130. Der Elektromagnet. Stärke des Elektromagnetismus.

[Abbildung: Fig. 163.]

[Abbildung: Fig. 164.]

#Ein Elektromagnet ist ein Stück Eisen, das durch die Wirkung eines

Solenoids magnetisch geworden ist.# ^Er erhält den^ #Nordpol# ^an dem

Ende, wo der + Strom läuft^ #entgegengesetzt dem Zeiger der Uhr#: kehrt

man den Strom um, so vertauschen sich auch die Pole. Oft gibt man dem

Elektromagnete eine ^Hufeisenform^; er besteht dann aus zwei parallel

gestellten Eisenstäben, den Eisenkernen, die unten durch ein eisernes

Querstück verbunden sind. Man steckt über die Kerne je eine Holzspule

und umwickelt beide mit übersponnenem Kupferdraht, jedoch in

entgegengesetzter Richtung, um entgegengesetzte Pole zu erhalten. Bei

Stromschluß werden die Eisenkerne magnetisch, beim Öffnen werden sie

wieder unmagnetisch.

^Elektromagnete werden verhältnismäßig stärker magnetisch als

Stahlmagnete^, da beim weichen Eisen sich die Moleküle leichter und

vollständiger drehen, polarisieren lassen als beim Stahle. #Die Stärke

des Magnetismus hängt ab von der Masse der Eisenkerne#; je größer deren

Masse, desto stärker ist der Magnetismus; ferner von der polarisierenden

Kraft, also #von der Stärke des Stromes und der Anzahl der Windungen#.

Jedoch kann ein Stück Eisen nicht beliebig stark magnetisiert werden;

sind alle Moleküle vollständig oder nahezu vollständig polarisiert, so

ist der Magnet #gesättigt#, seine Kraft wird nicht mehr verstärkt, wenn

man den Strom oder die Anzahl Windungen vergrößert.

Bei starkem Strome genügen schon wenig Windungen dicken Drahtes, um den

Eisenkern genügend zu magnetisieren.

Ist der Strom schwach, etwa weil er schon einen großen äußeren

Widerstand überwinden mußte, so nimmt man dünnen Draht und macht sehr

viele Windungen; die dadurch erfolgte Vergrößerung des äußeren

Widerstandes schadet der Stromstärke nicht mehr viel, während die

Vergrößerung der Windungszahl den Magnetismus verstärkt.

Die Eisenkerne müssen aus möglichst weichem Eisen bestehen, damit sie

den Magnetismus leicht annehmen und beim Öffnen des Stromes möglichst

vollständig wieder verlieren.

Wird der Strom um Stahl geleitet, so wird der Stahl auch magnetisch,

wenn auch nicht so gut als weiches Eisen; aber er behält seinen

Magnetismus fast vollständig. ^Man kann so sehr kräftige permanente

Stahlmagnete machen^, wendet aber doch hiebei meist die Streichmethode

an, indem man den zu magnetisierenden Stahl an den Polen eines kräftigen

Elektromagnetes streicht.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 136 / 340 题