Wenn der Blitz in einen Gegenstand schlägt, so bringt er vielfach
zerstörende Wirkungen hervor; nur im Wasser verschwindet er schadlos.
Nichtleiter werden durchbohrt: Holz wird zersplittert, ein Baum
zerspalten, die Rinde abgeschält, die Äste werden abgeschlagen und oft
weit herumgeschleudert; Mauern werden zersprengt oder gespalten, Steine
losgerissen, Mauerstücke verschoben oder umgeworfen. Durch Metallteile
läuft er oft, ohne sie zu beschädigen; sogar ganz dünne Drähte,
Klingelzüge, ja sogar die dünnen Metallüberzüge vergoldeter Leisten
werden oft vom Blitze durchlaufen, ohne daß er eine Spur hinterläßt.
Doch werden Metalle oft auch glühend gemacht, abgeschmolzen oder
zersprengt. Durch Glas geht er selten, weil er an den Fenstern meist
Metallteile findet; doch werden die Fensterscheiben oft durch den
Luftdruck zersprengt. Häuser, Scheunen, Strohhaufen u. s. w. werden
manchmal entzündet, doch sind die zündenden Blitze viel seltener als die
nicht zündenden. Der Weg, den der Blitz in einem Gebäude nimmt,
erscheint oft sehr unregelmäßig; doch scheint er dabei dem Gesetze zu
folgen: #der Blitz nimmt stets den Weg, auf welchem die Summe aller von
ihm zu überwindenden Widerstände am kleinsten ist#; er macht demgemäß
oft scheinbar einen Umweg, wenn er dabei gute Leiter trifft, die nur
durch geringere Lücken getrennt sind; bei einer Telegraphenleitung läuft
er meist nicht an der Stange herunter, sondern durchläuft eine wohl
meilenlange Leitung, weil ihn diese mit geringerem Widerstande in den
Boden führt. In trockenem Sand (Lüneburger Heide, Sahara) bilden sich
sogenannte Blitzröhren; die Sandkörner werden geschmolzen und bilden
dann eine Röhre, die innen ziemlich glatt ist, aber außen durch
angeschmolzene Sandkörner rauh erscheint; manchmal gabelt sich eine
solche Blitzröhre.[9]
[9] Die Blitzgefahr hat sich in Deutschland in den letzten 25-30
Jahren verdreifacht (Bezold); der jährliche Blitzschaden an Gebäuden
beträgt jetzt 6-8 Millionen Mark.
Sehr gefährlich wird der Blitz, wenn er durch den menschlichen (oder
tierischen) Körper geht. Sehr oft ist plötzlicher Tod die Folge; oft
aber betäubt er den Menschen nur vorübergehend oder durchfährt ihn unter
Verursachung eines heftigen zuckenden Schmerzes. Vielfach führt er
bleibende oder nur schwer heilbare Schädigung der Gesundheit herbei, wie
Lähmung einzelner Gliedmaßen oder der Sprache, Taubheit, Geistesstörung,
Zerrüttung des Nervensystems etc. Manche Leute mögen auch schon durch
den großen Schrecken, den diese überwältigende Naturerscheinung
hervorbringt, Schaden leiden. Ein- und Austrittsstelle des Blitzes sind
meist nur durch kleine Brandwunden, versengte Haare oder Kleidungsstücke
bezeichnet, oft gar nicht mehr erkennbar. Gröbere Zerreißung der Gewebe
im Innern des Menschen kommt nicht vor.
Siebenter Abschnitt.
Galvanische Elektrizität.