[Abbildung: Fig. 160.]
[Abbildung: Fig. 161.]
Ein in Form eines Kreises laufender Stromteil heißt ein ^Kreisstrom^.
Eine Verbindung mehrerer Kreisströme derart, daß alle ihre Mittelpunkte
in einer geraden Linie, der Achse, liegen, alle ihre Ebenen auf der
Achse senkrecht stehen, und alle Kreise in derselben Richtung
durchlaufen werden, heißt ein ^Solenoid^. Ein solches kann man mit
großer Annäherung herstellen, wenn man einen Draht in engen Spirallinien
um einen Cylinder wickelt. Man versieht die Enden mit Haken und hängt es
an einem Ampèreschen Gestelle auf: frei bewegliches Solenoid. Der
Erdstrom wirkt auf jeden Kreisstrom des Solenoides drehend in demselben
Sinne; das Solenoid dreht sich deshalb, bis die Ströme unten von Ost
nach West laufen, also ^die Achse die Richtung der Magnetnadel hat^.
Man nennt die Enden des Solenoides auch ^Nordpol^ und ^Südpol^; am
Nordpol läuft der Strom ^entgegengesetzt^ dem Zeiger der Uhr, am Südpol
^geradeso^ wie der Zeiger der Uhr. Leitet man einen Strom in der
Richtung der Achse über ein Solenoid, so dreht es sich wie eine
Magnetnadel (der Nordpol weicht links aus), und man erkennt die Ursache
darin, daß der Strom und die Kreisströme des Solenoids gekreuzt sind und
sich parallel und gleich gerichtet zu stellen suchen. Nähert man zwei
Pole zweier Solenoide einander, so stoßen sich ^gleichnamige Pole ab,
ungleichnamige ziehen^ sich an; dies erklärt sich aus der Wirkung
paralleler Ströme.
Die Pole eines Magnetes wirken auf die Pole des Solenoides wie auf
Magnetpole. ^Ein magnetischer Nordpol zieht den Südpol des Solenoides an
und stößt den Nordpol desselben ab^:
[Abbildung: Fig. 162.]
#Ein Solenoid wirkt nach außen wie ein Magnet.#
Bringt man einen Stab weiches Eisen in ein Solenoid in der Richtung der
Achse, ^so wird das Eisen selbst magnetisch und erhält dieselben Pole,
wie das Solenoid^.
Dies erklärt man durch die Annahme, daß jedes Molekül Eisen beständig
von einem Kreisstrom umflossen sei, daß im unmagnetischen Eisen die
Achsen der Molekularkreisströme nach allen möglichen Richtungen liegen,
daß sie aber durch die richtende Wirkung eines darumgelegten Solenoides
parallel gerichtet werden, so daß die Molekularkreisströme sich
gegenseitig verstärken; deshalb wird das Eisen magnetisch, indem es
wirkt wie ein Solenoid. #Ein Magnet kann angesehen werden als ein
Solenoid, dessen Kreisströme am Nordpol laufen entgegengesetzt dem
Zeiger der Uhr.#[10]
[10] Die Auffindung all dieser Gesetze, des Erdstroms, des Solenoids,
des Elektromagnetes gelang Ampère 1820; von ihm stammt auch die
Bezeichnung Solenoid (röhrenförmig).