183. Die menschliche Sprache.

Der Ton der menschlichen Sprache wird hervorgebracht im Kehlkopfe, einem

knorpeligen Ansatz am oberen Ende der Luftröhre. Er ist durch zwei

elastische Membranen, die #Stimmbänder# oder #Stimmlippen#, verschlossen

bis auf einen schmalen Spalt, die #Stimmritze#. Gewöhnlich sind die

Stimmbänder nicht gespannt, sondern schlaff und gewähren der Luft beim

Atmen freien Durchgang. Beim Sprechen werden durch Muskeln des

Kehlkopfes die Stimmbänder angespannt, die Stimmritze schließt sich bis

auf einen schmalen Spalt und #die durchgehende Luft setzt die

Stimmbänder in schwingende Bewegung#. ^Dadurch kommt die Luft selbst in

Schwingungen^ und erzeugt so den Ton. Die Stimmbänder schwingen

alternierend; je stärker sie gespannt werden, um so höher wird der Ton.

Vor dem Kehlkopf bis zur freien Luft befindet sich noch die Rachenhöhle

und die Mundhöhle; beide bilden ^ein eigentümlich geformtes Ansatzrohr^,

dem durch die verschiedene Lage der Zunge, Wangen, Zähne und Lippen die

verschiedenartigste Form gegeben werden kann. Dies beeinflußt nicht die

Tonhöhe, denn diese wird nur durch die Spannung der Stimmbänder

hervorgebracht, wohl aber ^die Tonfarbe, den Klang des Tones^, und

bildet so die Sprache. Es bilden sich nämlich je nach dieser

verschiedenartigen ^Mundstellung^ Obertöne, die nach Art, Höhe und

Stärke verschieden sind, sich dem Grundton beimischen und so dessen

Klang verändern. Zwei verschiedene Vokale, z. B. ~a~ und ~e~, in

derselben Tonhöhe gesprochen oder gesungen, unterscheiden sich nur durch

die verschiedene Art, Höhe, Anzahl und Stärke der demselben Grundton

beigemischten Obertöne. Bei manchen Vokalen ist es (Helmholtz) sogar

gelungen, die wichtigsten dieser Obertöne zu finden. Gleich hohe Töne

verschiedener Instrumente z. B. Geige, Flöte, Horn, Trompete u. s. w.,

die ja das Ohr als ^gleich hohe^ anerkennt, aber doch als ^verschieden

klingende^ empfindet, unterscheiden sich nur durch die verschiedene

Anzahl, Art und Stärke der beigemischten Obertöne.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 191 / 340 题