Ist das Rechteck auf dem Ampèreschen Gestelle aufgestellt und von einem
Strome durchflossen, so ^dreht es sich^, bis der Strom ^in der unteren
Seite von Ost nach West^ läuft, genauer, in einer Richtung, welche zur
Richtung der Magnetnadel senkrecht steht. Man schließt: #in der Erde
fließt ein Strom in der Richtung von Ost nach West, senkrecht zur
Richtung der Magnetnadel: Erdstrom#.
[Abbildung: Fig. 159.]
Diese Einwirkung des Erdstromes auf das bewegliche Rechteck darf man
nicht so erklären, daß der von ~O~ nach ~W~ laufende Erdstrom den
Stromteil ~JF~ (Fig. 159) so dreht, daß ~JF~ parallel und gleich
gerichtet ~OW~ wird; denn der Erdstrom wirkt auch auf die obere Seite
des Rechteckes und sucht den Strom ~SN~ nach entgegengesetzter Richtung
zu drehen. Hat der das Rechteck kreuzende Strom nur eine mäßige
Entfernung von ihm, so ist die Wirkung des kreuzenden Stromes auf die
nähere Seite stärker und das Rechteck dreht sich. Den Erdstrom müssen
wir aber weit entfernt annehmen, so daß er von ~FJ~ und ~NS~ gleichweit
entfernt ist; deshalb sind beide Kräfte gleich und heben sich auf.
Aber auf den Stromteil ~NJ~ wirkt der Erdstrom ziehend in der Richtung
~P~ (Osten) und auf den Stromteil ~FS~ wirkt er ziehend in der Richtung
~P′~ (Westen); beide suchen also das Rechteck so zu drehen, daß der
Nordpunkt ~N~ nach Osten, der Südpunkt ~S~ nach Westen geht. Nach dieser
Drehung fließt der Strom in der unteren Seite des Rechteckes von Osten
nach Westen.
^Man muß annehmen, die ganze Erde sei beständig von einem elektrischen
Strome, dem Erdstrom, umflossen, dessen Richtung senkrecht zur
freischwebenden Magnetnadel steht^.
Im Erdstrome ist umgekehrt auch die Ursache des Erdmagnetismus zu
suchen. Das heißt, die Erde hat Magnetismus wohl nicht deshalb, weil in
ihr große Massen permanenter Magnete vorhanden sind, sondern sie lenkt
die Magnetnadel ab, weil sie von einem elektrischen Strome umflossen
wird.
Die Ursache des Erdstromes ist uns unbekannt. Er wird hervorgebracht
wahrscheinlich nicht von Kräften, welche in der Erde selbst ihren Sitz
haben (terrestrische oder tellurische Kräfte), sondern von Kräften,
welche von außen, vom Weltraume, etwa von der Sonne her auf die Erde
einwirken (kosmische Kräfte).