden nahezu parallel

zum Laufe des Jupiter bewegt, also ist ihre Entfernung von ihm nahezu

gleich geblieben. Befindet sich die Erde aber in ~E₁~, so bewegt sie

sich gerade vom Jupiter weg, entfernt sich also in 42½ Stunden um ca.

590 000 geogr. Meilen von ihm. Da nun beim Beginne der zweiten

Verfinsterung das Licht die Erde nicht mehr an demselben Orte, sondern

an einem weiter entfernten Orte trifft, so braucht es eine gewisse Zeit,

um diese 590 000 g. M. zurückzulegen, und um soviel erscheint der

Eintritt der zweiten Verfinsterung verzögert. Diese Verzögerung beträgt

14", also legt das Licht in 14 Sekunden 590 000 g. M. zurück, also in 1"

42 100 g. M. Daß in ~E₃~, wo sich die Erde gerade auf den Jupiter zu

bewegt, die Verfinsterung um 14" verfrüht erscheint, erklärt sich

ähnlich.

Dem französischen Physiker ^Fizeau^ gelang es, die Geschwindigkeit des

Lichtes zu messen, durch Verwendung von verhältnismäßig kurzen

^irdischen^ Entfernungen. Er fand eine Geschwindigkeit von 315 364 _km_

pro 1".

Wegen der großen Geschwindigkeit des Lichtes werden irdische

Entfernungen stets in ungemein kleinen Zeiten durchlaufen. Zu den großen

Entfernungen des Weltraumes braucht es eine entsprechend große Zeit: von

der Sonne zur Erde 8' 11", und bis zum äußersten Planeten Neptun 4 St.

19 M. Bis zum nächsten Fixstern, welcher 223 000 Erdweiten entfernt ist,

braucht das Licht 3 J. 6 M.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 196 / 340 题