Der galvanische Strom bringt mannigfache Wirkungen hervor, die im
folgenden besprochen werden. Diese Wirkungen sind höchst eigentümlicher
Art, und es fehlt uns bei den meisten die Kenntnis, wie sie
hervorgebracht werden. Eine wesentliche Eigenschaft haben aber alle
gemeinsam: Wenn wir bei Betrachtung der Ohmschen Gesetze den Stromkreis
gleichsam in zwei Teile geteilt haben, den Teil, in welchem die positive
Elektrizität fließt, und den, in welchem die negative fließt, so können
wir nun diese Abteilung wieder fallen lassen; denn ^beide Teile
unterscheiden sich in ihren Wirkungen nicht voneinander^. Es ist ganz
gleichgültig, ob die positive Elektrizität von rechts oder die negative
von links durch den Draht läuft; teilt man dem Elemente mitsamt dem
ganzen Stromkreise etwa durch die Elektrisiermaschine eine gewisse Menge
positiver Elektrizität mit, so ist im ganzen Stromkreise keine negative
Elektrizität vorhanden, sondern nur ^ungleich verteilte^ positive
Elektrizität; die ^Stromstärke und Stromwirkung bleibt genau dieselbe^.
Nicht das Vorhandensein der freien Elektrizität verursacht die
Stromwirkung, sondern #das durch die ungleichmäßige Verteilung, das
Gefälle, hervorgebrachte Fließen der Elektrizität bringt die Wirkung
hervor#.
[Abbildung: Fig. 156.]
Man betrachtet den ganzen Stromkreis als einen einzigen Strom und
versteht unter ^„Richtung des Stromes“ diejenige Richtung, in welcher
die positive Elektrizität^ fließt.
Auch die ^Ausgleichstelle^ ist durch ^keinerlei besondere Wirkung^
ausgezeichnet.
^Ampères Gesetze^: #Zwei parallele und gleich gerichtete Ströme ziehen
sich an, zwei parallele und entgegengesetzt gerichtete Ströme stoßen
sich ab, zwei gekreuzte Ströme suchen sich so zu drehen, daß sie
parallel und gleichgerichtet sind.#
Zum Beweise bedient man sich des ^Ampère^schen ^Gestelles^, Fig. 156,
bei welchem der Strom einen leicht beweglichen Leiter durchfließt.
[Abbildung: Fig. 157.]
[Abbildung: Fig. 158.]
Betrachtet man bei gekreuzten Strömen die Stromteile bis zum
Kreuzungspunkte, Fig. 157, so ziehen sich ~BA~ und ~DA~ an, ebenso ~AE~
und ~AC~, während die Stromteile ~AB~ und ~AE~ sich abstoßen, ebenso
~DA~ und ~AC~. Man kann also auch sagen: Zwei sich kreuzende Stromteile
ziehen sich an, wenn sie beide zum Kreuzungspunkte hin- oder beide von
ihm weglaufen; zwei solche Ströme stoßen sich ab, wenn der eine zum
Kreuzungspunkte hin- der andere davon wegläuft.
Daraus ergibt sich eine wichtige Folgerung: es sei ~BAC~ (Fig. 158) ein
Strom und ~DE~ ein Stromteil, der so auf ihn zufließt, daß er ihn in ~A~
kreuzen würde, so ziehen sich ~BA~ und ~DE~ an mit einer Kraft, deren
Größe und Richtung in ~P~ gezeichnet ist, aber ~AC~ und ~DE~ stoßen sich
ab mit einer Kraft ~P′~. ~P~ und ~P′~ geben nach dem Satze vom
Kräfteparallelogramm eine Resultierende ~R~, welche den Leiter ~DE~ zu
bewegen sucht in einer Richtung, die der Stromrichtung ~BAC~
entgegengesetzt ist. Ist also etwa ~DE~ um ~D~ drehbar, so muß sich ~E~
(unserer Zeichnung gemäß) nach links drehen.
Man hat Apparate konstruiert, in denen ein Stromteil durch einen
kreuzenden Strom in kontinuierliche Drehung versetzt wird; doch fehlt
ihnen praktische Anwendung.
Die anziehende und abstoßende Wirkung zweier Stromteile nimmt mit der
Entfernung ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt.