#Jede Flüssigkeit kann bei jeder Temperatur kochen, kocht aber nur dann,
wenn der auf der Flüssigkeit lastende Druck kleiner ist, als die
Spannkraft der Dämpfe, die sich bei der vorhandenen Temperatur aus der
Flüssigkeit entwickeln können.# Wasser kann schon bei 83° kochen, aber
nicht bei gewöhnlichem Luftdruck, sondern nur, wenn man die Luft
teilweise weggenommen hat, so daß der Druck nur ½ Atmosphären beträgt;
denn da das Wasser bei 83° einen Dampf von etwas stärkerer Expansivkraft
zu entwickeln imstande ist, so können sich diese Dämpfe wirklich
entwickeln.
Man findet dies am Ätherdampfbarometer bestätigt: 1) #Man erwärmt den
Äther in der Röhre#, so kann er Dämpfe entwickeln von höherer
Spannkraft, als die oben befindlichen kälteren Dämpfe besitzen; also
kocht er. 2) #Man kühlt die oben befindlichen Ätherdämpfe ab#, indem man
um die Röhre etwas Fließpapier wickelt und auf dieses Äther tröpfelt;
denn dieser Äther ^verdampft^ sehr rasch, ^verbraucht^ dabei viel Wärme
und ^kühlt^ dadurch den obern Teil der Röhre und die darin befindlichen
Ätherdämpfe ab. Deshalb ^kondensieren^ sich die ^Ätherdämpfe^ teilweise
und bekommen eine ^geringere Spannkraft^; aber der Äther in der Röhre,
der noch die ^höhere Temperatur^ hat, kann noch ^Dämpfe von höherer
Spannkraft^ hergeben, kocht also.
3) #Man erwärmt den Äther in der Röhre und kühlt zugleich die Dämpfe in
der Röhre durch Aufsetzen der Ätherkappe ab#; der Äther in der Röhre
kocht dann sehr stark, da nun beide Ursachen zusammenwirken.
Kochen des Wassers bei niedriger Temperatur. Man bringt in eine
#Kochflasche# etwas Wasser, bringt es zum Kochen, läßt es einige Zeit
kochen, bis die Dämpfe alle Luft aus der Flasche verdrängt haben,
verschließt die Flasche mit einem Korke und nimmt sie nun vom Feuer. Man
sieht dann das Wasser weiterkochen, sogar stark, wenn man die Flasche
mit kaltem Wasser übergießt, denn durch das kalte Wasser werden die
Dämpfe kondensiert, erhalten einen niedrigeren Druck, während das Wasser
in der Flasche noch heiß ist und deshalb noch Dämpfe von höherem Drucke
hergeben kann. Wenn man lauwarmes Wasser in einem Schälchen unter den
Rezipienten der Luftpumpe bringt, und rasch evakuiert, so kocht das
Wasser. (Robert Boyle 1660.)
#Bei einem Druck von 760 _mm_ kocht das Wasser bei 100°# (Definition).
#Ist der Luftdruck geringer, so kocht das Wasser schon bei niedrigerer
Temperatur#; auf dem Montblanc, wo der Luftdruck bloß ½ Atmosphäre
beträgt, kocht das Wasser schon bei 82°. ^Der Siedepunkt des Wassers
ist vom Barometerstand abhängig^. Dies muß man bei der #Bestimmung des
Siedepunktes eines Thermometers# berücksichtigen.
Weil der Siedepunkt des Wassers vom Luftdruck abhängt, so kann man das
#Thermometer anstatt des Barometers zu Höhenmessungen# benützen. Man
hält das Thermometer in die Dämpfe kochenden Wassers, findet etwa 87,6°,
erfährt aus der Tabelle, daß der dieser Temperatur entsprechende
Dampfdruck = 479,2 _mm_ ist, und weiß, daß der vorhandene Luftdruck eben
so hoch ist, und kann hieraus auf die Höhe des Berges schließen.