Zur Auffindung der Himmelsrichtung benützt man eine auf einer feinen
Spitze leicht drehbar aufgesetzte Magnetnadel und nennt sie ^Kompaß^
oder ^Bussole^. Die Nadel befindet sich dabei meist in einem mit
Glasdeckel versehenen Kästchen (~boussole~ heißt Kapsel) und spielt über
einem Kreise, der in Grade oder in die Himmelsrichtungen geteilt ist.
Auf einem Schiffe würde die Nadel wegen der Schwankungen des Schiffes an
der freien Bewegung verhindert sein; man wendet deshalb die ^kardanische
Aufhängung an^: die Kapsel ist mit zwei gegenüberstehenden Stiften in
einem Ringe drehbar befestigt, und der Ring selbst ist auch in zwei
gegenüberstehenden Stiften drehbar befestigt, wobei deren
Verbindungslinie senkrecht steht zu der der beiden anderen Stifte.
Dadurch stellt sich der Boden der Kapsel, deren Schwerpunkt ziemlich
tief liegt, stets horizontal, wie sich auch das Schiff dreht oder neigt.
[Abbildung: Fig. 111.]
[Abbildung: Fig. 112.]
Die Magnetnadel weicht von der Nordrichtung etwas nach Westen ab. Die
Richtung der Magnetnadel, sowie auch eine durch sie gelegte
Vertikalebene nennt man den #magnetischen Meridian#. Diese Abweichung
der Magnetnadel von der Nordrichtung nennt man #magnetische
Deklination#. Sie ist bei uns ca. 10° westlich und von Ort zu Ort
verschieden. Durch das östliche Amerika verläuft eine Linie ungefähr von
~N~ nach ~S~, auf welcher die Deklination gleich Null ist; sie heißt die
^agonische^ Linie; westlich von ihr wird die Deklination östlich, ist in
Asien meist sehr gering bis zur zweiten agonischen Linie, welche vom
östlichen Europa schräg gegen Australien zieht; westlich dieser Linie
ist die Deklination westlich. Verbindet man alle Punkte der
Erdoberfläche, welche denselben Betrag der Deklination haben, durch
Linien, ^Isogonen^, Linien gleicher Deklination, so gehen diese Linien
in der Hauptrichtung von Nord nach Süd. (Fig. 113.) Ihr Schnittpunkt auf
~Boothia felix~ heißt der #magnetische Nordpol der Erde# (Rooß 1831);
der im südlichen Eismeer vermutete magnetische Südpol der Erde ist noch
nicht erreicht worden.
[Abbildung: Fig. 113.]
Die Deklination ändert sich beständig, nimmt bei uns jetzt eben ab,
jährlich um etwa 0,16°, während sie früher zunahm und im Jahre 1814
ihren größten westlichen Betrag hatte. Diese Änderung heißt die
^säkulare Änderung der Deklination^. Ferner ändert sich die Deklination
täglich; indem sie täglich eine kleine Schwankung von 8-15' nach Ost und
West macht: ^tägliche Variation^ (Graham 1722). Schließlich ändert sie
sich hie und da unregelmäßig, plötzlich und stark, und kehrt dann zur
normalen Größe zurück; diese Störungen treten meist gleichzeitig mit
Nordlichtern auf, weshalb man dieselben auch ^magnetische Gewitter
nennt^. (Zuerst beobachtet von Halley 1716.)
[Abbildung: Fig. 114.]
Wenn man eine in ihrem Schwerpunkte befestigte Magnetnadel um eine
^horizontale^ Achse frei schwingen läßt und in die Richtung des
magnetischen Meridians bringt, so neigt sich bei uns das ^Nordende nach
abwärts^; #magnetische Inklination#. Sie beträgt bei uns über 60°, ist
gegen den magnetischen Nordpol zu größer, beträgt dort 90° und ist gegen
den Äquator zu kleiner. Sie wird gleich Null auf einer Linie, die in
der Nähe des Äquators läuft, ^magnetischer Äquator^, und ist südlich
derselben auch südlich, d. h. die Nadel neigt das Südende nach abwärts.
Linien, welche Punkte gleicher Inklination verbinden, heißen Isoklinen.
[Abbildung: Fig. 115.]
Wie die magnetische Kraft auf der Erde verteilt ist, sieht man an Fig.
115. Die dort verzeichneten Linien geben an, in welcher Richtung an
jedem Punkt die magnetische Kraft (wenigstens in horizontalem Sinne)
wirkt. Die Richtung einer Linie in irgend einem Punkte gibt die Richtung
des magnetischen Meridians, das ist die Richtung, welche eine
horizontale Magnetnadel annimmt. Der Verlauf jeder Linie gibt an,
welchen Weg man machen würde, wenn man stets in der Richtung der
Magnetnadel weitergehen würde. Sie geben (in horizontalem Sinne) den
Verlauf der magnetischen Kraftlinien auf der Erdoberfläche.