[Abbildung: Fig. 80.]
#Dampf besitzt als luftförmiger Körper die Eigenschaften der Gase:# er
besitzt ^Expansionskraft^; das ersieht man schon am kochenden Wasser;
denn wenn sich ein Wassertröpfchen in Dampf verwandeln soll, so muß es
sich, da der Dampf viel leichter ist als Wasser (1696 mal, sp. G. bei
100° = 0,000591), bedeutend ausdehnen, muß deshalb nicht bloß das über
ihm liegende Wasser heben, also den ^Bodendruck^ des Wassers überwinden,
sondern insbesondere den auf dem Wasser liegenden ^Luftdruck^
überwinden; ^der sich entwickelnde Dampf muß also eine Expansivkraft
besitzen, die etwas größer ist als 1 Atmosphäre^; #an der Oberfläche des
Wassers hat der Dampf eine Spannkraft von einer Atmosphäre#.
Füllt man eine Glasröhre, wie beim Torricellischen Versuche mit
Quecksilber und etwas Wasser, so hat man ein Barometer, bei welchem sich
im luftleeren Raum etwas Wasser befindet. Ein Teil des Wassers
verwandelt sich in Dampf, dieser erfüllt den luftleeren Raum, #übt einen
Druck auf das Quecksilber aus, weshalb das Quecksilber tiefer steht als
im Barometer#. #Dampfbarometer.#
Erwärmt man das Wasser im Dampfbarometer, so sinkt das Quecksilber
tiefer. Zugleich sieht man, daß bei rascher Erwärmung das Wasser kocht,
daß sich also aus dem Wasser neue Dämpfe entwickeln. #Bei der Erwärmung
erhalten die Dämpfe eine größere Spannkraft dadurch, daß sich noch neue
Dämpfe entwickeln, die zu den vorhandenen Dämpfen hinzutreten und
dadurch deren Dichte und Spannkraft erhöhen.# Bringt man in das
Dampfbarometer zum Quecksilber andere Flüssigkeiten, wie Spiritus,
Benzin, Schwefeläther, so sinkt das Quecksilber bei ihnen tiefer als
beim Wasserdampfbarometer, da die ^Dämpfe des Spiritus bei gleicher
Temperatur eine größere Spannkraft^ besitzen, als die Wasserdämpfe.
Durch genaue Ausführung solcher Versuche findet man die Spannkräfte der
Dämpfe bei verschiedenen Temperaturen.
#Wasser verwandelt sich, wenn es sich in einem sonst leeren Raum
befindet, bei jeder Temperatur in Dampf, dessen Spannkraft und Dichte
von der Temperatur abhängt.# Die Spannung des Wasserdampfes ist
insbesondere von Regnault (früher von Dalton 1766) bei verschiedenen
Temperaturen gemessen worden und in folgender Tabelle angegeben, deren
über 100° liegender Teil erst später erklärt werden wird, und aus Figur
81 ist das Anwachsen der Spannkraft des Wasserdampfes von 0° bis 100°
ersichtlich.
_t_ | _mm_ | _Atm_
-30° | 0,39 | 0,0005
-20° | 0,93 | 0,0012
-10° | 2,09 | 0,0027
0° | 4,60 | 0,0061
10° | 9,16 | 0,012
20° | 17,39 | 0,023
30° | 31,55 | 0,041
40° | 54,90 | 0,072
50° | 91,98 | 0,121
60° | 148,79 | 0,197
70° | 233,09 | 0,307
80° | 354,64 | 0,477
90° | 525,45 | 0,691
100° | 760,00 | 1,000
110° | 1075 | 1,41
120° | 1491 | 1,96
130° | 2030 | 2,67
140° | 2718 | 3,6
150° | 3581 | 4,7
160° | 4651 | 6,1
170° | 5962 | 7,8
180° | 7546 | 9,9
190° | 9442 | 12,4
200° | 11689 | 15,4
210° | 14325 | 18,8
220° | 17390 | 22,9
230° | 20926 | 27,5
[Abbildung: Fig. 81.]
#Wenn man einen Dampf abkühlt, so verdichtet sich ein Teil desselben
wieder zu Wasser, so daß die Spannkraft des übrigbleibenden, also
dünneren Dampfes der neuen niedrigen Temperatur entspricht.# Auch das
findet man am Dampfbarometer bestätigt, denn man sieht bei der Abkühlung
das Quecksilber steigen, und kann besonders beim Wasserdampfbarometer
ziemlich gut sehen, wie sich die oberen Glaswände mit Wassertröpfchen
beschlagen, die davon herkommen, daß sich ein Teil des Dampfes wieder in
Wasser verwandelt.