152. Die dynamoelektrische Maschine.

Die Stärke des bei magnetelektrischen Maschinen induzierten Stromes

hängt ab von der #Anzahl der Windungen# und der #Geschwindigkeit der

Umdrehung#, und zwar ist die ^elektromotorische Kraft des Stromes jeder

dieser Ursachen nahezu direkt proportional^. Sie ist aber auch

proportional der ^Stärke des verwendeten Magnetes^. Man ersetzt deshalb

den Stahlmagnet der magnetelektrischen Maschine durch den kräftigeren

Elektromagnet.

[Abbildung: Fig. 198.]

Um aber den Elektromagnet magnetisch zu machen, dazu hat man einen Strom

nötig; diesen durch eine Batterie zu erzeugen, ist teuer und

umständlich. ~Dr.~ Werner Siemens verdankt man den glücklichen

Gedanken, den durch die Umdrehung der Induktionsspule erhaltenen

gleichgerichteten Strom sogleich auch dazu zu verwenden, um den

Elektromagnet zu speisen. Man nimmt also eine Siemens’sche Spule, steckt

sie zwischen die Pole eines großen Elektromagnetes, dessen Eisenkerne

entsprechend der Länge der Spule, breite Eisenplatten sind, leitet von

der einen Schleiffeder der Spule den Draht in die Windungen des

Elektromagnetes und verbindet deren Ende mit der anderen Schleiffeder.

Läßt man, nachdem der Apparat so konstruiert ist, einen Batteriestrom

durch den Elektromagnet gehen, so wird er magnetisch; entfernt man den

Batteriestrom, so behalten die Eisenkerne einen kleinen Rest

Magnetismus, den #remanenten Magnetismus#. Dieser genügt, um fernerhin

die #Selbsterregung# der Maschine zu veranlassen; denn schon bei der

^ersten^ Umdrehung induziert der remanente Magnetismus einen wenn auch

^schwachen^ Strom; dieser wird durch den Kommutator gleichgerichtet und

durchläuft den Elektromagnet und zwar so, daß er den vorhandenen

remanenten Magnetismus ^verstärkt^. Bei der zweiten Umdrehung erregt der

nun ^stärkere^ Elektromagnet einen ^stärkeren^ Strom, der auch wieder

durch den Elektromagnet läuft und diesen ^verstärkt^. So geht es nun

fort, #Strom und Elektromagnet verstärken sich gegenseitig und die

Maschine erregt sich durch fortgesetzte Multiplikation des anfangs

vorhandenen schwachen Magnetismus#. Hört man auf zu drehen, so

verschwindet der Strom und damit der Magnetismus; aber es bleibt eine

Spur Magnetismus zurück, genügend, um beim Wiederbeginn des Umdrehens

die ^Selbsterregung^ der Maschine wieder einzuleiten. Die Maschine

erregt sich hiebei sehr rasch, so daß wenige Umdrehungen genügen, um sie

in volle Tätigkeit zu setzen. Die Stärke des Stromes und des

Elektromagnetes wachsen bis zu einer Grenze, welche dem

#Sättigungsgrade# des Magnetes entspricht.

Diese Maschinen sind deshalb besonders interessant, weil sie zuerst

keinen Strom und auch keinen, wenigstens keinen beträchtlichen

Magnetismus haben, sondern bloß aus totem Material bestehen

(Kupferdrähte und Eisenstücke), das nicht verbraucht wird, und daß sie

doch ungemein viel Energie elektrischer und magnetischer Art liefern.

Diese Energie, welche insbesondere im elektrischen Strom liegt, bekommt

man aber ^nicht umsonst^, sondern man erhält sie nur ^dadurch, daß man

Kraft aufwendet, um die Spule umzutreiben^; weil mittels dieser Maschine

die mechanische Arbeit verwandelt wird in Elektrizität, so nennt man sie

#dynamoelektrische# Maschine (Dynamis = Kraft) oder bloß

#Dynamomaschine#, oder #Dynamo#. #Sie erregt sich selbst, und wirkt nach

dem dynamischen Prinzip.#

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 157 / 340 题