#Die elektromotorische Kraft wirkt unabhängig vom elektrischen Zustande
der beiden Stoffe.# Wenn etwa beide Stoffe, Zink und Schwefelsäure,
schon elektrisch sind, etwa durch eine Elektrisiermaschine geladen sind,
etwa mit dem Potenzial + 17, und es wirkt nun die elektromotorische
Kraft etwa so, daß das Zink - 8 und die Flüssigkeit + 3 an elektrischem
Potenzial bekommen sollte, so erhält das Zink ein Potenzial = 17 - 8 =
9, die Flüssigkeit ein Potenzial = 17 + 3 = 20. Es ist dann dieselbe
Potenzialdifferenz = 11 vorhanden, wie wenn beide Stoffe zu Anfang gar
keine Elektrizität gehabt hätten.
#Die durch die elektromotorische Kraft hervorgebrachte
Potenzialdifferenz ist unabhängig von der Größe der verwendeten Stoffe.#
Sind beide Stoffe klein, so zersetzen sich nur wenig Moleküle und die
Elektrizität ist an Menge gering, aber ausreichend um an den kleinen
Flächen eine entsprechende Potenzialdifferenz hervorzubringen. Sind
beide Stoffe sehr groß oder mit sehr großen isolierten Leitern
verbunden, so müssen sich entsprechend viele Moleküle zersetzen. Bei den
gewöhnlichen Versuchen, wobei ein Zinkstab in eine Tasse Schwefelsäure
gesenkt wird, genügt eine ungemein kurze Zeit, um so viele Moleküle zu
zersetzen, bis beide Stoffe vollständig geladen sind. Nur wenn beide
Stoffe sehr groß sind, wenn etwa das Zink mit einem sehr langen Drahte,
die Flüssigkeit mit der Erde in Verbindung gesetzt wird, verfließt eine
meßbare Zeit bis beide Stoffe mit entsprechendem Potenzial geladen sind.
#Sind beide Stoffe der Größe nach verschieden, so sind die Potenziale
der auf ihnen befindlichen freien Elektrizitäten auch verschieden#, da
durch den chemischen Prozeß stets gleiche Mengen ± ~E~ erzeugt werden.
Verbindet man das Zink mit der Erde, macht es also dadurch zu einem
ungemein großen Leiter, so hat es das Potenzial = 0, also hat die
isolierte Flüssigkeit ein Potenzial, das der elektromotorischen Kraft
entspricht, etwa + 11; wenn man die Flüssigkeit (durch einen
Platindraht) mit der Erde verbindet, so hat die Flüssigkeit ein
Potenzial = 0, also das Zink - 11. #Wird einer der beiden Stoffe zur
Erde abgeleitet, so ist sein Potenzial = 0, das des anderen gleich der
ganzen Potenzialdifferenz, welche der elektromotorischen Kraft des
Systems entspricht.#
Wenn zwei Metalle zugleich in derselben Flüssigkeit wirken, so schwächen
sich ihre elektromotorischen Kräfte, indem jede unabhängig von der
andern wirkt, aber in entgegengesetztem Sinne. Ist etwa ein Zink- und
ein Kupferdraht zugleich in Schwefelsäure, so wirkt einerseits das Zink
und bringt auf sich - 100 ~E~, auf dem Kupfer, das ja mit der
Flüssigkeit in Berührung steht, + 100 ~E~ hervor, andrerseits wirkt aber
auch das Kupfer und bringt auf sich - 37 ~E~, auf dem Zink + 37 ~E~
hervor; die Folge ist, daß auf dem Zink - 63 ~E~, auf dem Kupfer + 63
~E~ vorhanden ist.