185. Wesen des Lichtes.

#Licht ist eine von einem Körper ausgehende Tätigkeit, welche, wenn sie

in unser Auge gelangt, die Empfindung des Sehens hervorbringt.# Man nahm

früher an, von dem leuchtenden Körper werde ein ungemein feiner Stoff

ausgesandt, ^Lichtstoff^, der nach allen Richtungen hin gradlinig

weiterfliegt und so auch in unser Auge kommt, ^Emissionstheorie^, und

insbesondere Newton (1704) gelang es, durch sie alle damals bekannten

Erscheinungen zu erklären.

Man fand aber später noch einige Erscheinungen, welche sich durch

die Emissionstheorie nicht erklären ließen, und stellte deshalb

eine neue Theorie auf, die ^Undulationstheorie^, ^Wellen-^ oder

^Schwingungstheorie^ (Huyghens 1665, Thomas Young 1802 und Fresnel). Man

nimmt an: Das ganze Weltall ist angefüllt mit einem äußerst feinen

Stoffe, dem ^Äther^; dieser hat kein wahrnehmbares Gewicht, ist so fein,

daß er jeden Körper durchdringt, so daß auch zwischen den Molekülen des

Glases, Wassers etc. Ätherteilchen sind. ^Der Äther ist elastisch^; wenn

ein Ätherteilchen seine Stelle verläßt, so wirkt es ziehend und drückend

auf die benachbarten, so daß diese auch in Bewegung kommen, und nun

ihrerseits wieder ebenso auf ihre Nachbarn einwirken, so daß die

Bewegung eines Ätherteilchens sich auf sämtliche vorhandenen

Ätherteilchen fortpflanzt. #Das Licht besteht in einer wellenförmigen

Bewegung des Äthers.# Ein leuchtender Körper ist imstande, die

Ätherteilchen in schwingende Bewegung zu versetzen, und diese pflanzt

sich nach allen Richtungen hin in geraden Linien auf alle andern

Ätherteilchen fort. ^Eine in Schwingungen befindliche Reihe von

Ätherteilchen oder auch ein ganzes Bündel paralleler Ätherreihen nennt

man einen Lichtstrahl^.

Die Bewegung der Ätherteile ist eine ^transversale^: die Ätherteile

schwingen senkrecht zur Richtung des Lichtstrahles.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 193 / 340 题