Wegen der gradlinigen Fortpflanzung des Lichtes erhält der Raum hinter
einem undurchsichtigen Körper kein Licht vom leuchtenden Körper; ^dieser
lichtleere Raum heißt der Schatten^. Wir befinden uns nachts im
Erdschatten; bei einer Mondsfinsternis tritt der Mond in den
Erdschatten, bei einer Sonnenfinsternis befinden wir uns im
Mondschatten.
Ist der leuchtende Körper ein Punkt, so hat der Schatten die ^Form eines
Kegels^, der vom undurchsichtigen Körper nach rückwärts sich immer mehr
erweitert (Schattenkegel).
[Abbildung: Fig. 235.]
Ist der leuchtende Gegenstand selbst einigermaßen ausgedehnt, so
entsteht außer dem Haupt- oder Kernschatten noch ein Halbschatten, d. h.
ein Raum, in welchem nur ein Teil des Lichtes des leuchtenden
Gegenstandes eindringt.
[Abbildung: Fig. 236.]
In Fig. 236 ist ~SUOS′~ der Kernschatten, welcher rings umgeben ist vom
Halbschatten ~HUS~, ~H′OS′~. Eine Stelle des Halbschattens erhält um so
weniger Licht, je näher sie dem Kernschatten liegt.
[Abbildung: Fig. 237.]
Ist der schattengebende Körper ~UO~ kleiner als der leuchtende
Gegenstand (Fig. 237), so ist der Kernschatten begrenzt, da er sich in
~OSU~ kegelförmig zuspitzt, ist jedoch umgeben von einem sich
kegelförmig erweiternden Halbschatten.
So gibt die Erde, von der Sonne beschienen, einen Kernschatten, der in
eine Spitze ausläuft, also kegelförmig ist (weil ja die Erde kleiner ist
als die Sonne), und einen diesen Kernschatten umgebenden Halbschatten,
der außen noch am meisten Licht enthält und um so dunkler, tiefer wird,
je mehr man sich dem Kernschatten nähert. Bei einer Mondsfinsternis
zeigt der Erdschatten auf dem Monde keine scharfe Grenze, sondern einen
verwaschenen Rand, den Halbschatten.