158. Verwandlung von Elektrizität in mechanische Kraft.

[Abbildung: Fig. 207.]

Bald nach Erfindung des Elektromagnetes versuchte man, dessen große

Kraft zur Hervorrufung von Bewegung zu verwenden, nannte solche

Maschinen ^elektromagnetische Kraftmaschinen oder elektrische Motoren^

und konstruierte mehrere Arten.

[Abbildung: Fig. 208.]

Bei den einfachsten befindet sich vor den Polen des Elektromagnetes

ein Anker von weichem Eisen, der beweglich aufgestellt ist, vom

Elektromagnete angezogen wird, und diese Bewegung einem Schwungrade

mitteilt. Hat der Anker die Pole erreicht, so wird der Strom

unterbrochen, und das Schwungrad zieht den Anker wieder von den

unmagnetischen Polen weg. Nun wird der Strom wieder geschlossen, und

es beginnt dasselbe Spiel.

Oder man nahm einen kräftigen Hufeisenmagnet, stellte ihn vertikal,

und brachte zwischen die Pole einen stabförmigen Elektromagnet ~E~,

der um eine vertikale Achse leicht drehbar aufgestellt wurde. Der

Strom wird so eingeleitet, daß die Pole des Elektromagnetes

gleichnamig sind den Polen des Stahlmagnetes; deshalb werden sie

abgestoßen, der Elektromagnet dreht sich und wird nun von den anderen

Polen angezogen; sobald die Pole des Elektromagnetes an die

ungleichnamigen Pole des Stahlmagnetes gekommen sind, bewirkt ein

einfacher Kommutator ~K~ (Halbscheiben mit Kontaktfedern, wie beim

Siemens-Induktor), daß der Strom nun in entgegengesetzter Richtung den

Elektromagnet durchfließt, also seine Pole umkehrt; er wird deshalb

von den Polen des Stahlmagnetes wieder abgestoßen, macht die zweite

halbe Drehung, und so geht es fort.

Man ersetzte den Stahlmagnet durch einen kräftigen Elektromagnet und

erzielte noch kräftigere Wirkungen. Man brachte anstatt zweier

Elektromagnetpole deren mehrere in einem Kreise an, und brachte ebenso

auf der Achse eine gleiche Anzahl von Elektromagnetpolen an, sorgte

ebenso dafür, daß die Pole sich abstoßen und die Ströme zur rechten

Zeit gewechselt wurden.

Den Strom nahm man aus einer Batterie, konnte leicht eine umdrehende

Bewegung hervorbringen und damit eine Arbeitsmaschine treiben. So war

Jakobi in Petersburg (1849) imstande, mittels seines elektrischen

Motors ein Boot auf der Newa zu bewegen. Man hoffte, durch praktische

Einrichtung der Motoren es dahin zu bringen, daß die erzeugte Arbeit

billiger würde als die der Dampfmaschinen. Doch war das nicht zu

erreichen; denn die galvanischen Batterien verbrauchen ein viel zu

teures Material (Zink, Schwefelsäure u. s. w.), so daß sie, wenn man

auch die elektrische Kraft sehr gut ausnützt, doch nur weniger Arbeit

liefern als für dasselbe Geld die Dampfmaschine, trotzdem sie ihr

Brennmaterial sehr schlecht ausnützt (Liebig).

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 163 / 340 题