Die Stärke des bei magnetelektrischen Maschinen induzierten Stromes
hängt ab von der #Anzahl der Windungen# und der #Geschwindigkeit der
Umdrehung#, und zwar ist die ^elektromotorische Kraft des Stromes jeder
dieser Ursachen nahezu direkt proportional^. Sie ist aber auch
proportional der ^Stärke des verwendeten Magnetes^. Man ersetzt deshalb
den Stahlmagnet der magnetelektrischen Maschine durch den kräftigeren
Elektromagnet.
[Abbildung: Fig. 198.]
Um aber den Elektromagnet magnetisch zu machen, dazu hat man einen Strom
nötig; diesen durch eine Batterie zu erzeugen, ist teuer und
umständlich. ~Dr.~ Werner Siemens verdankt man den glücklichen
Gedanken, den durch die Umdrehung der Induktionsspule erhaltenen
gleichgerichteten Strom sogleich auch dazu zu verwenden, um den
Elektromagnet zu speisen. Man nimmt also eine Siemens’sche Spule, steckt
sie zwischen die Pole eines großen Elektromagnetes, dessen Eisenkerne
entsprechend der Länge der Spule, breite Eisenplatten sind, leitet von
der einen Schleiffeder der Spule den Draht in die Windungen des
Elektromagnetes und verbindet deren Ende mit der anderen Schleiffeder.
Läßt man, nachdem der Apparat so konstruiert ist, einen Batteriestrom
durch den Elektromagnet gehen, so wird er magnetisch; entfernt man den
Batteriestrom, so behalten die Eisenkerne einen kleinen Rest
Magnetismus, den #remanenten Magnetismus#. Dieser genügt, um fernerhin
die #Selbsterregung# der Maschine zu veranlassen; denn schon bei der
^ersten^ Umdrehung induziert der remanente Magnetismus einen wenn auch
^schwachen^ Strom; dieser wird durch den Kommutator gleichgerichtet und
durchläuft den Elektromagnet und zwar so, daß er den vorhandenen
remanenten Magnetismus ^verstärkt^. Bei der zweiten Umdrehung erregt der
nun ^stärkere^ Elektromagnet einen ^stärkeren^ Strom, der auch wieder
durch den Elektromagnet läuft und diesen ^verstärkt^. So geht es nun
fort, #Strom und Elektromagnet verstärken sich gegenseitig und die
Maschine erregt sich durch fortgesetzte Multiplikation des anfangs
vorhandenen schwachen Magnetismus#. Hört man auf zu drehen, so
verschwindet der Strom und damit der Magnetismus; aber es bleibt eine
Spur Magnetismus zurück, genügend, um beim Wiederbeginn des Umdrehens
die ^Selbsterregung^ der Maschine wieder einzuleiten. Die Maschine
erregt sich hiebei sehr rasch, so daß wenige Umdrehungen genügen, um sie
in volle Tätigkeit zu setzen. Die Stärke des Stromes und des
Elektromagnetes wachsen bis zu einer Grenze, welche dem
#Sättigungsgrade# des Magnetes entspricht.
Diese Maschinen sind deshalb besonders interessant, weil sie zuerst
keinen Strom und auch keinen, wenigstens keinen beträchtlichen
Magnetismus haben, sondern bloß aus totem Material bestehen
(Kupferdrähte und Eisenstücke), das nicht verbraucht wird, und daß sie
doch ungemein viel Energie elektrischer und magnetischer Art liefern.
Diese Energie, welche insbesondere im elektrischen Strom liegt, bekommt
man aber ^nicht umsonst^, sondern man erhält sie nur ^dadurch, daß man
Kraft aufwendet, um die Spule umzutreiben^; weil mittels dieser Maschine
die mechanische Arbeit verwandelt wird in Elektrizität, so nennt man sie
#dynamoelektrische# Maschine (Dynamis = Kraft) oder bloß
#Dynamomaschine#, oder #Dynamo#. #Sie erregt sich selbst, und wirkt nach
dem dynamischen Prinzip.#