Wenn man eine Flüssigkeit stark genug in einem offenen Gefäße erwärmt,
so kocht sie, d. h. an den erwärmten Stellen ^verwandelt sich die
Flüssigkeit in Dampf^, der in Form von Dampfblasen in die Höhe steigt.
#Dampf ist ein luftförmiger Körper, meistens auch durchsichtig und
farblos#, z. B. bei Wasser, Weingeist und Quecksilber. #Die Temperatur,
bei welcher eine Flüssigkeit kocht, heißt ihre Siedetemperatur oder ihr
Siedepunkt#; sie ist bei Wasser 100°, Terpentinöl 157°, Leinöl 316°,
konzentr. Schwefelsäure 325°, Quecksilber 357,1°, Schwefel 448°, Benzin
80°, Alkohol 78,4°, Schwefelkohlenstoff 46,8°, Äther 34,9°. Wir
vermuten, daß jeder Stoff bei hinreichender Erhitzung sich in Dampf
verwandelt, daß also etwa Gold, Eisen, Platin, Kohle u. s. w., genügend
hoch erhitzt, verdampfen. Doch kann es dabei vorkommen, daß ein Körper
sich zersetzt, d. h. sich in zwei oder mehrere chemisch einfacher
zusammengesetzte Stoffe zerlegt (dissoziiert).
Während des Kochens behält das Wasser seine Temperatur unverändert bei.
#Alle dem Wasser während des Kochens zugefügte Wärme wird nicht dazu
verwendet, um die Temperatur zu erhöhen, sondern dazu, um das Wasser in
Dampf zu verwandeln.# Man nennt diese Wärmemenge die #latente oder
gebundene Wärme des Dampfes# oder die #Dampfwärme#. Die Dampfwärme des
Wassers bei 100° ist 537 Kalorien für 1 _kg_.
Wasserdampf hat eine Temperatur von 100° ~C~ ebenso wie das Wasser,
enthält aber um 537 Kalorien mehr Wärme als das Wasser von 100°. Deshalb
dauert es lange, bis das in einem Topfe befindliche Wasser ganz
verdampft ist. Auch wenn Wasser an der Luft verdampft, ohne zu kochen,
wird Wärme verbraucht, wodurch der verdunstende Stoff sich abkühlt.
#Verdunstungskälte.# Eine Thermometerkugel mit Leinwand umwickelt und
dann mit Äther befeuchtet, wird bis unter 0° abgekühlt.