184. Das Ohr.

Das Ohr hat außen die #Ohrmuschel#, welche wie ein Hörrohr zum Auffangen

der Schallschwingungen dient; sie setzt sich fort in den #äußeren

Gehörgang#, der am Ende durch eine elastische Membran, das

#Trommelfell#, geschlossen ist; da dieses stets gespannt ist, so wird es

durch die Schwingungen der Luft in entsprechende Schwingungen versetzt.

Hinter dem Trommelfell ist die #Paukenhöhle#, die mit Luft gefüllt ist

und durch die ^Eustachische Röhre^, die in die Rachenhöhle mündet, mit

der äußern Luft in Verbindung steht. In der Paukenhöhle sind die vier

#Gehörknöchelchen#: der ^Hammer^ ist mit dem Stiel am Trommelfell

angewachsen und liegt mit dem dicken Ende auf dem Amboß; der ^Amboß^ ist

mit einem Fortsatz am Kopfknochen (Felsenbein) angewachsen, berührt mit

dem andern Ende das kleine ^Linsenbein^ und dies berührt den

^Steigbügel^; letzterer ist mit seiner breiten Fläche am ^ovalen

Fensterchen^ angewachsen; das ist eine Membran, welche dem Trommelfell

gegenüberliegt und den Eingang bildet zum letzten Teile des Ohres, dem

#Labyrinthe#. Durch die Gehörknöchelchen wird die Schwingung des

Trommelfelles auf das ovale Fensterchen übertragen und gelangt so in das

Labyrinth. Das Labyrinth besteht aus mehreren Gängen im Knochen, ist mit

einer wäßrigen Flüssigkeit angefüllt, und in ihm verbreiten und

verteilen sich die Fasern des vom Gehirn kommenden #Gehörnerves#. Im

Labyrinth befinden sich drei #kreisförmige Bogengänge#, deren Ebenen

nahezu aufeinander senkrecht stehen, und deren Bedeutung noch wenig klar

ist, ferner die #Schnecke#. Diese ist ein schneckenförmiger Gang, in

welchem kleine #Stäbchen# (die Cortischen Fasern) wie die Stufen einer

Wendeltreppe übereinander liegen: die untersten sind die längsten und

dicksten; nach oben werden sie immer kürzer und dünner; sie sind von

Nervenfasern durchzogen. Man glaubt nun, daß diese Fasern für

Schwingungen von verschiedener Schwingungszahl eingerichtet sind, so daß

jede nur dann mitschwingt, wenn ein Ton ankommt, der dieselbe

Schwingungszahl hat; dadurch wird dann das in dem Stäbchen liegende

Nervenende gereizt und so der Ton empfunden.

Da nun die meisten Töne mit Obertönen vermischt sind, so muß man

annehmen, daß nicht bloß diejenigen Fasern mitschwingen, welche dem

Grundtone, sondern auch diejenigen, welche den Obertönen entsprechen.

Daß das möglich ist, ersieht man, wenn man in ein Klavier einen Vokal

~a~, oder ~e~ singt; man hört dann nicht bloß einen Ton von gleicher

Höhe aus dem Klavier wiederklingen, sondern der Ton hat den Klang des

Vokales ~a~ oder ~e~. Da nun die Klangfarbe dadurch entsteht, daß dem

Grundtone gewisse Obertöne beigemischt sind, so muß man annehmen, daß im

Klavier auch alle die Saiten mitschwingen, welche den vorhandenen

Obertönen entsprechen. Ebenso schwingen von den Gehörfasern in der

Schnecke auch alle diejenigen mit, welche den vorhandenen Obertönen

entsprechen. Da die Anzahl der Corti’schen Fasern sehr groß ist, ca.

3000, so ist die Möglichkeit vorhanden, daß bei dem bekannten Umfange

der wahrnehmbaren Töne (ca. 10 Oktaven = 120 halbe Töne) jeder Ton mit

all seinen Obertönen durch Mitschwingen von entsprechenden Fasern im

Ohre nachgebildet und so empfunden wird.

Wenn unser Ohr eine große Anzahl verschiedener Töne, etwa eine

Orchestermusik aufnimmt, so gelangt nur die Resultierende all dieser

Wellenbewegungen durch die Gehörknöchelchen ins Labyrinth. Daß dort die

Resultierende wieder in ihre einzelnen Komponenten, die einzelnen Töne,

zerlegt wird, ja daß jeder solche Ton selbst wieder in seine Obertöne

zerlegt, einzeln von den Corti’schen Fasern aufgenommen und doch wieder

vereinigt dem Bewußtsein zugeführt wird, daß wir nach Klang, Höhe,

Stärke und auch nach Richtung jeden einzelnen Ton wahrnehmen, daß wir

von zwei Sängern, welche denselben Ton singen, jedes einzelnen Stimme

erkennen: all das würde wohl auch dann noch unser höchstes Staunen

erregen, wenn wir genauer wüßten, wie es dabei zugeht.

Zehnter Abschnitt.

Optik.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 192 / 340 题