112. Gesetze für die elektromotorische Kraft.

#Die elektromotorische Kraft wirkt unabhängig vom elektrischen Zustande

der beiden Stoffe.# Wenn etwa beide Stoffe, Zink und Schwefelsäure,

schon elektrisch sind, etwa durch eine Elektrisiermaschine geladen sind,

etwa mit dem Potenzial + 17, und es wirkt nun die elektromotorische

Kraft etwa so, daß das Zink - 8 und die Flüssigkeit + 3 an elektrischem

Potenzial bekommen sollte, so erhält das Zink ein Potenzial = 17 - 8 =

9, die Flüssigkeit ein Potenzial = 17 + 3 = 20. Es ist dann dieselbe

Potenzialdifferenz = 11 vorhanden, wie wenn beide Stoffe zu Anfang gar

keine Elektrizität gehabt hätten.

#Die durch die elektromotorische Kraft hervorgebrachte

Potenzialdifferenz ist unabhängig von der Größe der verwendeten Stoffe.#

Sind beide Stoffe klein, so zersetzen sich nur wenig Moleküle und die

Elektrizität ist an Menge gering, aber ausreichend um an den kleinen

Flächen eine entsprechende Potenzialdifferenz hervorzubringen. Sind

beide Stoffe sehr groß oder mit sehr großen isolierten Leitern

verbunden, so müssen sich entsprechend viele Moleküle zersetzen. Bei den

gewöhnlichen Versuchen, wobei ein Zinkstab in eine Tasse Schwefelsäure

gesenkt wird, genügt eine ungemein kurze Zeit, um so viele Moleküle zu

zersetzen, bis beide Stoffe vollständig geladen sind. Nur wenn beide

Stoffe sehr groß sind, wenn etwa das Zink mit einem sehr langen Drahte,

die Flüssigkeit mit der Erde in Verbindung gesetzt wird, verfließt eine

meßbare Zeit bis beide Stoffe mit entsprechendem Potenzial geladen sind.

#Sind beide Stoffe der Größe nach verschieden, so sind die Potenziale

der auf ihnen befindlichen freien Elektrizitäten auch verschieden#, da

durch den chemischen Prozeß stets gleiche Mengen ± ~E~ erzeugt werden.

Verbindet man das Zink mit der Erde, macht es also dadurch zu einem

ungemein großen Leiter, so hat es das Potenzial = 0, also hat die

isolierte Flüssigkeit ein Potenzial, das der elektromotorischen Kraft

entspricht, etwa + 11; wenn man die Flüssigkeit (durch einen

Platindraht) mit der Erde verbindet, so hat die Flüssigkeit ein

Potenzial = 0, also das Zink - 11. #Wird einer der beiden Stoffe zur

Erde abgeleitet, so ist sein Potenzial = 0, das des anderen gleich der

ganzen Potenzialdifferenz, welche der elektromotorischen Kraft des

Systems entspricht.#

Wenn zwei Metalle zugleich in derselben Flüssigkeit wirken, so schwächen

sich ihre elektromotorischen Kräfte, indem jede unabhängig von der

andern wirkt, aber in entgegengesetztem Sinne. Ist etwa ein Zink- und

ein Kupferdraht zugleich in Schwefelsäure, so wirkt einerseits das Zink

und bringt auf sich - 100 ~E~, auf dem Kupfer, das ja mit der

Flüssigkeit in Berührung steht, + 100 ~E~ hervor, andrerseits wirkt aber

auch das Kupfer und bringt auf sich - 37 ~E~, auf dem Zink + 37 ~E~

hervor; die Folge ist, daß auf dem Zink - 63 ~E~, auf dem Kupfer + 63

~E~ vorhanden ist.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 117 / 340 题