Wenn man Glas mit Leder reibt, so zeigt sich Glas + elektrisch, das
Leder unelektrisch, weil seine Elektrizität durch die Hand abgeleitet
wird. Wenn man aber ein Stückchen ^Leder auf einer isolierenden
Siegellackstange befestigt^, und nun mit dem Leder das Glas reibt, so
zeigt sich das ^Glas^ +, das ^Leder^ - ^elektrisch^. Dasselbe kann man
mit jedem Paare von Körpern tun: #stets werden beide Körper
entgegengesetzt elektrisch. Die Mengen der dabei erzeugten positiven und
negativen Elektrizität sind gleich.#
Welche Art Elektrizität ein Stoff bekommt, hängt auch davon ab, mit
^welchem^ Stoffe er gerieben wird, ja sogar, ^wie^ er gerieben wird;
Ebonit[7] wird mit Raubtierfell und Wolle -, mit Leder + elektrisch. Ein
Metall, auf einer Siegellackstange befestigt, wird durch Reiben
elektrisch; insbesondere ein ^Amalgam^, d. i. eine durch
Zusammenschmelzen erhaltene Legierung ^von Quecksilber^ (2 Teile) ^mit
Zink^ (1 T.) und Zinn (1 T.), erhält mit Glas, englischem Flintglas,
gerieben stets - Elektrizität; man streicht solches pulverförmiges
Amalgam auf Leder, das man zuerst mit etwas Fett eingerieben hat, und
benützt es so vielfach als Reibzeug. Auch zwei chemisch gleich
beschaffene Körper geben aneinander gerieben meistens Elektrizität, wenn
nur ihre Oberflächen etwas voneinander verschieden sind, oder ihre Wärme
etwas verschieden ist (der wärmere wird negativ). Die Art des
elektrischen Zustandes ist also nicht mit der Natur des Stoffes
verknüpft, sondern von den jeweiligen Umständen abhängig.
[7] Ebonit ist vulkanisierter, d. h. mit Schwefel versetzter
Kautschuk.
In folgender #Spannungsreihe# sind die Stoffe so geordnet, daß jeder
Stoff, mit einem der folgenden gerieben, + elektrisch wird, um so
stärker, je weiter die Stoffe voneinander abstehen.
+
Engl. Flintglas,
Glimmer,
Raubtierfell,
Gewöhnl. Glas,
Flanell,
Mattes Glas,
Seide,
Baumwolle,
Leinen,
Metalle,
Kork,
Harze,
Ebonit,
amalg. Leder,
Speckstein.
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