116. Die galvanischen Elemente.

Das #Volta’sche# Element, Zink- und Kupferblech in verdünnter

Schwefelsäure, hat wesentliche Mängel. Es entwickelt sich Wasserstoff

auch am Zink; ^wenn aber die Produkte einer chemischen Zersetzung an

derselben Stelle zum Vorschein kommen, wird nur Wärme und keine

Elektrizität produziert^; das Zink wird unnütz verbraucht; #nur wenn die

Produkte einer chemischen Zersetzung an verschiedenen Orten zum

Vorschein kommen, entsteht statt der Wärme Elektrizität#. Durch

Amalgamieren des Zinkbleches sucht man sich gegen diesen Verlust zu

schützen, erreicht das aber oft nur unvollkommen. Ferner wirkt der

Wasserstoff selbst elektromotorisch, und zwar dem Zink entgegengesetzt,

so daß er die elektromotorische Kraft des Zinkes schwächt: #der

Wasserstoff polarisiert# oder ^wirkt polarisierend^. Man sucht den

Wasserstoff wegzuschaffen, indem man ihn mit Sauerstoff sich verbinden

läßt.

Galvanische Elemente, welche ihre Stoffe nicht unnütz verbrauchen, und

den positiven Pol depolarisieren, nennt man #konstante Elemente#, weil

sie einen Strom von konstanter Stärke liefern. Solche sind:

Das #Daniell’sche# Element (1836). In ein Becherglas stellt man einen

engeren Becher, aus porösem, unglasiertem Tone [Tonzelle, Diaphragma];

füllt man das Glas mit einer gesättigten Lösung von Kupfersulfat,

~SO₄Cu~ (Kupfervitriol, blauer Vitriol) und die Tonzelle mit verdünnter

Schwefelsäure, so stehen beide Flüssigkeiten durch die Poren des Tones

in Verbindung, ohne sich (rasch) mischen zu können. Man stellt in die

Schwefelsäure einen Zinkcylinder oder Zinkblock und in das Kupfersulfat

ein Kupferblech.

Chemischer Vorgang: ~Zn~ verbindet sich mit dem nächsten ~SO₄~ zu

~ZnSO₄~; dadurch wird ~H₂~ frei; dieses wandert durch die

Schwefelsäureschichte (wie beim Voltaschen Elemente). Trifft nun

schließlich das ~H₂~ auf das erste Molekül ~SO₄Cu~ außerhalb des

Diaphragmas, so verbindet es sich mit dessen ~SO₄~ zu ~SO₄H₂~; es wird

also die verbrauchte Schwefelsäure wieder gebildet; das ~Cu~ dieses

~SO₄Cu~ wandert nun ebenso durch die ganze Schichte des ~SO₄Cu~; das

letzte ~Cu~ Molekül wird am Kupferbleche frei und schlägt sich dort als

metallisches Kupfer nieder. Natürlich geschehen alle diese Vorgänge in

raschester Aufeinanderfolge, innerhalb der kleinen Dimensionen solcher

Elemente geradezu gleichzeitig. In Zeichen kann man diesen Vorgang so

darstellen:

~| Zn | --v-- --v-- : : --v-- --v-- | Cu |

| | SO₄H₂ ..... SO₄H₂ :....: SO₄Cu .... SO₄Cu | |~

Das Produkt links ist ~SO₄Zn~, das Produkt rechts ist ~Cu~, die Menge

des freien ~SO₄H₂~ bleibt erhalten, die Menge des ~SO₄Cu~ nimmt ab.

Hiebei wird ~Zn~ -, ~Cu~ + elektrisch.

Das Element ist nicht sparsam; denn ein großer Teil des Zinkes läßt das

~H₂~ direkt entweichen; dabei wird nicht nur keine Elektrizität erzeugt,

sondern auch keine Schwefelsäure neu gebildet, weshalb diese meist bald

verbraucht ist. Die elektromotorische Kraft des Elementes ist größer als

die des Volta’schen, da nicht ~H₂~, sondern ~Cu~ sich ausscheidet,

welches weniger stark polarisiert als ~H₂~. Das Element bleibt tätig bis

alles ~SO₄Cu~ verbraucht ist; man nimmt also große Mengen desselben,

legt wohl auch noch Kupfervitriolkrystalle ein, die sich dann nach

Bedarf auflösen. Mit gewissen Abänderungen wird es noch heute benützt.

[Abbildung: Fig. 138.]

[Abbildung: Fig. 139.]

Das #Grove#’sche Element (1839). In ein Becherglas stellt man eine

Tonzelle, füllt das Glas mit verdünnter Schwefelsäure, die Zelle mit

konzentrierter Salpetersäure und stellt in erstere ein Zinkblech und in

letztere ein Platinblech. Chemischer Vorgang:

~| Zn | --v-- --v-- : : --v-- --v-- | Pt |

| | SO₄H₂ .... SO₄H₂ : .... : ONO₂H .... ONO₂H | |~

Es geht ~Zn~ in Lösung und bildet Zinksulfat. Die Salpetersäure zerlegt

sich in Untersalpetersäure ~NO₂H~ und ~O~, das sich mit ~H₂~ zu Wasser

verbindet. Die Untersalpetersäure steigt als brauner, zum Husten

reizender Dampf auf, weshalb man das Element mit einem Glasdeckel

verschließt.

Das Element ist nicht sparsam aus demselben Grunde wie früher; aber

seine elektromotorische Kraft ist sehr groß; da die entstehende

Untersalpetersäure am Platin nicht elektromotorisch wirkt, also das

Element die ganze elektromotorische Kraft des Zinkes besitzt.

Das Element ist teuer im Betrieb, weil es zwei Säuren verbraucht, wird

aber für manche Zwecke noch angewandt.

Das #Bunsen#’sche Element (1842) ist ebenso eingerichtet, nur ist das

Platinblech durch einen Block ^galvanischer Kohle ersetzt^; das ist eine

harte, poröse Kohle, welche sich bei der Gasfabrikation an den Wänden

der Retorten ansetzt; sie wird pulverisiert, mit Syrup zu einem steifen

Teig angemacht, geformt und geglüht.

Das #Chromsäure#-Element (Bunsen). Man bereitet sich eine Mischung aus

0,765 _kg_ Kaliumbichromat (saurem chroms. Kal.), 0,832 _l_

Schwefelsäure (sp. G. 1,836) und 9,2 _l_ Wasser und bringt in diese

Mischung eine Zink- und eine Kohlenplatte ohne Diaphragma.

Die Mischung erhält Chromsäure als depolarisierende, Kaliumsulfat als

neutrale und Schwefelsäure als erregende Substanz. Zn bildet damit

~SO₄Zn~; das ~H₂~ reduziert die Chromsäure zu Chromoxyd, letzteres

bildet mit ~SO₄H₂~ Chromsulfat, das sich mit dem Kaliumsulfat zu einem

Doppelsalz, Chromalaun, zusammensetzt. Diesen und Zinksulfat hat man

dann schließlich in Lösung.

~Cr₂O₇K₂ + 7 SO₄H₂ + 3 Zn = (K₂SO₄ + Cr₂ (SO₄)₃) + 3 SO₄Zn + 7 OH₂~

[Abbildung: Fig. 140.]

Das Element hat eine hohe elektromotorische Kraft, weil ~H₂~ beseitigt

wird; es ist einfach zusammengesetzt, weil es keine Tonzelle hat, es ist

zwar nicht sparsam, weil die Zersetzung auch bei offenen Polen andauert,

wird jedoch so eingerichtet, daß die Zink- (und Kohlen)platten beim

Nichtgebrauch aus der Flüssigkeit bequem herausgehoben und beim Gebrauch

eingetaucht werden können (^Tauchelement^), und wird so besonders von

Ärzten vielfach gebraucht.

Das #Meidinger#-Element: In ein geräumiges Becherglas wird oben ein

dickwandiger Zinkcylinder eingehängt und auf den Boden ein Kupferblech

gelegt, von dem ein durch Kautschuk isolierter Draht nach oben

herausführt. Das Glas wird gefüllt mit Wasser, in dem etwas Zinksulfat

(etwa ¹/₆ gesättigt) oder etwas (5%) Bittersalz (Magnesiumsulfat)

aufgelöst ist. Man wirft einige Kupfervitriolkrystalle hinein, die sich

rasch auflösen, und das Kupferblech mit einer gesättigten Lösung von

Kupfersulfat bedecken. Die Lösung bleibt wegen ihres größeren

spezifischen Gewichtes am Boden und gelangt, wenn das Element ruhig

steht, nur sehr langsam nach oben durch Diffusion.

Man kann nicht gut annehmen, daß der chemische Angriff vom Zink aus

geschehe, da dasselbe nicht im stande ist, ~SO₄Zn~ oder ~SO₄Mg~ zu

ersetzen, sondern man muß annehmen, daß der Angriff dort erfolgt, wo die

zwei Flüssigkeitsschichten von ~SO₄Zn~ und ~SO₄Cu~ aneinander grenzen.

Chemischer Vorgang:

~| Zn | --v-- --v-- --v-- --v-- | Cu |

| | SO₄Zn .... SO₄Zn SO₄Cu .... SO₄Cu | |~

Es geht also ~Zn~ in Lösung, bis die Flüssigkeit damit gesättigt ist,

was sehr lange dauert; ~Cu~ geht aus der Lösung und der vorhandene

Kupfervitriol wird verbraucht, kann aber leicht ersetzt werden, indem

man nach Bedarf weitere Kupfervitriolkrystalle hineinwirft.

[Abbildung: Fig. 141.]

Noch bequemer sind die Meidinger ^Ballon-Elemente^ eingerichtet. Ein

geräumiges Becherglas hat in der Mitte eine Einschnürung, auf dieser

steht in der oberen Hälfte der Zinkzylinder und am Boden ist das

Kupferblech, von dem der Draht nach aufwärts führt; das Glas wird mit

schwacher Zinkvitriollösung gefüllt. Ferner wird ein geräumiger

Glasballon mit Krystallen und gesättigter Lösung von Kupfersulfat

gefüllt, mit einem Korke verschlossen und durch denselben ein Federkiel

(Glasröhre) gesteckt. Der gefüllte Ballon wird dann umgekehrt und so in

das Becherglas gestellt, daß die Öffnung des Federkiels nahe am Boden

ist. Es strömt nun durch Diffusion Kupfersulfat aus dem Glasballon und

bedeckt das Kupfer mit einer gesättigten Lösung. Der chemische Prozeß

ist derselbe. Das Element dauert, ohne weiterer Aussicht zu bedürfen,

bis zu einem Jahre und wird deshalb besonders zu Haustelegraphen

benützt.

Das #Leclanché#’sche Element. In einem Becherglase steht eine Tonzelle,

gefüllt mit Braunsteinpulver und etwas Kohle; im Braunsteinpulver steckt

ein Kohlenblock. Im Glase befindet sich gesättigte Salmiaklösung, etwa

¹/₃ voll, und darin steckt ein fingerdicker Zinkstab. Chemischer Prozeß:

Das Zink zersetzt den Salmiak und verbindet sich mit Chlor; Ammonium

wird frei, wandert zum Braunstein und entreißt ihm Sauerstoff; das gibt

Ammoniak, das sich bald verflüchtigt, und Manganoxyd. Die

elektromotorische Kraft ist ziemlich groß = 1,3 Daniell, und das Element

empfiehlt sich durch seine einfache Zusammensetzung.

Bei allen Elementen ist Zink der negative Pol. Es gibt noch andere

Elemente von geringerer Wichtigkeit.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 121 / 340 题