#Der Blitz ist der Entladungsfunke der in der Gewitterwolke vorhandenen
Elektrizität.# Man unterscheidet dreierlei Arten von Blitzen, die
Strahlen-, Flächen- und Kugelblitze. Die #Strahlenblitze# verlaufen
entweder bloß in den Gewitterwolken, oder gehen auch zur Erde. Sie haben
eine gezackte Form, entstehen oft aus mehreren Teilen, spalten sich auch
wieder, beschreiben, wenn sie zur Erde gehen, einen der Hauptrichtung
nach geraden und in der Wolke einen vielfach gebrochenen Weg, der aber
nicht wieder rückwärts führt.
Durch den in der Wolke verlaufenden Blitz verteilt sich die in einem
Teile der Wolkenmasse entstehende und zu großer Spannung angewachsene
Elektrizität auf die anderen Teile (Ballen) der ganzen Wolkenmasse.
Durch den zur Erde gehenden Blitz gelangt sie zu der auf der Erde
influenzierten Elektrizität und gleicht sich mit ihr aus, während die
Influenzelektrizität zweiter Art, die auf der entgegengesetzten Seite
der Erde (bei den Antipoden) entsteht, schon wegen ihrer Verteilung auf
eine sehr große Fläche als nicht mehr vorhanden angesehen werden darf.
Die Blitze in der Wolke haben oft eine Länge von mehreren Kilometern;
der einschlagende Blitz hat nur eine Länge von einigen hundert Metern
(Abstand der Wolke vom Boden). Gleichwohl hat der in der Wolke
verlaufende Blitz keine höhere Spannung der Elektrizität; er fährt von
Ballen zu Ballen, durchdringt die Wolkenmassen, welche durch die
Wasserteile einen, wenn auch schlechten Leiter bilden, setzt sich also
aus mehreren Teilen zusammen, und durchläuft so mittels derselben
Spannung einen viel längeren Weg, als wenn er durch die Luft zur Erde
geht.
#Flächenblitze# verlaufen nur in den Wolken; man sieht einen Teil, eine
Fläche der Wolken, plötzlich in hellem, grell-weißem Lichte aufleuchten,
jedoch keinen Strahl. Näheres über ihre Entstehung und ihren Verlauf ist
nicht bekannt, doch ist ihre Anzahl verhältnismäßig groß, oft größer als
die der Strahlenblitze.
#Kugelblitze# sind sehr selten. Es sind Strahlenblitze, die zur Erde
gehen; wenn sie aber in die Nähe der Erde oder eines hohen Gegenstandes
gekommen sind, gehen sie langsam, so daß man ihren Weg mit dem Auge
verfolgen kann, erscheinen dann als eine glänzende Lichtkugel
(Feuerkugel), laufen als solche sogar noch durch den Blitzableiter,
einen Baum und ähnliches und verschwinden dann in der Erde. Das
^Wetterleuchten^ rührt von fernen Blitzen her und kann bis zu 400 bis
500 _km_ Entfernung wahrgenommen werden, oft als Wiederschein an sehr
hohen Wolken.
Ziemlich selten ist auch das #St. Elmsfeuer#. Steht das Gewitter gerade
über uns, so beobachtet man manchmal Lichtbüschel, flackernde, zuckende,
auch ziemlich ruhige Lichtstrahlen von gelblichem und rötlichem Lichte,
die an hervorragenden spitzigen Gegenständen, Blitzableiterspitzen,
Helm-, Lanzen-, Masten- und Kirchturmspitzen, den emporgehaltenen
Fingern, den Spitzen von Bäumen und Sträuchern zum Vorschein kommen. Es
ist dies das elektrische Büschellicht (oder Glimmlicht), das dadurch
entsteht, daß die Influenzelektrizität erster Art der Erde bei den
Spitzen von Leitern ausströmt, durch die Luft zur Wolke geht und dort
die entgegengesetzte Elektrizität neutralisiert. Es bewirkt so anstatt
der raschen Entladung durch den Blitz eine langsame und ungefährliche
Entladung durch Ausströmen.