[Abbildung: Fig. 136.]
Sollen die durch die elektromotorische Kraft getrennten Elektrizitäten
sich wieder vereinigen, so muß man das herausragende Zinkende durch
einen Draht mit der Flüssigkeit in Verbindung bringen, am einfachsten
dadurch, daß man eine Zink- und eine Kupferplatte in die Schwefelsäure
taucht, ohne daß sie sich berühren, und die herausragenden Enden durch
einen Draht verbindet. Es entsteht dann der ^galvanische Strom^, indem
einerseits vom Zinkpole die negative Elektrizität, andrerseits vom
Kupferpole die positive Elektrizität in den Draht läuft; beide begegnen
sich irgendwo auf dem Draht und heben sich auf. Der Prozeß hört damit
aber nicht auf, da sich durch die elektromotorische Kraft des Systems
immer neue Elektrizitäten entwickeln. #Das beständige Fließen der
Elektrizität nennt man einen elektrischen oder galvanischen Strom.# Sind
beide Pole verbunden, so sagt man, der Strom ist ^geschlossen^, er
fließt; sind sie nicht verbunden, so sagt man, der Strom ist ^offen^, er
fließt nicht.
Bei Stromschluß dauert der chemische Prozeß fort. Der durch die
chemische Zersetzung ^frei werdende Wasserstoff steigt nicht am Zink
auf, sondern am Kupfer^. Er wandert unsichtbar zum Kupfer und man bildet
sich hierzu folgende Vorstellung. Das ~Zn~ zersetzt das nächstliegende
Molekül Schwefelsäure, indem es sich mit dem Radikal ~SO₄~ verbindet zu
~ZnSO₄~; dadurch wird ~H₂~ frei; das verbindet sich mit dem ~SO₄~ des
nächstliegenden ~SO₄H₂~ und bildet somit wieder ~H₂SO₄~; dadurch wird
wieder ~H₂~ frei; dies tauscht sich ebenso aus gegen das ~H₂~ des
nächsten ~SO₄H₂~, und so geht es fort, bis schließlich das letzte ~H₂~
am Kupfer frei wird, als Träger der positiven Elektrizität diesem seine
positive Elektrizität mitteilt, und dann als freies Gas entweicht. In
Figur 137 ist oben die Reihe der Moleküle vor dem chemischen Angriff,
unten nach demselben durch Zeichnung angedeutet. Das Wandern des ~H₂~
und das damit verbundene gegenseitige Zersetzen der Moleküle tritt in
raschester Aufeinanderfolge, bei allen Molekülen (fast) zur selben Zeit
ein.
[Abbildung: Fig. 137.]