Der Blitzableiter beseitigt die Gefahren des einschlagenden Blitzes,
indem er den einschlagenden Blitz ^auffängt^ (Auffangstangen) und dann
zur Erde ^ableitet^ (Ableitung). Die #Auffangstangen# sind (2-3 _m_)
hohe, dicke, eiserne Stangen, die auf den höchsten Teilen des Hauses
aufrecht befestigt werden. Da sie weit über die anderen Teile des Hauses
hervorragen, so trifft der Blitz in sie und nicht in das Haus. Die
auffangende Wirkung der Stange erstreckt sich aber nur über einen Kreis,
dessen Radius 2 mal so groß ist wie die Höhe der Stange. Ist ein Gebäude
groß, so bringt man mehrere Auffangstangen an, so daß die Auffangkreise
die ganze Dachfläche bedecken. Bei einem Turme läßt man von der
Auffangstange mehrere (4) Ableitungsstangen herabgehen und verbindet sie
in mäßigen Abständen durch Metallringe, die um den Turm laufen, so daß
der Turm gleichsam in ein Metallnetz eingehüllt ist (Straßburger
Münster).
Die Auffangstangen werden oben spitzig gemacht und zum Schutze gegen das
Verrosten vergoldet oder mit Platinspitze versehen. Man hat den Zweck
der Spitzen darin gesucht, daß durch sie viel Influenz-Elektrizität
gegen die Wolke ausströme und dadurch deren Elektrizität schwäche, und
in der Tat zeigen sich große Städte fast frei von Blitzgefahr; doch
einerseits ist man nur selten imstande, ein solches Ausströmen durch ein
Büschel- oder Glimmlicht wahrzunehmen, und andererseits mögen die viel
zahlreicheren Schornsteine durch die Verbrennungsgase Elektrizität
ausströmen lassen und so die Schwächung der Gewitterelektrizität
herbeiführen.[8] Trifft ein Blitz in die Spitze, so kann wohl während
des Herunterfahrens eine erhebliche Masse Elektrizität durch die Spitze
dem Blitze entgegenströmen, dadurch seine Gewalt verringern und auf eine
größere Zeit verteilen, und darin liegt wohl ein Nutzen der Spitze.
[8] „Die die Blitzgefahr verhütende Wirkung der Spitzen ist den
großartigen Vorgängen in der Atmosphäre gegenüber so gering, daß sie
fast vollständig verschwindet“ (~Académie française~). „Die Wirkung
der Spitzen erscheint in hohem Grade zweifelhaft“ (Akademie in
Berlin).
Die #Ableitung# soll den durch die Auffangstange aufgenommenen Blitz zur
Erde, oder die Influenzelektrizität der Erde ungefährlich zur Spitze
leiten. Die Ableitungsstangen führen deshalb von den Auffangstangen
ohne Unterbrechung bis tief in die Erde. Eiserne Ableitungsstangen
müssen sehr dick sein, zusammenstoßende Enden müssen gut aneinander
geschweißt sein; kupferne dürfen, da Kupfer ca. 6 mal so gut leitet wie
Eisen, viel dünner sein, und sind, da Kupfer nicht von Rost zerfressen
wird, dauerhafter als Eisen. Die Ableitungsstangen werden auf kürzestem
Wege zur Erde geführt, wobei scharfe Ecken vermieden werden; in die Erde
werden sie so tief geführt, bis das Erdreich beständig feucht ist; dort
läßt man sie in Kupferstreifen oder -Platten endigen, die man mit Kohle
umgibt, um mit dem Grundwasser eine möglichst innige, großflächige,
widerstandslose Verbindung herzustellen. Von jeder Auffangstange soll
wenigstens eine Ableitung zur Erde gehen, außerdem werden alle
Auffangstangen unter sich verbunden, da dann der Blitz sich auf alle
Ableitungen verteilt. Große Metallmassen am Hause, wie Metalldächer,
Dachrinnen, eiserne Gitter u. s. w. werden in die Ableitung
eingeschaltet, indem man sie am oberen und unteren Ende mit der nächsten
Stelle der Ableitung verbindet; der Blitz durchläuft dann auch diese
Metallmassen, aber ungefährlich, da er aus dem unteren Ende wieder in
die Leitung übergeht.
#Ein guter Blitzableiter schützt das Gebäude vor den Gefahren des
Blitzschlages#; wenn auch die Wahrscheinlichkeit des Blitzschlages durch
den Blitzableiter etwas erhöht wird. ^Sehr gefährlich ist eine schlechte
Ableitung^, da leicht der Blitz von ihr abspringt und dann in das Haus
fährt, oder einen Zweig in das Haus sendet. Dies tritt ein: wenn die
Leitungsdrähte zu dünn sind, oder zwei Drahtenden schlecht geschweißt
oder gelötet sind, oder wenn scharfe Ecken in der Leitung sind, denn sie
wird an solchen Stellen zerrissen; oder wenn die Ableitung nahe an
Metallmassen vorübergeht, die nicht in die Leitung eingeschaltet sind,
denn es springt dann wohl ein Teil des Blitzes auf die Metallmasse und
durch sie ins Haus; oder wenn die Ableitung nicht ganz ins feuchte
Erdreich führt, denn der Blitz sucht sich dann auch einen vielleicht
bequemeren Weg durch das Haus.