85. Theorie des Magnetismus.

Um die Erscheinungen des Magnetismus zu erklären, stellte Ampère

folgende Theorie auf.

Man nimmt an, jedes Eisenmolekül sei selbst ein vollständiger Magnet. Im

unmagnetischen Eisen liegen sie mit ihren Achsen so regellos, daß nach

außen sich keine Wirkung zeigt. Die Moleküle seien drehbar. Sind die

Moleküle alle so gedreht, daß alle gleichnamigen Pole nach derselben

Richtung schauen, ^polar^ angeordnet oder ^polarisiert^ sind, so wirken

sie nach außen wie ein Magnet, und zwar am Pol am stärksten, weil auf

den Pol zu alle Molekularmagnete in gleichem Sinne wirken, gegen die

Mitte zu schwächer, weil dort rechts und links liegende Stücke sich in

ihrer Wirkung aufheben.

[Abbildung: Fig. 108.]

Ein Magnet wirkt auf weiches Eisen dadurch, daß er dessen

Molekularmagnete polarisiert; doch kehren beim Entfernen des Magnetes

die Moleküle des weichen Eisens wieder fast vollständig in die regellose

Anordnung zurück, während die des Stahles fast vollständig in der

polaren Anordnung bleiben. Je vollständiger die Molekularmagnete in

polare Lage gebracht sind, desto stärker ist der Magnetismus; ein Magnet

ist gesättigt, wenn alle Moleküle vollständig polarisiert sind.

[Abbildung: Fig. 109.]

[Abbildung: Fig. 110.]

In neuester Zeit hat man, ohne die Erscheinungen des Magnetismus

erklären zu wollen, die Wirkung des Magnetes nach außen auf folgende

Weise veranschaulicht.

Wenn ein Magnet nach außen wirkt, so geschieht dies längs der

#Kraftlinien#. Bei einem Stabmagnete strahlen die Kraftlinien

vorzugsweise von den Polflächen aus, und ihre Richtung wird an jeder

Stelle angegeben durch die Richtung einer dort befindlichen kleinen

Magnetnadel. Streut man Eisenfeilspäne auf ein Blatt Papier und legt

unter das Papier einen Magnetstab, so dreht sich jeder Feilspan in die

Richtung der zugehörigen Kraftlinie, so daß deren strahlenförmige

Anordnung ein gutes Bild vom Verlauf der Kraftlinien gibt. Stellt man

sich vor, daß die Kraftlinien auch im Innern des Magnetstabes verlaufen,

so erkennt man, daß sie alle den Magnetstab der Länge nach durchsetzen

und dann büschelförmig in die Luft ausstrahlen.

#Eine Fläche, welche senkrecht zu den Kraftlinien steht, wird ein

magnetisches Feld genannt.# Die Stärke eines magnetischen Feldes wird

bemessen nach der Anzahl der Kraftlinien, welche die Flächeneinheit des

Feldes treffen. Beim Stabmagnet ist das Feld am stärksten an den

Polflächen, und die Stärke nimmt mit der Entfernung ab, nahezu wie das

Quadrat der Entfernung zunimmt.

Bei einem Hufeisenmagneten laufen die meisten Kraftlinien direkt oder

mit geringer Krümmung von Pol zu Pol. Es liegt deshalb zwischen den

Polen ein starkes magnetisches Feld.

Ein in der Nähe eines Poles, also in einem magnetischen Feld

befindliches Stück Eisen wird selbst magnetisch, #Feldmagnet#; es übt

gleichsam eine anziehende und ansammelnde Kraft auf die in seiner Nähe

verlaufenden Kraftlinien aus, so daß durch seinen Raum mehr Kraftlinien

gehen, als wenn es nicht da wäre. Es sieht so aus, wie wenn die

Kraftlinien leichter durch Eisen als durch Luft gingen, und deshalb

lieber den widerstandslosen Weg durch das Eisen wählten.

Ein Stück Eisen, welches die Pole eines Hufeisenmagnetes verbindet,

zieht fast alle Kraftlinien durch sein Inneres, so daß ein solches

Viereck nach außen keine oder fast keine Wirkung hervorbringt,

#Ringmagnet#.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 89 / 340 题