Ebenso wie Wasser lassen sich viele andere Stoffe elektrolytisch
zersetzen, insbesondere die meisten ^Metallsalze^, am leichtesten die
^Salze der Schwermetalle^, wobei diese Salze meist in Wasser gelöst
sind. Wenn man den Strom z. B. durch eine Lösung von Kupfer- oder
Zinksulfat oder Silbernitrat leitet, so wird das Metall an der Kathode
ausgeschieden; das Säureradikal ~SO₄~ oder ~NO₃~ verbindet sich mit dem
nächstliegenden Metallatom; dadurch wird dessen Säureradikal frei und
wandert so fort, bis es an die Anode kommt; dort entreißt es einem
Wassermoleküle den Wasserstoff und bildet damit freie Säure, während der
Sauerstoff sich als Gas entwickelt. #An der Kathode scheidet sich das
Metall, an der Anode die Säure und Sauerstoff aus.#
Auch bei der Elektrolyse der Salze wird Elektrizität frei, das ^Metall^
wird + und heißt deshalb das ^positive Elektrolyt^, das ^Säureradikal^
wird - und heißt das ^negative Elektrolyt^; beide gleichen ihre
Elektrizität mit der der Elektroden aus. Die Flüssigkeit wird dabei
immer ärmer an Metallsalz und reicher an freier Säure und zwar von der
Anode aus. Ist alles Metall aus der Flüssigkeit ausgeschieden, so
beginnt eine einfache Wasserzersetzung, bei starken Strömen und kleinen
Elektrodenflächen auch schon früher.
[Abbildung: Fig. 182.]
Wird bei der Elektrolyse eines Salzes als Anode nicht ein Platinblech,
sondern eine Platte von demselben Metalle, welches als Salz in der
Flüssigkeit gelöst ist, verwendet, ist also etwa eine Kupferanode in
Kupfersulfatlösung, so verbindet sich das Säureradikal (~SO₄~), das an
der Anode zum Vorschein kommen sollte, mit dem Metall (~Cu~) der Anode,
löst also die Anode auf und bildet damit wieder dasselbe Salz (~SO₄Cu~),
welches in der Flüssigkeit gelöst ist. In diesem Falle, bei #löslicher
Anode#, bleibt die Flüssigkeit stets gleich reich an Salz, und #soviel
sich an der Kathode Metall niederschlägt, ebensoviel wird von der Anode
Metall weggenommen#. Ähnliches findet stets statt, wenn das Anodenmetall
mit dem sich ausscheidenden Säureradikal eine lösliche Verbindung
eingehen kann. Ist z. B. Kupferanode in Zinksulfatlösung, so wird an der
Kathode ~Zn~ ausgeschieden, und an der Anode verbindet sich ~SO₄~ mit
~Cu~, so daß ~Zn~ aus der Lösung verdrängt und durch ~Cu~ ersetzt wird.
^Davy entdeckte 1807 durch Elektrolyse die Metalle Kalium und
Natrium^. Man gräbt in ein Stück Ätzkali ein Loch, füllt es mit
Quecksilber, in welches man den Kathodendraht taucht, und das Ätzkali
stellt man in Quecksilber, in das man den Anodendraht taucht. Bei sehr
starkem Strome geschieht die Zersetzung des Ätzkali in ~Ka~ und ~O~,
das Kalium entsteht an der Kathode und bildet mit Quecksilber ein
Amalgam, aus welchem es durch Destillation gewonnen werden kann.
Berzelius fand, daß bei Elektrolyse von manchen Salzen der Alkali- und
alkalischen Erdmetalle sich ~H₂~ und ~O~ ausscheiden, und daß daneben
sich die Salze zerlegen in die Säure, welche an der Kathode, und in
die basischen Stoffe (Hydroxyde), welche an der Anode sich
ausscheiden.
^Aluminium^ wird jetzt durch Elektrolyse der feuerflüssigen Tonerde
gewonnen. Tonerde wird im Kohlentiegel sehr stark erhitzt, dann wird
durch sie ein Strom geleitet, welcher die Tonerde zunächst bis zum
Schmelzen erhitzt und dann zersetzt. An der oben befindlichen
Kohlenanode scheidet sich Sauerstoff aus, der sich mit der Anode zu
Kohlenoxydgas verbindet. An der Kathode scheidet sich Aluminium aus.
Natrium wird technisch durch Elektrolyse von geschmolzenem
Chlornatrium dargestellt.