129. Das Solenoid.

[Abbildung: Fig. 160.]

[Abbildung: Fig. 161.]

Ein in Form eines Kreises laufender Stromteil heißt ein ^Kreisstrom^.

Eine Verbindung mehrerer Kreisströme derart, daß alle ihre Mittelpunkte

in einer geraden Linie, der Achse, liegen, alle ihre Ebenen auf der

Achse senkrecht stehen, und alle Kreise in derselben Richtung

durchlaufen werden, heißt ein ^Solenoid^. Ein solches kann man mit

großer Annäherung herstellen, wenn man einen Draht in engen Spirallinien

um einen Cylinder wickelt. Man versieht die Enden mit Haken und hängt es

an einem Ampèreschen Gestelle auf: frei bewegliches Solenoid. Der

Erdstrom wirkt auf jeden Kreisstrom des Solenoides drehend in demselben

Sinne; das Solenoid dreht sich deshalb, bis die Ströme unten von Ost

nach West laufen, also ^die Achse die Richtung der Magnetnadel hat^.

Man nennt die Enden des Solenoides auch ^Nordpol^ und ^Südpol^; am

Nordpol läuft der Strom ^entgegengesetzt^ dem Zeiger der Uhr, am Südpol

^geradeso^ wie der Zeiger der Uhr. Leitet man einen Strom in der

Richtung der Achse über ein Solenoid, so dreht es sich wie eine

Magnetnadel (der Nordpol weicht links aus), und man erkennt die Ursache

darin, daß der Strom und die Kreisströme des Solenoids gekreuzt sind und

sich parallel und gleich gerichtet zu stellen suchen. Nähert man zwei

Pole zweier Solenoide einander, so stoßen sich ^gleichnamige Pole ab,

ungleichnamige ziehen^ sich an; dies erklärt sich aus der Wirkung

paralleler Ströme.

Die Pole eines Magnetes wirken auf die Pole des Solenoides wie auf

Magnetpole. ^Ein magnetischer Nordpol zieht den Südpol des Solenoides an

und stößt den Nordpol desselben ab^:

[Abbildung: Fig. 162.]

#Ein Solenoid wirkt nach außen wie ein Magnet.#

Bringt man einen Stab weiches Eisen in ein Solenoid in der Richtung der

Achse, ^so wird das Eisen selbst magnetisch und erhält dieselben Pole,

wie das Solenoid^.

Dies erklärt man durch die Annahme, daß jedes Molekül Eisen beständig

von einem Kreisstrom umflossen sei, daß im unmagnetischen Eisen die

Achsen der Molekularkreisströme nach allen möglichen Richtungen liegen,

daß sie aber durch die richtende Wirkung eines darumgelegten Solenoides

parallel gerichtet werden, so daß die Molekularkreisströme sich

gegenseitig verstärken; deshalb wird das Eisen magnetisch, indem es

wirkt wie ein Solenoid. #Ein Magnet kann angesehen werden als ein

Solenoid, dessen Kreisströme am Nordpol laufen entgegengesetzt dem

Zeiger der Uhr.#[10]

[10] Die Auffindung all dieser Gesetze, des Erdstroms, des Solenoids,

des Elektromagnetes gelang Ampère 1820; von ihm stammt auch die

Bezeichnung Solenoid (röhrenförmig).

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 135 / 340 题