59. Siedetemperatur, Dampfwärme.

Wenn man eine Flüssigkeit stark genug in einem offenen Gefäße erwärmt,

so kocht sie, d. h. an den erwärmten Stellen ^verwandelt sich die

Flüssigkeit in Dampf^, der in Form von Dampfblasen in die Höhe steigt.

#Dampf ist ein luftförmiger Körper, meistens auch durchsichtig und

farblos#, z. B. bei Wasser, Weingeist und Quecksilber. #Die Temperatur,

bei welcher eine Flüssigkeit kocht, heißt ihre Siedetemperatur oder ihr

Siedepunkt#; sie ist bei Wasser 100°, Terpentinöl 157°, Leinöl 316°,

konzentr. Schwefelsäure 325°, Quecksilber 357,1°, Schwefel 448°, Benzin

80°, Alkohol 78,4°, Schwefelkohlenstoff 46,8°, Äther 34,9°. Wir

vermuten, daß jeder Stoff bei hinreichender Erhitzung sich in Dampf

verwandelt, daß also etwa Gold, Eisen, Platin, Kohle u. s. w., genügend

hoch erhitzt, verdampfen. Doch kann es dabei vorkommen, daß ein Körper

sich zersetzt, d. h. sich in zwei oder mehrere chemisch einfacher

zusammengesetzte Stoffe zerlegt (dissoziiert).

Während des Kochens behält das Wasser seine Temperatur unverändert bei.

#Alle dem Wasser während des Kochens zugefügte Wärme wird nicht dazu

verwendet, um die Temperatur zu erhöhen, sondern dazu, um das Wasser in

Dampf zu verwandeln.# Man nennt diese Wärmemenge die #latente oder

gebundene Wärme des Dampfes# oder die #Dampfwärme#. Die Dampfwärme des

Wassers bei 100° ist 537 Kalorien für 1 _kg_.

Wasserdampf hat eine Temperatur von 100° ~C~ ebenso wie das Wasser,

enthält aber um 537 Kalorien mehr Wärme als das Wasser von 100°. Deshalb

dauert es lange, bis das in einem Topfe befindliche Wasser ganz

verdampft ist. Auch wenn Wasser an der Luft verdampft, ohne zu kochen,

wird Wärme verbraucht, wodurch der verdunstende Stoff sich abkühlt.

#Verdunstungskälte.# Eine Thermometerkugel mit Leinwand umwickelt und

dann mit Äther befeuchtet, wird bis unter 0° abgekühlt.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 61 / 340 题