77. Hygrometer und Psychrometer.

Apparate, durch welche man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft messen kann,

nennt man Hygrometer.

[Abbildung: Fig. 100.]

#Das Hygrometer von August# (1828) wird Psychrometer (Naßkältemesser)

genannt. Es besteht aus zwei Thermometern, die an einem Gestelle

nebeneinander angebracht sind; das eine mißt die Temperatur der Luft und

heißt das ^trockene^ Thermometer; die Kugel des anderen, des feuchten,

ist mit dünnem Zeuge umwickelt, das mit Wasser befeuchtet wird durch

einen dicken Baumwollfaden, der in ein untergestelltes Schälchen

destillierten Wassers hängt. #Das feuchte Thermometer steht meist tiefer

als das trockene.# Denn das Wasser am feuchten Thermometer verdunstet,

verbraucht dabei Wärme (latente Wärme des Wasserdampfes), und wird

deshalb kälter. Dieser Unterschied beträgt um so mehr, je relativ

trockener die Luft ist, weil in trockener Luft das Wasser rascher

verdampft als in feuchter. Aus Tabellen kann man dann die zugehörige

absolute und relative Feuchtigkeit ablesen. Die Angaben dieses

Psychrometers sind sehr zuverlässig.

[Abbildung: Fig. 101.]

#Das Daniell’sche Hygrometer# (1820) dient zur Bestimmung des

#Taupunktes, d. h. derjenigen Temperatur, bei der die Luft mit der eben

in ihr enthaltenen Feuchtigkeit gesättigt ist#. Die Kugel eines

Thermometers befindet sich in einem Gefäße aus ^poliertem Silber^- oder

^Nickelblech^. Das Gefäß setzt sich oben in eine Glasröhre fort, die

seitwärts führt und in einer Glaskugel endigt. Im Gefäße befindet sich

etwas Äther; Röhre und Kugel sind durch Auskochen luftleer gemacht und

zugeschmolzen, also bloß mit ^Ätherdampf gefüllt^, und die Kugel ist mit

Zeug umwickelt. Tröpfelt man auf dieses Zeug etwas Äther, so kühlt er

ähnlich wie beim Ätherdampfbarometer durch seine Verdunstungskälte den

Ätherdampf in der Kugel ab. Deshalb kommt der Äther im Gefäß ins Kochen

und kühlt so die Silberwand ab. Die Luft an der Silberwand wird deshalb

auch kalt, und bald so kalt, daß sie mit Feuchtigkeit gesättigt ist; bei

der geringsten weiteren Abkühlung scheidet sie Wasserdampf aus, dieser

schlägt sich in feinen Tautröpfchen an die Silberwand nieder, trübt

dadurch deren Glanz und macht sich so bemerklich. Sobald man diese

Trübung wahrnimmt, liest man den Stand des Thermometers ab und findet so

den Taupunkt. An einem daneben befindlichen Thermometer liest man die

Lufttemperatur ab. Aus Tabellen findet man dann die zugehörige absolute

und relative Feuchtigkeit. Je (relativ) trockener die Luft ist, desto

weiter ist der Taupunkt von der Lufttemperatur entfernt. Beide Apparate

können bei genauen und richtigen Feuchtigkeitsbestimmungen nicht

entbehrt werden.

#Hygrometrische Substanzen haben die Eigenschaft, den in der Luft

enthaltenen Wasserdampf aufzunehmen und in Wasser zu verwandeln.# Manche

Stoffe, wie konzentrierte Schwefelsäure, ausgeglühte Potasche,

Chlorcalcium nehmen mit großer Begierde den Wasserdampf der Luft auf, so

daß man sie dazu verwenden kann, die ^Luft zu trocknen^; sie geben erst

bei hoher Temperatur das Wasser wieder her. Manche Körper, die aus

getrocknetem tierischen oder pflanzlichen Zellgewebe bestehen, wie Holz,

Stroh, Haar, Fischbein, Darmsaiten, Wolle u. s. w. haben auch die

Fähigkeit, Wasserdampf aus der Luft aufzunehmen; ^sie nehmen jedoch nur

eine Menge auf, die der relativen Feuchtigkeit der sie umgebenden Luft

proportional ist^ und geben auch bei gewöhnlicher Temperatur, wenn sie

in trockenere Luft kommen, einen entsprechenden Teil ihres Wassers

wieder her. ^Dabei erleiden sie eine Formveränderung^, Holz quillt auf

und wird größer, das Haar wird länger, ebenso Fischbein, und die

Darmsaite dreht sich auf. ^Darauf beruht die Verwendung dieser Körper zu

Hygrometern^.

[Abbildung: Fig. 102.]

Das #Haarhygrometer#. Ein entfettetes Haar ist oben festgemacht, unten

um einen drehbaren Stift gewickelt, der einen Zeiger trägt; durch ein

kleines Gewicht, das den Stift zu drehen sucht, wird das Haar gespannt

erhalten. Es ändert mit der Feuchtigkeit seine Länge, dreht den Stift

und den Zeiger, der dann auf einer Skala die relative Feuchtigkeit in

Prozenten angibt. Ähnlich ist beim Fischbeinhygrometer an Stelle des

Haares ein Streifen Fischbein, quer zur Faser geschnitten, angebracht.

Das ^Wolpert^’sche #Strohhalmhygrometer# besteht aus einem schmalen

Streifen eines Strohhalms, der am einen Ende festgeklemmt ist und mit

dem anderen Ende vor einer Skala spielt; der Strohhalm ist in ganz

feuchter Luft gerade, krümmt sich in trockener Luft so, daß seine

glänzende Seite außen ist.

Solche Hygrometer benützt man in Fabriken, Krankenzimmern, Schul- und

Wohnräumen, um die Feuchtigkeit der Luft zu messen. Luft zwischen 40 und

70% ist für den Menschen am zuträglichsten, feuchtere Luft erscheint

schwül und dumpf, trockene greift die Lunge zu stark an. Da die kalte

Luft an sich nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann, bei 0° 4,6 _mm_, so

wird sie, wenn sie im Winter in das Zimmer kommt und dort erwärmt wird,

relativ sehr trocken, weshalb man oft durch aufgestellte Verdampfschalen

der Zimmerluft Feuchtigkeit zuführen muß.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 80 / 340 题