Das Licht braucht, wie jede Bewegung, eine gewisse Zeit, um sich von
einem Orte zu einem andern fortzupflanzen. Diese Zeit ist für irdische
Erscheinungen so kurz, daß man sie für gewöhnlich vernachlässigen kann;
in demselben Momente, in welchem der Blitz in der Wolke aufleuchtet,
sehen wir ihn schon; den Blitz der Kanone sieht man im Moment des
Abfeuerns.
[Abbildung: Fig. 238.]
Die Geschwindigkeit des Lichtes wurde zuerst gemessen durch ^Olaf
Römer^, einen dänischen Astronomen, und zwar durch Beobachtung der
^Verfinsterung der Jupitertrabanten^ (1676). Der Planet Jupiter ~J~ wird
von 4 Monden umkreist, vom innersten ~M~ sehr rasch, in 42½ Stunden,
wobei er jedesmal in den Schatten des Jupiter kommt und verfinstert
wird, was von der Erde aus leicht beobachtet werden kann. Die Zeit
zwischen dem Beginne einer Verfinsterung und dem Beginne der nächsten
ist gleich der (synodischen) Umlaufszeit des Trabanten, und sollte
demnach stets dieselbe sein. Nun fand O. Römer: Wenn die Erde in
Konjunktion oder Opposition mit dem Jupiter, also in ~E~ oder ~E₂~
steht, so beträgt diese Zeit 42½ Stunden (ca.), befindet sich aber
Jupiter im Quadranten, also die Erde in ~E₁~ oder ~E₃~, so ist diese
Zeit um 14 Sekunden länger oder kürzer, je nachdem sich die Erde vom
Jupiter weg oder auf ihn zu bewegt. Erklärung: Wenn die Erde sich in ~E~
oder ~E₂~ befindet, so hat sie sich in den 42½ Stunden nahezu parallel
zum Laufe des Jupiter bewegt, also ist ihre Entfernung von ihm nahezu
gleich geblieben. Befindet sich die Erde aber in ~E₁~, so bewegt sie
sich gerade vom Jupiter weg, entfernt sich also in 42½ Stunden um ca.
590 000 geogr. Meilen von ihm. Da nun beim Beginne der zweiten
Verfinsterung das Licht die Erde nicht mehr an demselben Orte, sondern
an einem weiter entfernten Orte trifft, so braucht es eine gewisse Zeit,
um diese 590 000 g. M. zurückzulegen, und um soviel erscheint der
Eintritt der zweiten Verfinsterung verzögert. Diese Verzögerung beträgt
14", also legt das Licht in 14 Sekunden 590 000 g. M. zurück, also in 1"
42 100 g. M. Daß in ~E₃~, wo sich die Erde gerade auf den Jupiter zu
bewegt, die Verfinsterung um 14" verfrüht erscheint, erklärt sich
ähnlich.
Dem französischen Physiker ^Fizeau^ gelang es, die Geschwindigkeit des
Lichtes zu messen, durch Verwendung von verhältnismäßig kurzen
^irdischen^ Entfernungen. Er fand eine Geschwindigkeit von 315 364 _km_
pro 1".
Wegen der großen Geschwindigkeit des Lichtes werden irdische
Entfernungen stets in ungemein kleinen Zeiten durchlaufen. Zu den großen
Entfernungen des Weltraumes braucht es eine entsprechend große Zeit: von
der Sonne zur Erde 8' 11", und bis zum äußersten Planeten Neptun 4 St.
19 M. Bis zum nächsten Fixstern, welcher 223 000 Erdweiten entfernt ist,
braucht das Licht 3 J. 6 M.