115. Der galvanische Strom.

[Abbildung: Fig. 136.]

Sollen die durch die elektromotorische Kraft getrennten Elektrizitäten

sich wieder vereinigen, so muß man das herausragende Zinkende durch

einen Draht mit der Flüssigkeit in Verbindung bringen, am einfachsten

dadurch, daß man eine Zink- und eine Kupferplatte in die Schwefelsäure

taucht, ohne daß sie sich berühren, und die herausragenden Enden durch

einen Draht verbindet. Es entsteht dann der ^galvanische Strom^, indem

einerseits vom Zinkpole die negative Elektrizität, andrerseits vom

Kupferpole die positive Elektrizität in den Draht läuft; beide begegnen

sich irgendwo auf dem Draht und heben sich auf. Der Prozeß hört damit

aber nicht auf, da sich durch die elektromotorische Kraft des Systems

immer neue Elektrizitäten entwickeln. #Das beständige Fließen der

Elektrizität nennt man einen elektrischen oder galvanischen Strom.# Sind

beide Pole verbunden, so sagt man, der Strom ist ^geschlossen^, er

fließt; sind sie nicht verbunden, so sagt man, der Strom ist ^offen^, er

fließt nicht.

Bei Stromschluß dauert der chemische Prozeß fort. Der durch die

chemische Zersetzung ^frei werdende Wasserstoff steigt nicht am Zink

auf, sondern am Kupfer^. Er wandert unsichtbar zum Kupfer und man bildet

sich hierzu folgende Vorstellung. Das ~Zn~ zersetzt das nächstliegende

Molekül Schwefelsäure, indem es sich mit dem Radikal ~SO₄~ verbindet zu

~ZnSO₄~; dadurch wird ~H₂~ frei; das verbindet sich mit dem ~SO₄~ des

nächstliegenden ~SO₄H₂~ und bildet somit wieder ~H₂SO₄~; dadurch wird

wieder ~H₂~ frei; dies tauscht sich ebenso aus gegen das ~H₂~ des

nächsten ~SO₄H₂~, und so geht es fort, bis schließlich das letzte ~H₂~

am Kupfer frei wird, als Träger der positiven Elektrizität diesem seine

positive Elektrizität mitteilt, und dann als freies Gas entweicht. In

Figur 137 ist oben die Reihe der Moleküle vor dem chemischen Angriff,

unten nach demselben durch Zeichnung angedeutet. Das Wandern des ~H₂~

und das damit verbundene gegenseitige Zersetzen der Moleküle tritt in

raschester Aufeinanderfolge, bei allen Molekülen (fast) zur selben Zeit

ein.

[Abbildung: Fig. 137.]

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 120 / 340 题