166. Form der Wellen.

Die einzelnen Wasserteilchen machen auf- und abgehende Bewegungen oder

Schwingungen. Wenn sich also die ringförmigen Wälle nach auswärts weiter

bewegen, so geschieht dies nicht dadurch, daß die in den Wellen

enthaltene Wassermenge sich nach auswärts bewegt und so gleichsam über

den ruhigen Wasserspiegel hingleitet, sondern nur dadurch, daß die

Wasserteilchen auf und ab schwingen, weshalb auch kleine auf dem Wasser

schwimmende Gegenstände von der Welle nicht nach auswärts fortgeschoben

werden, sondern nur an der auf- und abwärts gehenden Bewegung

teilnehmen.

^Gestalt der Oberfläche der Wasserwelle^: derjenige Teil, in welchem die

Wasserteilchen über der natürlichen Gleichgewichtslage sich befinden,

heißt ein #Wellenberg#, derjenige, in welchem sie sich unterhalb

befinden, ein #Wellental#; ein Berg und ein benachbartes Tal bilden eine

Welle und ihre Länge heißt eine #Wellenlänge#.

[Abbildung: Fig. 216.]

Die Form einer einfachen Welle ist aus Fig. 216 ersichtlich.

Wenn sich die Welle in der Richtung von ~B~ nach ~A~ fortpflanzt, so

sind die Punkte ~E~ und ~D~ momentan in Ruhe, die Punkte ~C~, ~B~ und

~A~ haben eben ihre größte Geschwindigkeit, ~A~ und ~B~ nach aufwärts

und ~C~ nach abwärts; die dazwischen liegenden Punkte haben um so

geringere Geschwindigkeiten, je näher sie an ~E~ resp. ~D~ liegen, und

zwar bewegen sich die Punkte zwischen ~B~ und ~E~ nach aufwärts,

zwischen ~E~ und ~D~ nach abwärts und zwischen ~D~ und ~A~ nach

aufwärts, und auch die zunächst vor ~A~ liegenden Teile werden, wenn sie

noch ruhig sind, in die aufwärts gehende Bewegung eingezogen. Macht

jedes Teilchen eine dieser Angabe entsprechende kleine Bewegung, so ist

die neue Form der Welle ~B′E′C′D′A′~. Es hat sich somit Berg und Tal in

der Richtung der Fortpflanzung der Welle etwas vorwärts verschoben.

[Abbildung: Fig. 217.]

In Fig. 217 ist angedeutet, wie sich eine in ~A~ ankommende

Wellenbewegung nach rechts fortsetzt. Während in ~I~ ~A~ sich zum Gipfel

des Berges erhebt, erheben sich nach und nach die vor ihm liegenden

Teile bis ~B~ und bilden einen halben Berg, die erste Viertelwelle.

Während in ~II~ von ~B~ aus dieselbe Bewegung sich nach ~C~ fortpflanzt,

steigen nach und nach die zwischen ~A~ und ~B~ liegenden Teile bis zum

Kamm des Berges, und sinken dann entsprechend herab, so daß der Kamm von

~A~ nach ~B~ fortgerückt ist. Während auf diese Weise in ~III~ der Berg

~AC~ fortrückt, sinken die Teile zwischen ~A~ und ~B~ nach abwärts, so

daß die erste Talhälfte entsteht, und während in ~IV~ dieser Teil sich

ebenso fortpflanzt, rückt zwischen ~A~ und ~B~ der Grund des Tales von

~A~ nach ~B~ fort, indem ein Teilchen nach dem andern zum Grund des

Tales hinabrückt und dann wieder entsprechend nach aufwärts geht.

Während dieser Zeit hat einerseits der Punkt ~A~ eine vollständige

Schwingung gemacht, andererseits die Welle sich gerade um ihre Länge

~AE~ fortgepflanzt: #während der Schwingungsdauer eines Teilchens

pflanzt sich die Welle um ihre eigene Länge fort#.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 171 / 340 题