128. Der Erdstrom.

Ist das Rechteck auf dem Ampèreschen Gestelle aufgestellt und von einem

Strome durchflossen, so ^dreht es sich^, bis der Strom ^in der unteren

Seite von Ost nach West^ läuft, genauer, in einer Richtung, welche zur

Richtung der Magnetnadel senkrecht steht. Man schließt: #in der Erde

fließt ein Strom in der Richtung von Ost nach West, senkrecht zur

Richtung der Magnetnadel: Erdstrom#.

[Abbildung: Fig. 159.]

Diese Einwirkung des Erdstromes auf das bewegliche Rechteck darf man

nicht so erklären, daß der von ~O~ nach ~W~ laufende Erdstrom den

Stromteil ~JF~ (Fig. 159) so dreht, daß ~JF~ parallel und gleich

gerichtet ~OW~ wird; denn der Erdstrom wirkt auch auf die obere Seite

des Rechteckes und sucht den Strom ~SN~ nach entgegengesetzter Richtung

zu drehen. Hat der das Rechteck kreuzende Strom nur eine mäßige

Entfernung von ihm, so ist die Wirkung des kreuzenden Stromes auf die

nähere Seite stärker und das Rechteck dreht sich. Den Erdstrom müssen

wir aber weit entfernt annehmen, so daß er von ~FJ~ und ~NS~ gleichweit

entfernt ist; deshalb sind beide Kräfte gleich und heben sich auf.

Aber auf den Stromteil ~NJ~ wirkt der Erdstrom ziehend in der Richtung

~P~ (Osten) und auf den Stromteil ~FS~ wirkt er ziehend in der Richtung

~P′~ (Westen); beide suchen also das Rechteck so zu drehen, daß der

Nordpunkt ~N~ nach Osten, der Südpunkt ~S~ nach Westen geht. Nach dieser

Drehung fließt der Strom in der unteren Seite des Rechteckes von Osten

nach Westen.

^Man muß annehmen, die ganze Erde sei beständig von einem elektrischen

Strome, dem Erdstrom, umflossen, dessen Richtung senkrecht zur

freischwebenden Magnetnadel steht^.

Im Erdstrome ist umgekehrt auch die Ursache des Erdmagnetismus zu

suchen. Das heißt, die Erde hat Magnetismus wohl nicht deshalb, weil in

ihr große Massen permanenter Magnete vorhanden sind, sondern sie lenkt

die Magnetnadel ab, weil sie von einem elektrischen Strome umflossen

wird.

Die Ursache des Erdstromes ist uns unbekannt. Er wird hervorgebracht

wahrscheinlich nicht von Kräften, welche in der Erde selbst ihren Sitz

haben (terrestrische oder tellurische Kräfte), sondern von Kräften,

welche von außen, vom Weltraume, etwa von der Sonne her auf die Erde

einwirken (kosmische Kräfte).

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 134 / 340 题