165. Entstehung der Wellen.

Eine eigentümliche Art von Bewegung und Fortpflanzung derselben ist die

^wellenförmige Bewegung^, wie sie etwa im Wasser entsteht, wenn man

einen Stein hineinwirft. Im ruhigen Wasser ist die Oberfläche eben und

horizontal, und die Wasserteilchen sind im ^Gleichgewichte^, weil sie

von allen Seiten ^gleich stark gedrückt werden^.

Durch Hineinwerfen des Steines wird das ^Gleichgewicht gestört^; denn

der Stein schiebt die Wasserteilchen beiseite, so daß sie einen

ringförmigen Wall bilden, und an der getroffenen Stelle selbst eine

Vertiefung entsteht. Dadurch ist das Gleichgewicht gestört; an der

erhöhten Stelle gehen die Wasserteilchen nach abwärts und an der

vertieften werden sie durch den Überdruck der höher liegenden Teile nach

aufwärts gedrückt.

Diese beiden Bewegungen setzen sich aber nicht bloß bis zur natürlichen

Gleichgewichtslage fort, sondern noch darüber hinaus wegen des

Beharrungsvermögens.

Dadurch, daß die Wasserteilchen an den erhöhten Stellen herabsinken,

drücken sie auf die benachbarten und heben diese nach aufwärts; während

also der eine Wall nach abwärts sich bewegt und eine Vertiefung bildet,

entsteht rings um ihn ein anderer, etwas weiterer, erhöhter Wall. Es hat

sich somit das Gleichgewicht noch nicht hergestellt; denn es sind nun

andere Wasserteile einerseits oberhalb, andrerseits unterhalb der

natürlichen Gleichgewichtslage, daher entsteht derselbe Vorgang wieder;

der Wall sinkt nach abwärts, die vertieften Teile werden nach aufwärts

gehoben, und rings um den äußeren herabsinkenden Wall entsteht ein neuer

Wall und so geht es fort. Wir sehen so, daß der ringförmige Wall sich

immer weiter ausdehnt, daß neue ringförmige Erhebungen folgen, daß das

einmal gestörte Gleichgewicht sich auf immer andere und andere Stellen

überträgt. Bei zunehmender Ausbreitung werden die Wälle immer niedriger,

bis sie der Wahrnehmung entgehen.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 170 / 340 题