Das Ohr hat außen die #Ohrmuschel#, welche wie ein Hörrohr zum Auffangen
der Schallschwingungen dient; sie setzt sich fort in den #äußeren
Gehörgang#, der am Ende durch eine elastische Membran, das
#Trommelfell#, geschlossen ist; da dieses stets gespannt ist, so wird es
durch die Schwingungen der Luft in entsprechende Schwingungen versetzt.
Hinter dem Trommelfell ist die #Paukenhöhle#, die mit Luft gefüllt ist
und durch die ^Eustachische Röhre^, die in die Rachenhöhle mündet, mit
der äußern Luft in Verbindung steht. In der Paukenhöhle sind die vier
#Gehörknöchelchen#: der ^Hammer^ ist mit dem Stiel am Trommelfell
angewachsen und liegt mit dem dicken Ende auf dem Amboß; der ^Amboß^ ist
mit einem Fortsatz am Kopfknochen (Felsenbein) angewachsen, berührt mit
dem andern Ende das kleine ^Linsenbein^ und dies berührt den
^Steigbügel^; letzterer ist mit seiner breiten Fläche am ^ovalen
Fensterchen^ angewachsen; das ist eine Membran, welche dem Trommelfell
gegenüberliegt und den Eingang bildet zum letzten Teile des Ohres, dem
#Labyrinthe#. Durch die Gehörknöchelchen wird die Schwingung des
Trommelfelles auf das ovale Fensterchen übertragen und gelangt so in das
Labyrinth. Das Labyrinth besteht aus mehreren Gängen im Knochen, ist mit
einer wäßrigen Flüssigkeit angefüllt, und in ihm verbreiten und
verteilen sich die Fasern des vom Gehirn kommenden #Gehörnerves#. Im
Labyrinth befinden sich drei #kreisförmige Bogengänge#, deren Ebenen
nahezu aufeinander senkrecht stehen, und deren Bedeutung noch wenig klar
ist, ferner die #Schnecke#. Diese ist ein schneckenförmiger Gang, in
welchem kleine #Stäbchen# (die Cortischen Fasern) wie die Stufen einer
Wendeltreppe übereinander liegen: die untersten sind die längsten und
dicksten; nach oben werden sie immer kürzer und dünner; sie sind von
Nervenfasern durchzogen. Man glaubt nun, daß diese Fasern für
Schwingungen von verschiedener Schwingungszahl eingerichtet sind, so daß
jede nur dann mitschwingt, wenn ein Ton ankommt, der dieselbe
Schwingungszahl hat; dadurch wird dann das in dem Stäbchen liegende
Nervenende gereizt und so der Ton empfunden.
Da nun die meisten Töne mit Obertönen vermischt sind, so muß man
annehmen, daß nicht bloß diejenigen Fasern mitschwingen, welche dem
Grundtone, sondern auch diejenigen, welche den Obertönen entsprechen.
Daß das möglich ist, ersieht man, wenn man in ein Klavier einen Vokal
~a~, oder ~e~ singt; man hört dann nicht bloß einen Ton von gleicher
Höhe aus dem Klavier wiederklingen, sondern der Ton hat den Klang des
Vokales ~a~ oder ~e~. Da nun die Klangfarbe dadurch entsteht, daß dem
Grundtone gewisse Obertöne beigemischt sind, so muß man annehmen, daß im
Klavier auch alle die Saiten mitschwingen, welche den vorhandenen
Obertönen entsprechen. Ebenso schwingen von den Gehörfasern in der
Schnecke auch alle diejenigen mit, welche den vorhandenen Obertönen
entsprechen. Da die Anzahl der Corti’schen Fasern sehr groß ist, ca.
3000, so ist die Möglichkeit vorhanden, daß bei dem bekannten Umfange
der wahrnehmbaren Töne (ca. 10 Oktaven = 120 halbe Töne) jeder Ton mit
all seinen Obertönen durch Mitschwingen von entsprechenden Fasern im
Ohre nachgebildet und so empfunden wird.
Wenn unser Ohr eine große Anzahl verschiedener Töne, etwa eine
Orchestermusik aufnimmt, so gelangt nur die Resultierende all dieser
Wellenbewegungen durch die Gehörknöchelchen ins Labyrinth. Daß dort die
Resultierende wieder in ihre einzelnen Komponenten, die einzelnen Töne,
zerlegt wird, ja daß jeder solche Ton selbst wieder in seine Obertöne
zerlegt, einzeln von den Corti’schen Fasern aufgenommen und doch wieder
vereinigt dem Bewußtsein zugeführt wird, daß wir nach Klang, Höhe,
Stärke und auch nach Richtung jeden einzelnen Ton wahrnehmen, daß wir
von zwei Sängern, welche denselben Ton singen, jedes einzelnen Stimme
erkennen: all das würde wohl auch dann noch unser höchstes Staunen
erregen, wenn wir genauer wüßten, wie es dabei zugeht.
Zehnter Abschnitt.
Optik.