Apparate, durch welche man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft messen kann,
nennt man Hygrometer.
[Abbildung: Fig. 100.]
#Das Hygrometer von August# (1828) wird Psychrometer (Naßkältemesser)
genannt. Es besteht aus zwei Thermometern, die an einem Gestelle
nebeneinander angebracht sind; das eine mißt die Temperatur der Luft und
heißt das ^trockene^ Thermometer; die Kugel des anderen, des feuchten,
ist mit dünnem Zeuge umwickelt, das mit Wasser befeuchtet wird durch
einen dicken Baumwollfaden, der in ein untergestelltes Schälchen
destillierten Wassers hängt. #Das feuchte Thermometer steht meist tiefer
als das trockene.# Denn das Wasser am feuchten Thermometer verdunstet,
verbraucht dabei Wärme (latente Wärme des Wasserdampfes), und wird
deshalb kälter. Dieser Unterschied beträgt um so mehr, je relativ
trockener die Luft ist, weil in trockener Luft das Wasser rascher
verdampft als in feuchter. Aus Tabellen kann man dann die zugehörige
absolute und relative Feuchtigkeit ablesen. Die Angaben dieses
Psychrometers sind sehr zuverlässig.
[Abbildung: Fig. 101.]
#Das Daniell’sche Hygrometer# (1820) dient zur Bestimmung des
#Taupunktes, d. h. derjenigen Temperatur, bei der die Luft mit der eben
in ihr enthaltenen Feuchtigkeit gesättigt ist#. Die Kugel eines
Thermometers befindet sich in einem Gefäße aus ^poliertem Silber^- oder
^Nickelblech^. Das Gefäß setzt sich oben in eine Glasröhre fort, die
seitwärts führt und in einer Glaskugel endigt. Im Gefäße befindet sich
etwas Äther; Röhre und Kugel sind durch Auskochen luftleer gemacht und
zugeschmolzen, also bloß mit ^Ätherdampf gefüllt^, und die Kugel ist mit
Zeug umwickelt. Tröpfelt man auf dieses Zeug etwas Äther, so kühlt er
ähnlich wie beim Ätherdampfbarometer durch seine Verdunstungskälte den
Ätherdampf in der Kugel ab. Deshalb kommt der Äther im Gefäß ins Kochen
und kühlt so die Silberwand ab. Die Luft an der Silberwand wird deshalb
auch kalt, und bald so kalt, daß sie mit Feuchtigkeit gesättigt ist; bei
der geringsten weiteren Abkühlung scheidet sie Wasserdampf aus, dieser
schlägt sich in feinen Tautröpfchen an die Silberwand nieder, trübt
dadurch deren Glanz und macht sich so bemerklich. Sobald man diese
Trübung wahrnimmt, liest man den Stand des Thermometers ab und findet so
den Taupunkt. An einem daneben befindlichen Thermometer liest man die
Lufttemperatur ab. Aus Tabellen findet man dann die zugehörige absolute
und relative Feuchtigkeit. Je (relativ) trockener die Luft ist, desto
weiter ist der Taupunkt von der Lufttemperatur entfernt. Beide Apparate
können bei genauen und richtigen Feuchtigkeitsbestimmungen nicht
entbehrt werden.
#Hygrometrische Substanzen haben die Eigenschaft, den in der Luft
enthaltenen Wasserdampf aufzunehmen und in Wasser zu verwandeln.# Manche
Stoffe, wie konzentrierte Schwefelsäure, ausgeglühte Potasche,
Chlorcalcium nehmen mit großer Begierde den Wasserdampf der Luft auf, so
daß man sie dazu verwenden kann, die ^Luft zu trocknen^; sie geben erst
bei hoher Temperatur das Wasser wieder her. Manche Körper, die aus
getrocknetem tierischen oder pflanzlichen Zellgewebe bestehen, wie Holz,
Stroh, Haar, Fischbein, Darmsaiten, Wolle u. s. w. haben auch die
Fähigkeit, Wasserdampf aus der Luft aufzunehmen; ^sie nehmen jedoch nur
eine Menge auf, die der relativen Feuchtigkeit der sie umgebenden Luft
proportional ist^ und geben auch bei gewöhnlicher Temperatur, wenn sie
in trockenere Luft kommen, einen entsprechenden Teil ihres Wassers
wieder her. ^Dabei erleiden sie eine Formveränderung^, Holz quillt auf
und wird größer, das Haar wird länger, ebenso Fischbein, und die
Darmsaite dreht sich auf. ^Darauf beruht die Verwendung dieser Körper zu
Hygrometern^.
[Abbildung: Fig. 102.]
Das #Haarhygrometer#. Ein entfettetes Haar ist oben festgemacht, unten
um einen drehbaren Stift gewickelt, der einen Zeiger trägt; durch ein
kleines Gewicht, das den Stift zu drehen sucht, wird das Haar gespannt
erhalten. Es ändert mit der Feuchtigkeit seine Länge, dreht den Stift
und den Zeiger, der dann auf einer Skala die relative Feuchtigkeit in
Prozenten angibt. Ähnlich ist beim Fischbeinhygrometer an Stelle des
Haares ein Streifen Fischbein, quer zur Faser geschnitten, angebracht.
Das ^Wolpert^’sche #Strohhalmhygrometer# besteht aus einem schmalen
Streifen eines Strohhalms, der am einen Ende festgeklemmt ist und mit
dem anderen Ende vor einer Skala spielt; der Strohhalm ist in ganz
feuchter Luft gerade, krümmt sich in trockener Luft so, daß seine
glänzende Seite außen ist.
Solche Hygrometer benützt man in Fabriken, Krankenzimmern, Schul- und
Wohnräumen, um die Feuchtigkeit der Luft zu messen. Luft zwischen 40 und
70% ist für den Menschen am zuträglichsten, feuchtere Luft erscheint
schwül und dumpf, trockene greift die Lunge zu stark an. Da die kalte
Luft an sich nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann, bei 0° 4,6 _mm_, so
wird sie, wenn sie im Winter in das Zimmer kommt und dort erwärmt wird,
relativ sehr trocken, weshalb man oft durch aufgestellte Verdampfschalen
der Zimmerluft Feuchtigkeit zuführen muß.