[Abbildung: Fig. 180.]
Taucht man zwei ^Platinbleche^ als Elektroden in Wasser, so #geschieht
die Zersetzung des Wassers derart, daß der Sauerstoff an der Anode, der
Wasserstoff an der Kathode zum Vorschein kommt#: beide können getrennt
in pneumatischen Wannen aufgefangen werden.[11] Man erklärt den Vorgang
auf folgende Art: Durch die Kathode kommt die negative Elektrizität an
der Grenze des Wassers und trennt durch ihren Einfluß die chemisch
verbundenen Stoffe ~H₂~ und ~O~. Dabei wird Elektrizität produziert, und
zwar wird ~H₂~ +, ~O~ - elektrisch. ~H~ gleicht seine + ~E~ mit der -
~E~ der Kathode aus, wird frei und steigt als Gas in die Höhe; das ~O~
verbindet sich mit dem ~H₂~ des nächstliegenden Wassermoleküls und
gleicht seine - ~E~ mit dessen + ~E~ aus; dadurch wird das nächste ~O~
frei und - elektrisch und wandert so weiter, bis schließlich das letzte
~O~ mit - ~E~ geladen an der Anode anlangt, dort seine - ~E~ mit der +
~E~ der Anode ausgleicht und als freies Gas aufsteigt. Es ist das ein
ebensolcher Austausch (Wanderung) der einzelnen Bestandteile von Molekül
zu Molekül wie bei den galvanischen Elementen. Ebenso wie in den
galvanischen Elementen Elektrizität nur dadurch frei wird, daß die
Zersetzungsprodukte an verschiedenen Stellen zum Vorschein kommen, so
#wird bei der Elektrolyse Elektrizität verbraucht, weil die
Zersetzungsprodukte an verschiedenen Stellen zum Vorschein kommen#.
[11] Die erste Wasserzersetzung beobachteten Nicholson und Carlisle,
als sie (1800) bei einer Voltaschen Säule den vom Kupfer kommenden
Draht in einen auf der obersten Zinkplatte liegenden Wassertropfen
tauchten.
[Abbildung: Fig. 181.]
Durch Zerreißung von ~H₂O~ sind beide Teile elektrisch geworden und
haben ihre Elektrizitäten mit denen der Elektroden ausgeglichen; es ist
also von den Elektroden Elektrizität weggeschafft worden, gerade so, wie
wenn diese Elektrizität durch die Flüssigkeit gewandert wäre.
#Flüssigkeiten leiten die Elektrizität nur, insofern und weil sie vom
Strom zersetzt werden# (~De la Rive~). Außer der Elektrizitätsbewegung
durch die Ionen findet keine Elektrizitätsbewegung durch die Masse des
Leiters ähnlich wie bei den Metallen statt. Daraus folgt: #die Menge der
in die Flüssigkeit übertretenden Elektrizität, also die Stromstärke, ist
proportional der Menge des ausgeschiedenen Wasserstoffes.# Für jedes
Molekül ~H₂~ wird auch ein Atom ~O~ ausgeschieden, deshalb sind auch die
ausgeschiedenen Mengen ~H₂~ und ~O~ einander chemisch äquivalent, auf 2
_g_ ~H~ treffen 16 _g_ ~O~ oder auf 2 _ccm_ ~H~ trifft 1 _ccm_ ~O~, also
3 _ccm_ Knallgas. Man benützt deshalb auch die Wasserzersetzung, um die
Stromstärke zu messen. Bei dem dazu geeigneten Apparat, dem #Voltameter#
werden die erzeugten Gasmengen entweder gemeinsam oder getrennt in
#graduierten Glascylindern aufgefangen#. Man verzichtet hiebei oft
darauf, auch den Sauerstoff aufzufangen, weil er nicht in ganzer Menge
als Gas aussteigt; denn ein Teil wird vom Wasser absorbiert, ein anderer
Teil bildet Wasserstoffsuperoxyd und bleibt so auch in Wasser gelöst,
und ein Teil bildet Ozon, das eine größere Dichte hat als Sauerstoff.
Ein Strom von 1 Ampère zersetzt in der Minute 0,00552 _g_ Wasser, in der
Stunde 0,331 _g_ Wasser.