Der magnetelektrische Induktionsapparat hat einen #kräftigen
Stahlmagnet# von Hufeisenform, vor dessen Polen sich zwei
#Induktionsspulen ~J~# mit Eisenkernen befinden. Die Induktionsspulen
sind auf einer ^drehbaren Achse^ so befestigt, daß sie sich beim Drehen
der Achse von einem Pole des Magnetes zum andern Pole hinbewegen, also
einen #Polwechsel# ausführen. Dadurch entstehen Induktionsströme, welche
dadurch verstärkt werden, daß die Eisenkerne die magnetischen
Kraftlinien in sich hineinziehen.
[Abbildung: Fig. 195.]
#Die Induktionsströme sind Wechselströme#, welche ihre Richtung
wechseln, wenn die Rollen vor den Polen sind.
[Abbildung: Fig. 196.]
Man verbindet die zwei Rollen wie zwei Elemente auf Intensität
(Spannung) oder auf Quantität, und hat dann zwei freie Drahtenden,
aus welchen die Ströme ^herausgeleitet^ werden müssen. Man bringt
auf der Achse zwei Messingscheiben, die #Kollektoren# oder
#Stromsammler#, isoliert an und führt zu ihnen die Drahtenden. Man
läßt dann an den Scheiben zwei #kupferne Federn# schleifen, die zu
#Klemmschrauben# führen und so die Ströme herausleiten: Es ist eine
#Wechselstrommaschine#.
Will man die Ströme #gleichgerichtet# herausleiten, so bringt man als
Kollektor den #Kommutator# (Stromwender) an. Auf der Achse werden zwei
halbkreisförmige isolierte Scheiben so befestigt, daß sie eine ganze
Scheibe zu bilden scheinen, und die Poldrähte der Induktionsrolle werden
zu den Halbscheiben geführt. Zwei Federn berühren die Halbscheiben und
sind so angebracht, daß, wenn die Induktionsrollen vor den Polen stehen,
jede Feder gerade die Trennungslinie der beiden Halbscheiben berührt,
also beim Umdrehen in diesem Momente von der einen Halbscheibe auf die
andere übertritt. Da nun in demselbem Momente auch die Richtung des
Induktionsstromes wechselt, so kommen aus den Schleiffedern die
Induktionsströme gleichgerichtet heraus. Es ist eine #Einstrom-# oder
#Gleichstrommaschine#.
[Abbildung: Fig. 197.]
Um größere Wirkung zu erzielen, bringt man mehrere Magnete mit
wechselnden Polen in einem Kreise an, und läßt eine gleiche Anzahl von
Induktionsspulen, die auf einer gemeinsamen Achse befestigt sind, vor
ihnen vorbei gehen, so daß in jeder Rolle bei jedem Polwechsel ein Strom
entsteht. Die Drahtenden der Rollen verbindet man nach Bedarf auf
Intensität oder auf Quantität und leitet sie zu Schleiffedern wie
früher.
Besser und einfacher ist die von #Siemens# erfundene Induktionsspule
(#Cylindermagnet#); sie besteht aus einem stabförmigen Stück weichen
Eisens, in welches der Länge nach zwei tiefe und breite Rinnen
eingegraben sind; längs dieser Rinnen wird nun der Länge nach isolierter
Draht eingewickelt, so daß er sie fast ausfüllt. Die Spule ist drehbar
um die Längsachse, und ihre Enden führen zu Kollektoren wie früher.
Der Eisenkern hat den Zweck, die Kraftlinien durch den Raum zu leiten,
in welchem sich die Drähte bewegen. Diejenigen Teile der Drahtwindungen,
welche eben am Nordpol vorbeigehen und dort die Kraftlinien
durchschneiden, erhalten einen gewissen Strom, die anderen Teile, welche
dabei eben am Südpol vorbeigehen, erhalten entgegengesetzten Strom;
beide Ströme durchlaufen aber die Windungen in derselben Richtung. Wenn
die Windungen die Mittelebene zwischen Nord- und Südpol überschreiten,
wechselt der Strom in den Drahtwindungen seine Richtung. Die
Siemens’sche Induktionsspule liefert demnach Wechselstrom, welcher aber
in Gleichstrom verwandelt werden kann.