#Das Licht pflanzt sich in gerader Linie fort.# Trifft es auf einen
Körper, so durchdringt es ihn; dann nennen wir ihn #durchsichtig#, wie
Luft, Wasser, Glas, Diamant etc.; oder es ist nicht imstande, den Körper
zu durchdringen; dann nennen wir den Körper #undurchsichtig# (opak), wie
die Metalle, Steine, Holz etc.
Es gibt weder einen vollständig durchsichtigen, noch einen vollständig
undurchsichtigen Körper. Auch die klarsten Stoffe lassen nicht alles
Licht durchdringen, sondern verschlucken, vernichten (absorbieren) immer
mehr Licht, je tiefer es eindringt. Meerwasser ist stellenweise sehr
klar; aber in Tiefen von 3-400 _m_ dringt kein Sonnenlicht mehr. Es gibt
auch keinen ganz undurchsichtigen Körper; jeder läßt das Licht
wenigstens in geringe Tiefen eindringen. Gold läßt, zu einem sehr dünnen
Blättchen ausgeschlagen, wenigstens etwas (grünliches) Licht hindurch
(Robert Boyle). Körper, die bei mäßiger Dicke etwas Licht durchdringen
lassen, nennt man #durchscheinend# (transparent); solche sind: Fett,
Wachs, Alabaster, weißer Marmor, Milchglas, Achat etc. Bei geringer
Dicke sind solche Körper fast ganz durchsichtig, bei großer Dicke
undurchsichtig.
[Abbildung: Fig. 234.]
Auf der gradlinigen Fortpflanzung des Lichtes beruht die hübsche
Erscheinung in einer Dunkelkammer, einem Zimmer, das man ganz
verfinstert hat. Bringt man in einem Fensterladen eine kleine Öffnung (1
_mm_ weit) an, so dringen von den außenliegenden Gegenständen
Lichtstrahlen in das Zimmer, treffen dort einen Papierschirm oder die
Wand und erzeugen so ein Bild der äußeren Gegenstände. Das Bild ist
verkehrt, lichtschwach, aber deutlich. Durch Vergrößerung der Öffnung
wird das Bild lichtstärker, aber undeutlicher. Sonnenstrahlen, die
zwischen den Blättern eines Baumes zu Boden fallen, erzeugen dort
kreisrunde oder rundlich begrenzte Bilder; bei einer Sonnenfinsternis
dagegen Bilder, die der Form der verfinsterten Sonne entsprechen.