[Abbildung: Fig. 207.]
Bald nach Erfindung des Elektromagnetes versuchte man, dessen große
Kraft zur Hervorrufung von Bewegung zu verwenden, nannte solche
Maschinen ^elektromagnetische Kraftmaschinen oder elektrische Motoren^
und konstruierte mehrere Arten.
[Abbildung: Fig. 208.]
Bei den einfachsten befindet sich vor den Polen des Elektromagnetes
ein Anker von weichem Eisen, der beweglich aufgestellt ist, vom
Elektromagnete angezogen wird, und diese Bewegung einem Schwungrade
mitteilt. Hat der Anker die Pole erreicht, so wird der Strom
unterbrochen, und das Schwungrad zieht den Anker wieder von den
unmagnetischen Polen weg. Nun wird der Strom wieder geschlossen, und
es beginnt dasselbe Spiel.
Oder man nahm einen kräftigen Hufeisenmagnet, stellte ihn vertikal,
und brachte zwischen die Pole einen stabförmigen Elektromagnet ~E~,
der um eine vertikale Achse leicht drehbar aufgestellt wurde. Der
Strom wird so eingeleitet, daß die Pole des Elektromagnetes
gleichnamig sind den Polen des Stahlmagnetes; deshalb werden sie
abgestoßen, der Elektromagnet dreht sich und wird nun von den anderen
Polen angezogen; sobald die Pole des Elektromagnetes an die
ungleichnamigen Pole des Stahlmagnetes gekommen sind, bewirkt ein
einfacher Kommutator ~K~ (Halbscheiben mit Kontaktfedern, wie beim
Siemens-Induktor), daß der Strom nun in entgegengesetzter Richtung den
Elektromagnet durchfließt, also seine Pole umkehrt; er wird deshalb
von den Polen des Stahlmagnetes wieder abgestoßen, macht die zweite
halbe Drehung, und so geht es fort.
Man ersetzte den Stahlmagnet durch einen kräftigen Elektromagnet und
erzielte noch kräftigere Wirkungen. Man brachte anstatt zweier
Elektromagnetpole deren mehrere in einem Kreise an, und brachte ebenso
auf der Achse eine gleiche Anzahl von Elektromagnetpolen an, sorgte
ebenso dafür, daß die Pole sich abstoßen und die Ströme zur rechten
Zeit gewechselt wurden.
Den Strom nahm man aus einer Batterie, konnte leicht eine umdrehende
Bewegung hervorbringen und damit eine Arbeitsmaschine treiben. So war
Jakobi in Petersburg (1849) imstande, mittels seines elektrischen
Motors ein Boot auf der Newa zu bewegen. Man hoffte, durch praktische
Einrichtung der Motoren es dahin zu bringen, daß die erzeugte Arbeit
billiger würde als die der Dampfmaschinen. Doch war das nicht zu
erreichen; denn die galvanischen Batterien verbrauchen ein viel zu
teures Material (Zink, Schwefelsäure u. s. w.), so daß sie, wenn man
auch die elektrische Kraft sehr gut ausnützt, doch nur weniger Arbeit
liefern als für dasselbe Geld die Dampfmaschine, trotzdem sie ihr
Brennmaterial sehr schlecht ausnützt (Liebig).