78. Meteorologische Erscheinungen der Luftfeuchtigkeit.

Aus dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft erklären sich viele Erscheinungen

in der Witterung. ^Wolkenbildung^ geschieht meistens nach folgendem

Gesetze: #Wenn man Luft zusammendrückt, so wird sie dadurch allein schon

wärmer#; ^umgekehrt^: #wenn man sie ausdehnt, so wird sie dadurch allein

schon kälter#. ^Der Betrag der Temperaturänderung ist sehr

beträchtlich^. #Das pneumatische Feuerzeug#: Es besteht aus einer

Metallbüchse, in die ein Stempel luftdicht paßt; an dessen unterer

Fläche befestigt man ein Stückchen Feuerschwamm und stößt den Stempel

rasch und stark in die Büchse; dadurch erhitzt sich die Luft so stark,

daß sie den Feuerschwamm entzündet, so daß bei raschem Herausziehen des

Stempels der Feuerschwamm noch glimmt.

#Wolkenbildung#: Wenn feuchte Luft aus irgend einer Ursache in die Höhe

steigt, dehnt sie sich aus, und wird dadurch kälter; deshalb wird ihre

relative Feuchtigkeit größer, sie überschreitet den Taupunkt, kann nicht

mehr alle Feuchtigkeit bei sich behalten und scheidet dann Wasser in

Form von kleinen Tröpfchen aus. Diese erscheinen uns als Wolke. Wenn

solche Luft wieder tiefer sinkt, so wird sie wieder wärmer, kann also

die Wasserteilchen wieder verdampfen und als Dampf aufnehmen.

Versuch: Man schwenkt einen Glasballon mit Wasser aus, so daß die Luft

in ihm feucht ist, und verschließt ihn mit einem Kork, durch den eine

Glasröhre gesteckt ist (bringt auch etwas Zigarrenrauch in die Flasche).

Bläst man durch die Röhre Luft in den Ballon, so wird sie verdichtet,

wärmer, und nimmt noch mehr Feuchtigkeit auf: läßt man die eingeblasene

Luft wieder ausströmen, ^so dehnt sich die Luft im Ballon aus, und

scheidet Nebel aus^, der die Luft trübt; wenn man wieder Luft einbläst,

verschwindet die Trübung vollständig u. s. f.

Wenn feuchte Luft vom Meere her gegen das Land weht, so muß sie sich

erheben, um so mehr, je höher das Land ist. Daher tritt Abkühlung,

Wolkenbildung und infolgedessen Regen ein; ^deshalb regnet es in

Gebirgen mehr als im Flachlande^. Die Alpen kondensieren fast allen

Wasserdampf der über sie hinstreichenden Luft; besonders regnerisch ist

deshalb die steil ansteigende Küste Norwegens, das isoliert stehende

Harzgebirge, ebenso Röhn, Eifel, Fichtelgebirge, Spessart. Die

Regenmengen in allen deutschen Mittelgebirgen sind größer als in den

Tälern. Wenn die Luft wieder ins Tal herabsteigt, löst sie die Wolken

oft vollständig auf, so daß im Tale weniger Regen, mehr Sonnenschein und

schon wegen der Zusammendrückung der Luft mehr Wärme ist.

Daß es ^auf Bergen kälter^ ist als im Tale, erklärt sich einerseits

daraus, daß die Wärme des Bodens leichter in den Himmelsraum ausstrahlen

kann, da die darüber liegende Luftschichte dünner ist, insbesondere aber

auch daraus, daß, wenn Luft vom benachbarten Tiefland über das Gebirge

weht, sie sich ^durch die Ausdehnung abkühlt^, umsomehr, je höher sie

steigt. Beim Herabsteigen wird sie durch das Zusammenpressen wieder

wärmer. Trockene Luft nimmt bei je 100 _m_ Höhe um 1° ~C~ ab, feuchte

langsamer. Wenn Luft von Italien her 20° warm ist und über die Alpen

etwa nach der Schweiz geht, so hat sie auf der Kammhöhe etwa nur 0°, auf

den Bergspitzen aber tief unter 0°. Steigt sie in die Schweiz herunter,

so hat sie etwa 15°, weil ja die Schweiz höher liegt als Italien. Dies

würde der Fall sein bei trockener Luft. Feuchte Luft scheidet aber auf

den Bergen Wasser aus, das als Regen oder Schnee auf die Berge fällt.

(Luft von 20° und 86% scheidet bei 3700 _m_ 6,6 Gramm Wasserdampf aus

jedem _cbm_ aus.) Durch die Kondensation des Wasserdampfes wird aber die

latente Wärme des Wasserdampfes frei; diese kommt der Luft zugute, so

daß sie sich etwas erwärmt, also schon auf den Bergen nicht so kalt ist,

als sie infolge der Höhe hätte sein sollen, also auf der Kammhöhe etwa

6° anstatt 0°, auf den Bergspitzen etwa -5° anstatt -12°. Steigt die

Luft nun in die Täler herab, so erwärmt sie sich anstatt bloß auf 15°

auf 30°, und da sie zudem ihre Feuchtigkeit größtenteils verloren hat,

so erscheint sie trocken (30%).

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 81 / 340 题