93. Elektrophor (Volta 1775).

[Abbildung: Fig. 122.]

Der ^Elektrophor^ besteht aus einem ^Harzkuchen^ oder einer

^Ebonitplatte^, die durch Reiben oder Peitschen mit einem Fuchsschwanze

- elektrisch gemacht wird, und aus einem ^Deckel^ oder ^Schild^, das ist

ein rundes Stück Blech oder mit Stanniol beklebter Pappendeckel, also

ein Leiter, der an drei isolierenden Seidenfäden gehalten werden kann.

Setzt man den Deckel auf die elektrische Platte, so wird er

influenziert, unten +, oben -; berührt man ihn nun mit dem Finger, so

läuft die abgestoßene - Influenzelektrizität zweiter Art fort, und der

Deckel behält die angezogene + Influenzelektrizität erster Art; entfernt

man nun auch den Finger und hebt den Deckel am Seidenfaden in die Höhe,

so hat er die + Influenzelektrizität, und zwar in ziemlich großer Menge,

so daß sie schon in Form eines Funkens auf den genäherten Finger

überspringt. Nimmt man dem Deckel seine Elektrizität, so kann man

denselben Versuch vielmals wiederholen. #Der Elektrophor dient dazu, um

größere Mengen Elektrizität zu erzeugen durch Influenz und Ableiten der

Influenzelektrizität zweiter Art.#

Die Platte verliert dabei nichts von ihrer Elektrizität, oder doch nicht

viel; denn nur in den wenigen Punkten, in denen der Deckel die Platte

wirklich berührt, geht die negative Elektrizität der Platte auf den

Deckel über, geht also verloren. Der Versuch gelingt auch, wenn man den

Schild nicht bis zur Berührung nähert; jedoch ist dann die influenzierte

Elektrizität schwächer.

Bedeckt man den Elektrophor mit dem Schild und läßt ihn so an einem

trockenen Orte stehen, so behält er wochen-, ja monatelang seine

Elektrizität. Denn die Elektrizität der Platte wird einerseits von der

Elektrizität des Deckels, anderseits von der auch influenzierten

Elektrizität der (leitenden) Unterlage gegenseitig angezogen und so

festgehalten.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 97 / 340 题