Aber auch Volta blieb, nachdem durch den Fundamentalversuch der
Nachweis der Elektrizität gelungen war, bei seiner Meinung stehen und
bekräftigte sie durch weitere Versuche. Er behauptete, stets bei der
Berührung zweier verschiedener Leiter werde Elektrizität erregt, und
unterschied zwei Klassen von Elektromotoren, die festen (metallischen)
und die flüssigen, wovon die der ersten Klasse weitaus die wirksamsten
sind. Wenn man also eine Zink- und eine Kupferplatte in Schwefelsäure
taucht und oben verbindet, so wirkt die Berührung von ~Zn~ und ~Cu~
elektromotorisch; allerdings wirkt auch die Berührung jedes Metalles
mit der Flüssigkeit elektromotorisch, jedoch sehr schwach, so daß es
die elektromotorische Kraft von ~Zn~ ~Cu~ wenig schwächt; der flüssige
Leiter ermöglicht also das Zustandekommen eines Stromes.
Diese Theorie, der zufolge die ^Berührung^ zweier verschiedener
Metalle elektromotorisch wirkt, wird die ^Kontakttheorie^ genannt; sie
wurde von Volta und seinen Anhängern weiter ausgebildet und auf einen
hohen Stand der Vollkommenheit gebracht, so daß sämtliche
Erscheinungen und Gesetze des Stromes durch dieselbe erklärt werden
konnten.
Dieser Theorie gegenüber steht die „^chemische Theorie^“, wie wir sie
bisher entwickelt haben. Ihr zufolge entsteht die Elektrizität durch
Berührung heterogener (stofflich verschiedener) Körper infolge
chemischer Einwirkung der beiden Körper aufeinander und als Ersatz für
die Wärme, welche beim chemischen Prozeß zum Vorschein kommen sollte,
aber nicht zum Vorschein kommt.
[Abbildung: Fig. 155.]