108. Blitzableiter.

Der Blitzableiter beseitigt die Gefahren des einschlagenden Blitzes,

indem er den einschlagenden Blitz ^auffängt^ (Auffangstangen) und dann

zur Erde ^ableitet^ (Ableitung). Die #Auffangstangen# sind (2-3 _m_)

hohe, dicke, eiserne Stangen, die auf den höchsten Teilen des Hauses

aufrecht befestigt werden. Da sie weit über die anderen Teile des Hauses

hervorragen, so trifft der Blitz in sie und nicht in das Haus. Die

auffangende Wirkung der Stange erstreckt sich aber nur über einen Kreis,

dessen Radius 2 mal so groß ist wie die Höhe der Stange. Ist ein Gebäude

groß, so bringt man mehrere Auffangstangen an, so daß die Auffangkreise

die ganze Dachfläche bedecken. Bei einem Turme läßt man von der

Auffangstange mehrere (4) Ableitungsstangen herabgehen und verbindet sie

in mäßigen Abständen durch Metallringe, die um den Turm laufen, so daß

der Turm gleichsam in ein Metallnetz eingehüllt ist (Straßburger

Münster).

Die Auffangstangen werden oben spitzig gemacht und zum Schutze gegen das

Verrosten vergoldet oder mit Platinspitze versehen. Man hat den Zweck

der Spitzen darin gesucht, daß durch sie viel Influenz-Elektrizität

gegen die Wolke ausströme und dadurch deren Elektrizität schwäche, und

in der Tat zeigen sich große Städte fast frei von Blitzgefahr; doch

einerseits ist man nur selten imstande, ein solches Ausströmen durch ein

Büschel- oder Glimmlicht wahrzunehmen, und andererseits mögen die viel

zahlreicheren Schornsteine durch die Verbrennungsgase Elektrizität

ausströmen lassen und so die Schwächung der Gewitterelektrizität

herbeiführen.[8] Trifft ein Blitz in die Spitze, so kann wohl während

des Herunterfahrens eine erhebliche Masse Elektrizität durch die Spitze

dem Blitze entgegenströmen, dadurch seine Gewalt verringern und auf eine

größere Zeit verteilen, und darin liegt wohl ein Nutzen der Spitze.

[8] „Die die Blitzgefahr verhütende Wirkung der Spitzen ist den

großartigen Vorgängen in der Atmosphäre gegenüber so gering, daß sie

fast vollständig verschwindet“ (~Académie française~). „Die Wirkung

der Spitzen erscheint in hohem Grade zweifelhaft“ (Akademie in

Berlin).

Die #Ableitung# soll den durch die Auffangstange aufgenommenen Blitz zur

Erde, oder die Influenzelektrizität der Erde ungefährlich zur Spitze

leiten. Die Ableitungsstangen führen deshalb von den Auffangstangen

ohne Unterbrechung bis tief in die Erde. Eiserne Ableitungsstangen

müssen sehr dick sein, zusammenstoßende Enden müssen gut aneinander

geschweißt sein; kupferne dürfen, da Kupfer ca. 6 mal so gut leitet wie

Eisen, viel dünner sein, und sind, da Kupfer nicht von Rost zerfressen

wird, dauerhafter als Eisen. Die Ableitungsstangen werden auf kürzestem

Wege zur Erde geführt, wobei scharfe Ecken vermieden werden; in die Erde

werden sie so tief geführt, bis das Erdreich beständig feucht ist; dort

läßt man sie in Kupferstreifen oder -Platten endigen, die man mit Kohle

umgibt, um mit dem Grundwasser eine möglichst innige, großflächige,

widerstandslose Verbindung herzustellen. Von jeder Auffangstange soll

wenigstens eine Ableitung zur Erde gehen, außerdem werden alle

Auffangstangen unter sich verbunden, da dann der Blitz sich auf alle

Ableitungen verteilt. Große Metallmassen am Hause, wie Metalldächer,

Dachrinnen, eiserne Gitter u. s. w. werden in die Ableitung

eingeschaltet, indem man sie am oberen und unteren Ende mit der nächsten

Stelle der Ableitung verbindet; der Blitz durchläuft dann auch diese

Metallmassen, aber ungefährlich, da er aus dem unteren Ende wieder in

die Leitung übergeht.

#Ein guter Blitzableiter schützt das Gebäude vor den Gefahren des

Blitzschlages#; wenn auch die Wahrscheinlichkeit des Blitzschlages durch

den Blitzableiter etwas erhöht wird. ^Sehr gefährlich ist eine schlechte

Ableitung^, da leicht der Blitz von ihr abspringt und dann in das Haus

fährt, oder einen Zweig in das Haus sendet. Dies tritt ein: wenn die

Leitungsdrähte zu dünn sind, oder zwei Drahtenden schlecht geschweißt

oder gelötet sind, oder wenn scharfe Ecken in der Leitung sind, denn sie

wird an solchen Stellen zerrissen; oder wenn die Ableitung nahe an

Metallmassen vorübergeht, die nicht in die Leitung eingeschaltet sind,

denn es springt dann wohl ein Teil des Blitzes auf die Metallmasse und

durch sie ins Haus; oder wenn die Ableitung nicht ganz ins feuchte

Erdreich führt, denn der Blitz sucht sich dann auch einen vielleicht

bequemeren Weg durch das Haus.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 113 / 340 题